Musikschule will über ein Konzept zur Fortsetzung des Unterrichts beraten
Corona sorgt für Misstöne

Coesfeld. Wie Musik gerade in Krisenzeiten helfen kann, haben die Italiener gezeigt, die der Ausgangssperre mit spontanen Balkonkonzerten trotzen. In Coesfeld schweigen viele Instrumente. Die Musikschule hat ihren Betrieb eingestellt. Dabei hätten viele Kinder daheim gerade jetzt Zeit und vielleicht auch das Bedürfnis, sich intensiver als sonst mit ihrem Instrument zu beschäftigen.

Montag, 23.03.2020, 16:06 Uhr
Musikschule will über ein Konzept zur Fortsetzung des Unterrichts beraten: Corona sorgt für Misstöne
Manche Lehrer würden ihre Schüler gern weiter begleiten, indem sie auf digitalem Weg zum Beispiel per Smartphone Kontakt halten und etwa Hörproben austauschen oder Notenmaterial zur Verfügung stellen. Dafür gibt es aber noch kein ausgereiftes und ganzheitliches Konzept. Fotos: Pexels Foto: az

„Wir würden unsere Schüler gern auf andere Weise weiter begleiten“, sagt eine Lehrkraft, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Aus Kollegiumskreisen sei der Vorschlag gekommen, den Musikunterricht in anderer Form anzubieten – vor allem auf digitale Weise. Andere Musikschulen gingen diesen Weg bereits. Auch Eltern der Musikschule Coesfeld wünschten sich dieses Angebot, das vom Zweckverband aber nicht ermöglicht werde.

Vor allem für Honorarkräfte im Kollegium ist die Situation schwierig. Ihnen ist mitgeteilt worden, dass sie mit Ende des Musikschulbetriebs kein Honorar mehr erhalten – für manchen ein existenzielles Problem. Die Eltern der Musikschüler bekommen das Geld für nicht erteilten Unterricht zurück. „Ich kenne Kollegen, die mit den Eltern ihrer Schüler eine Vereinbarung getroffen haben und über Facebook oder WhatsApp den Unterricht privat fortsetzen“, so die Lehrkraft.

Eine betroffene Mutter begrüßt diese Lösung im Gespräch mit der AZ. „Ich finde, die Musikschule sollte zumindest ein Angebot erarbeiten“, meint sie. Man könne den Schülern doch Notenmaterial, Stücke und Hörproben zur Verfügung stellen. „Sonst verlieren die Kinder ja auch ihr Wissen wieder“, befürchtet sie. Außerdem sei es gut, wenn der Nachwuchs in diesen verwirrenden Zeiten seine gewohnten Musikstunden hätten – wenn auch auf andere Art – und sich mit seinen Instrumenten beschäftigen könne. „Aber die Musikschule hat für solche Fälle kein Konzept.“

Das weiß Musikschulleiter Bernd Mertens, der sowohl die Argumente aus dem Kollegium als auch die Anliegen der Eltern verstehen kann. „Tatsächlich sind wir in unseren digitalen Möglichkeiten noch nicht so weit wie andere Musikschulen.“ Trotzdem könne man den Lehrkräften keinen Freifahrtsschein geben, mit dem sie je nach individueller technischer Ausstattung und Kompetenz den Unterricht aufrecht erhalten. „Ich kann die Kollegen gut verstehen, wenn sie versuchen möchten, Kontakt zu ihren Schülern zu halten und ihnen Materialien zur Verfügung stellen wollen“, sagt Mertens. Wichtig sei es aber, eine ganzheitliche Lösung zu finden, die für alle Schüler und Angebote gelte. Schon am nächsten Mittwoch komme eine Expertengruppe zusammen, um sich über dieses Thema auszutauschen.

Zwei große Probleme sieht Mertens – ebenso wie der Zweckverband, berichtet er. Zum einen gehe es um den Datenschutz. Zum anderen müsse die Musikschule auch verhindern, dass sie in die Nähe anderer Anbieter gerate, die sich im Internet mit allerlei Videoangeboten tummeln. „Bei uns geht es gerade um das direkte Miteinander mit dem Lehrer. Digitale Medien können allenfalls eine Hilfe sein, aber den Präsenz-Unterricht können sie niemals ersetzen.“ Auf genau den seien aber die aktuellen Honorarverträge vieler Lehrkräfte ausgerichtet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7339936?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker