Patientenaufkommen bei Fachärzten geht stark zurück
In den Praxen hagelt es Absagen

Coesfeld. Wer in diesen Tagen in einer örtlichen Facharztpraxis anruft, muss sich zuweilen in Geduld üben. Denn in vielen Praxen steht das Telefon nicht mehr still. Seit Inkrafttreten der verschärften Maßnahmen gegen das Coronavirus hagelt es vermehrt Terminabsagen. „Die Leute werden sensibel“, bestätigt Petra Marpert von der urologischen Praxis Dr. Daniel Marpert. Doch auch die Praxen selbst beschränken zuweilen ihre Tätigkeiten auf das absolut Notwendige.

Dienstag, 24.03.2020, 15:30 Uhr
Patientenaufkommen bei Fachärzten geht stark zurück: In den Praxen hagelt es Absagen
Hautkrebs-Screenings werden in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Pappai und Prof. Schiller weiterhin durchgeführt, jedoch vorrangig, wenn die Patienten besorgt über Hautveränderungen sind. Foto: Adobe Stockfoto

„Wir haben alle Vorsorgeuntersuchungen abgesagt und neue Termine im August vergeben“, sagt Petra Marpert. Umfassende Maßnahmen habe man in der urologischen Praxis getroffen, um Patienten und Mitarbeiter zu schützen. „Dreimal täglich wird alles desinfiziert und einen provisorischen Türöffner haben wir einbauen lassen, damit die Patienten die Türgriffe nicht anfassen müssen“, nennt Petra Marpert Beispiele. Außerdem soll eine Glaswand an der Anmeldung für den nötigen Mitarbeiterschutz sorgen.

In der Gemeinschaftspraxis der Dermatologen Dr. Pappai und Prof. Schiller „läuft das Hautkrebs-Screening ,reduziert’ weiter“, sagt Prof. Meinhard Schiller. „Wenn jemand Sorge hat, weil sich ein Muttermal verändert hat, bekommt er aber selbstverständlich noch einen Termin“, verspricht Schiller. Das sei allein schon für die allgemeine Psyche wichtig, um Patienten nicht wochenlang „in der Luft hängen zu lassen“. Doch auch die Hautärzte registrieren viele Absagen von Vorsorgeuntersuchungen. „Die Patienten sind folgsam und nehmen es selbst in die Hand“, ist Schillers Eindruck. „Ästhetische Leistung haben wir komplett abgesetzt und die Patienten darüber informiert“, so der Dermatologe. Um Ansteckungen zu vermeiden, habe man die Wartezeiten auf ein absolutes Minimum reduziert, Zeitschriften und Flyer eingesammelt und die Mitarbeiter durch Plexiglasscheiben an der Anmeldung und Mundschutz geschützt.

Rund 40 Prozent weniger Patientenaufkommen registriert Dr. Nedim Yücel zurzeit im Orthopaedicum – darunter viele Therapieabsagen. Etwas abfedern können Yücel und seine Kollegen die Einbrüche zurzeit noch durch die gute Kooperation mit den Krankenhäusern. „Wir kümmern uns zum Beispiel um die handchirurgischen Patienten, die die Kliniken zurzeit wegschicken“, berichtet Yücel, der momentan maximal drei Personen im Wartezimmer Platz nehmen lässt. Der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie ist zwar zuversichtlich, dass die Krise Deutschland nicht so hart trifft wie andere Länder, glaubt aber dennoch, dass sich auch im medizinischen Bereich diese Situation nur „zwei oder drei Wochen durchstehen lässt“ – ohne harte wirtschaftliche Konsequenzen.

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