Anlieger am Basteiring klagen über hohe Belastung
Durchfahrts-Raser lärmen in 30er-Zone

Coesfeld. Aschermittwoch. 7.35 Uhr. Auf dem Basteiring herrscht Rush-Hour. Ein Auto nach dem anderen flitzt am Haus von Bernhard und Mechthild Uesbeck vorbei. Auch ohne Messgerät ist schnell klar: Sehr viele Fahrer halten sich nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern in dieser Zone. Die meisten nutzen die gerade Strecke bis kurz vor der Seminarstraße, um nochmal kräftig Gas zu geben. Der Takt ist so hoch, dass ein Queren der Straße für Fußgänger kaum möglich, ja lebensgefährlich ist. „So geht das jeden Tag“, klagt Uesbeck. In der Hand hält er sein Smartphone und zeigt mit einer Lautstärke-App, welche Auswirkungen das für ihn hat: Bei langsameren Fahrzeugen schlägt der Zeiger nur leicht aus, zeigt 60 bis 70 Dezibel an, bei schnelleren geht es sofort in den Bereich über 100. Lärm, der laut WHO krank macht. Die Fenster öffnen können Uesbeck und seine Frau kaum noch – sogar nachts wird gerast.

Donnerstag, 27.02.2020, 05:28 Uhr
Anlieger am Basteiring klagen über hohe Belastung: Durchfahrts-Raser lärmen in 30er-Zone
Bernhard und Mechthild Uesbeck haben ihre Mülltonne schon mit einem 30-Schild als zusätzlichem Hinweis bestückt. Doch viele Autofahrer halten sich nicht ans Tempolimit. Auch für Hermann Josef Israel und Karl-J. Heilkenbrinker (r.) hat die Belastung ein unerträgliches Maß erreicht. Foto: Detlef Scherle

Seit Jahren setzt sich Uesbeck – auch als Vorsitzender der Antonius-Nachbarschaft – dafür ein, dass etwas gegen die Durchfahrts-Raser unternommen wird. „Die, die langsam fahren, stören uns kaum“, erklärt er. Ihm und den anderen Anliegern gehe es auch nicht um Sperrungen. Aber zum Beispiel auf der Seite seines Hauses eine Warnbake als Hindernis einzubauen, wäre eine gute Idee, die er auch schon bei der Stadtverwaltung vorgetragen hat. Doch dort mahlen die Mühlen langsam. „Vor 30 Jahren haben wir hier schon mit unseren Kindern mit selbst gemalten Bildern demonstriert“, erinnert er sich. Nach dem Bürgerentscheid vor 14 Jahren sei alles eher noch schlimmer geworden.

Auch dass es zu wenig 30er-Markierungen auf der Straße gibt, moniert er und hat schon zur Selbsthilfe gegriffen. Auf seiner Mülltonne prangt ein 30er-Schild. Und auch oben am Haus hat er einen Warnhinweis angebracht. Außerdem weist ein roter Bobby-Car vor seiner Auffahrt darauf hin, dass dort Kinder spielen. Die Autofahrer beeindruckt das offensichtlich kaum. Auch heute rasen sie so schnell an den Uesbecks vorbei, dass ein Gespräch kaum noch möglich ist.

Nur das Gerät, das die Geschwindigkeit anzeigt, hilft wirklich, weiß Uesbeck. Wenn die Stadt die Anzeigetafel mit den Smileys aufgestellt hat, halten sich deutlich mehr ans Tempo-Limit. Er würde sich wünschen, dass sie es viel öfter einsetzt. Gerade auch an Kirmes-Tagen. Dann sei dort besonders viel los. Leider gebe es aber für über 20 Messstellen im Stadtgebiet nur ein Gerät.

Ein Nachbar ist inzwischen dazugestoßen. Karl-Josef Heilkenbrinker, der an der Ecke Seminarstraße/Basteiwall wohnt. Auch er findet die Situation des Durchgangsverkehrs „unerträglich“. „Ich bedauere die Busfahrer, die hier um die Ecke müssen“, sagt er, während ein Schneeschauer niedergeht. Da komme es immer wieder zu brenzligen Situationen – vor allem mit Schulkindern. Hochgefährlich. „Der Busverkehr muss hier raus“, hat er eine klare Forderung an die Stadt. Die Kinder könnten auch am Busbahnhof am Schulzentrum aussteigen und die paar Schritte zum Heriburg laufen – wie die Kinder, die mit der Bahn kommen.

Unterstützt werden die Uesbecks und Heilkenbrinker von Hermann Josef Israel, der selbst im Hengte-Viertel wohnt, aber in der Nähe des Basteirings seine Enkelkinder hütet und daher die Situation sehr gut kennt. „Das Durchfahren muss unattraktiver gemacht werden“, meint er. Das Gegenteil sei aber der Fall. So habe die Stadt an der Kreuzung mit der Borkener Straße sogar noch eine Extra-Abbiegespur geschaffen, damit es sich nicht mehr lange staut.

Die Anlieger wollen sich nun nochmal zusammensetzen, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten und diese dann dem Stadtrat vorzulegen. Vor einem neuen Mobilitätskonzept müssten auf jeden Fall schon provisorische Maßnahmen ergriffen werden, sind sie sich einig. Ihre Geduld sei am Ende.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7297806?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker