Coronavirus: Apotheken und Baufachhandel bekommen von Großhändlern keine Masken nachgeliefert
Atemschutz allerorts ausverkauft

Coesfeld. Die zehn Atemschutzmasken, die er noch hatte, hat Franz-Hermann Hemsing innerhalb eines Tages verkauft. „Ich habe welche nachbestellt, aber ob und wann ich die bekomme, kann ich nicht sagen“, so der Apotheker. Wie in der Linden-Apotheke sieht es nahezu überall in Coesfeld und Lette aus, wie eine Umfrage unter allen Apotheken zeigt: Atemschutzmasken mit der Norm FFP3 sind nicht mehr lieferbar und überall bereits ausverkauft. Die Bürger wappnen sich gegen einen möglichen Ausbruch des Coronavirus in ihrer Stadt.

Freitag, 28.02.2020, 06:03 Uhr
Coronavirus: Apotheken und Baufachhandel bekommen von Großhändlern keine Masken nachgeliefert: Atemschutz allerorts ausverkauft
In der Linden-Apotheke erklärt Franz-Hermann Hemsing den Unterschied zwischen der Tröpfchenschutzmaske (l.), mit der Erkrankte andere schützen können, und der Atemschutzmaske (r.), mit der sich Menschen selbst vor einer Ansteckung schützen können. Letztere sind allerdings überall ausverkauft, wie eine Umfrage unter Apotheken in Coesfeld und Lette sowie im Baufachhandel zeigt. Lediglich eine eiserne Reserve zum Schutz der eigenen Mitarbeiter gebe es oft noch. Denn mit einem Ausfall des Apotheken-Personals sei im Notfall auch keinem Bürger geholfen. Foto: Florian Schütte

Zu unterscheiden sind die Atemschutzmasken, die einen Schutz für den Träger selbst vor Ansteckung bieten und die Tröpfchenschutzmasken, mit denen Erkrankte andere schützen können. Letztere sind noch in einigen Apotheken erhältlich. „Einige der Senioren möchten, dass ich so eine Maske trage“, sagt eine Kundin, die in der Altenbetreuung tätig ist, in der Linden-Apotheke. Sie hat sich soeben mit einem Schwung Tröpfchenschutzmasken ausgestattet. „Die meisten, die sich eine der Atemschutzmasken mit FFP2- oder FFP3-Standard gekauft haben, tun das als reine Vorsichtsmaßnahme – zum Beispiel, weil sie ins Ausland fahren oder es ihnen im Flieger ein sichereres Gefühl gibt“, sagt Franz-Hermann Hemsing. Doch seien solche Masken nach zehn Stunden dauerhaften Tragens durchgeweicht und müssten ausgetauscht werden. „Ich frage die Leute oft, die sich nach einer Maske erkundigen, ob sie auch Angst vor der Grippe haben, um die Verhältnismäßigkeit deutlich zu machen“, erklärt Hemsing. „Die Grippe ist im Winter ein alljährlicher Begleiter. Bei Corona ist es wohl die Angst vor dem Unbekannten“, vermutet Hemsing.

Bereits am Tag nach dem ersten Fall in München seien bei den Großhändlern die Lager leer gewesen. „Dazu kommt, dass die meisten Großhändler in Fernost sitzen“, meint Winfried A. Schürmann. Zur großen Nachfrage nach Atemschutzmasken in der Adler-Apotheke meint Schürmann: „Das hat mit Rationalität oft wenig zu tun“, so der Apotheker. „Ich hätte zig Masken verkaufen können, aber keiner der Kunden nimmt ein Desinfektionsmittel mit“, wundert sich Schürmann.

Das sieht in der Markt-Apotheke anders aus. „Sterillium gibt es nur noch in großen Gebinden. Die kleinen sind ausverkauft und nicht mehr lieferbar“, sagt Elke Oehlmen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Coesfelder Drogeriemärkten: leere Regale beim Desinfektionsmittel. Bei Atemschutzmasken muss die Markt-Apotheke ganz passen. Genauso wie die Bären-Apotheke: „Wir bestellen täglich nach, aber es gibt nichts mehr“, bedauert Katharina Schweinberger. Nachbestellungen laufen auch bei der Marien-Apotheke in Lette ins Leere und auch ein paar Meter weiter bei der Johannes-Apotheke meldet Ute König: „Große Nachfrage, aber nichts mehr zu bekommen, und das schon seit einer Woche.“ Gleiche Rückmeldung gibt es aus der Ahorn-, der Kreuz- und der Cronen-Apotheke: alles ausverkauft.

Bis zuletzt hatte die Laurentius-Apotheke noch ein Restkontingent. Doch auch dort sind seit gestern bis auf die Tröpfchenschutzmasken alle FFP3-Masken vergriffen. Selbst im Baufachhandel sieht es mittlerweile schlecht aus: „Die Regale sind komplett leer“, berichtet Marian Lüdiger vom Hagebaumarkt Frieling. Der stellvertretende Marktleiter stehe zwar in regelmäßigem Kontakt mit der Industrie. „Aber ich mache mir keine großen Hoffnungen, dass wir noch FFP3- Masken geliefert bekommen.“

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