Psychologin rät zu „vernunftgesteuertem Umgang“ mit Corona
Hamsterkäufe sorgen für leere Regale

Coesfeld. Blanke Regale, wo vorher noch Reis, Nudeln und H-Milch angeboten wurden. Leere Paletten auf denen sich sonst Zucker und Mehl stapelten – in den örtlichen Supermärkten sind manche Regal wie leer gefegt oder „geplündert“, wie es Marcus Ruschke beschreibt. „Seit letztem Donnerstag sind die Abverkäufe extrem nach oben gegangen“, sagt der Marktleiter des Edeka Centers an der Borkener Straße. Mit Hamsterkäufen decken sich die Bürger mit haltbaren Lebensmitteln ein, um im Falle einer Corona-Quarantäne gewappnet zu sein. „Es ist wie vor dem Osterwochenende“, zieht Ruschke einen Vergleich. Ähnlich sah es am Wochenende nebenan im Aldi aus, wo vor allem Mehl und Zucker fehlten. Im Kaufland herrschte auch am Montag zum Teil noch gähnende Leere bei Nudeln und Haferflocken.

Mittwoch, 04.03.2020, 05:44 Uhr
Psychologin rät zu „vernunftgesteuertem Umgang“ mit Corona: Hamsterkäufe sorgen für leere Regale
So sieht es derzeit in vielen örtlichen Supermärkten aus: Lücken in den Regalen vor allem bei den haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Haferflocken, Zucker und vereinzelt auch Cornflakes und Knäckebrot. Foto: Florian Schütte

Doch nicht nur Lebensmittel, auch Seife und Desinfektionsmittel gibt es kaum noch. „Die Menschen waschen sich bewusster und häufiger die Hände“, meint Marcus Ruschke. Während Lieferungen der meisten Lebensmittel heute im E-Center wieder die Regale füllen dürften, gibt es beim Desinfektionsmittel Engpässe. Das bestätigt auch Yves Passlack. „Da ist die Industrie nicht drauf vorbereitet gewesen“, meint der Marktleiter von Real. Ansonsten sei dort der Abverkauf haltbarer Lebensmittel „moderat“ gestiegen.

Offenbar gibt es bei den Hamsterkäufern zweierlei Typen. „Manche kaufen bewusst sechs Pakete Toilettenpapier oder Zewa, und andere kaufen einfach nur ein Glas Apfelmus mehr als sonst“, hat Marcus Ruschke im E-Center beobachtet. Beide Verhaltensweisen führen in der Häufung jedoch zu leeren Regalen.

Doch was steckt hinter dem Phänomen der Hamsterkäufe? „Hamsterkäufer handeln in Panik. Diese Panikreaktion ist als eine Reaktion auf eine als existenziell bedrohlich wahrgenommene Situation zu verstehen“, erklärt Dr. Judith Bahmer. „Leider sind Panikreaktionen zumeist irrational und wenig zielführend. Vor allem, weil es sich bei dem Auslöser um eine abstrakte Bedrohung unbekannten Ausmaßes handelt“, führt die Psychologische Psychotherapeutin aus Coesfeld weiter aus. Solche Bedrohungen würden gerne überschätzt. Hamsterkäufe gäben den Menschen das Gefühl vorbereitet zu sein und „die Kontrolle zurückzubekommen“, so Bahmer. Wenn es sich um das Hamstern von Desinfektionsmitteln oder Mundschutz handelt, ist das Verhalten sogar als destruktiv zu bewerten“, mahnt Bahmer, da medizinische Einrichtungen „unter Umständen in eine Mangelsituation geraten“. Da sich Menschen an Mitmenschen orientieren, können Situationen wie das Vorfinden leerer Regale im Supermarkt sich immer weiter potenzieren. „Das Individuum hinterfragt sein eigenes Tun dann nicht mehr, sondern schließt sich an“, erklärt die Diplom-Psychologin. Ihr Rat neben den allgemeinen Hygieneempfehlungen: „Ein besonnenes Verhalten hilft beim vernunftgesteuerten Umgang mit der aktuellen Situation.“

Immerhin eine positive Nachricht aus dem E-Center: „Es ist schön, dass die Leute sich nur mit dem Nötigsten bevorraten. Alkohol und andere Genussmittel sind davon nicht betroffen“, sagt Marktleiter Marcus Ruschke.

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