Interview mit Prof. Lutz von Müller zum Coronavirus
„Wir werden die Epidemie überstehen“

Coesfeld. Atemschutzmasken sind überall ausverkauft, Desinfektionsmittel wird vielerorts knapp. Die Menschen treibt die Sorge vor dem Coronavirus um. Wie die Christophorus-Kliniken sich dagegen wappnen, wer sich testen lassen sollte und wie es mit der Immunität nach überstandener Infektion aussieht, erklärt Prof. Lutz von Müller, Facharzt für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, im Gespräch mit Redaktionsmitglied Florian Schütte.

Samstag, 29.02.2020, 11:06 Uhr aktualisiert: 29.02.2020, 18:01 Uhr
Interview mit Prof. Lutz von Müller zum Coronavirus: „Wir werden die Epidemie überstehen“
Statt Panik ist eher Wachsamkeit angebracht, was das Corona-Virus betrifft, das sich nun auch in NRW verbreitet. Foto: picture alliance/dpa

Professor von Müller, hatten Sie in den Christophorus-Kliniken bereits mit einem Corona-Patienten zu tun?

Prof. Lutz von Müller: Das Coronavirus beschäftigt uns natürlich sehr, aber bislang haben wir das Virus noch bei keinem einzigen Patienten nachgewiesen.

Wie rüsten sich die Christophorus-Kliniken gegen einen möglichen Ausbruch?

Prof. von Müller: Wir waren anfangs eines von nur drei Laboren in NRW, die das Virus innerhalb weniger Stunden nachweisen können. Darum haben wir uns schnell bemüht, was zeigt, dass wir uns schon sehr lange damit beschäftigen. Ansonsten steht alles wie bei einem Influenza-Ausbruch, den wir jedes Jahr erwarten. Wir sind gut vorbereitet und die Notfall- und Pandemie-Pläne stehen, aber wir müssen jeden Tag erneut schauen, wie wir sie anpassen.

Apropos Tests: Welche Symptome sind ausschlaggebend dafür, dass Bürger sich testen lassen sollten?

Prof. von Müller: Wenn Patienten die Symptome einer richtigen Grippe zeigen wie Fieber, Husten, Gliederschmerzen und allgemeine Abgeschlagenheit, sollten sie zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Wenn dieser dann zusätzlich eine Atemstörung feststellt, sollten sich die Patienten bei uns im Krankenhaus testen lassen. Patienten, die aber noch gemütlich selbst in die Klinik hineinspazieren können und lediglich Angst haben, können wir nicht anschauen, weil wir uns zurzeit um viele Schwerkranke – bedingt durch die saisonale Grippe – kümmern müssen.

Die Unsicherheit gegenüber so einem neuartigen Virus können Sie den Menschen aber kaum verdenken.

Prof. von Müller: Richtig! Das Schlimmste ist tatsächlich im Moment die Unsicherheit. Deswegen muss aber nicht jeder, der verängstigt ist, untersucht werden. Der nächste Schritt ist daher jetzt, den Druck bei möglichen Betroffenen rauszunehmen. Dazu warten wir auf eine Zusage der Kassenärztlichen Vereinigung, dass die Kosten für einen solchen Test von den Krankenkassen übernommen werden. Dies geschieht momentan nämlich nur dann, wenn die Tests vom Gesundheitsamt angeordnet werden.

Angenommen, das Coronavirus erreicht Coesfeld. Wie würden Sie im Notfall in den Christophorus-Kliniken vorgehen?

Prof. von Müller: Wir haben Zimmer, in denen die Patienten isoliert werden können. Je nachdem wie viele Patienten es sind, würden wir eine ganze Station räumen und zur Isolierstation umfunktionieren, in der dann absolut kein Publikumsverkehr mehr stattfindet.

Wie sieht es eigentlich nach einer überstandenen Infektion aus? Ist der Patient danach gegen das Coronavirus immun?

Prof. von Müller: Ja, wer es gehabt hat, ist erst einmal immun. Wie lange diese Immunität anhält, ist zurzeit noch nicht ganz klar. Aber ich bin insgesamt sicher: Nach der Influenza-Epidemie 2018 werden wir auch die Coronavirus-Epidemie 2020 überstehen.

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