Sarah und Benni Riedel warten in Südafrika auf einen Rückflug
Flitterwochen mit offenem Ende

Coesfeld. Die Tour war genau geplant. Von Johannesburg über die Panorama-Route zum Krüger-Nationalpark, an die Ostküste, in die Drakensberge und nach Kapstadt. „Eine Woche lang war uns das gegönnt“, sagt Sarah Riedel. Dann gerieten die Flitterwochen zu einem Abenteuer mit noch ungewissem Ausgang, denn seit Tagen sitzen die Coesfelderin und ihr Mann Benni in einem Gästehaus in Johannesburg fest und warten mit weiteren gestrandeten Urlaubern aus den verschiedensten Nationen auf ihre Rückreise. Ein kleiner Hoffnungsschimmer tut sich auf: „Wahrscheinlich können wir am Freitag nach Hause.“

Mittwoch, 01.04.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 16:02 Uhr
Sarah und Benni Riedel warten in Südafrika auf einen Rückflug: Flitterwochen mit offenem Ende
Da schien noch alles in Ordnung: Benni und Sarah Riedel in St. Lucia am indischen Ozean – einen Tag später holte die Corona-Situation das Paar ein, das nun noch auf einen Rückflug wartet. Foto: az

Sieben Tage lang lief alles wie vorgesehen, dann holte die Corona-Situation die Riedels ein. Als sie in St. Lucia ankamen, wirkte alles so seltsam. „Normalerweise ist das eine kleine touristische Strandstadt“, erzählt Sarah Riedel. „Wir haben uns schon gewundert, dass gar nicht viel los war.“ Am nächsten Tag sei die Information gekommen, dass zwei infizierte Touristen in der Stadt und an den Hotspots unterwegs gewesen seien. Umgehend sei für alle Urlauber eine Ausgangssperre verhängt worden inklusive Verpflichtung zu einem Corona-Test. Auf das Ergebnis mussten sie mehrere Tage warten – gleichzeitig verkündete der Präsident den „Shutdown“ ab dem vergangenen Freitag. Losfahren Richtung Johannesburg durfte das Paar erst, als das negative Ergebnis vorlag: „Sonst hätten wir uns strafbar gemacht.“ Am Donnerstagmorgen konnten sie tatsächlich die siebenstündige Fahrt mit dem Mietwagen nach Johannesburg antreten. „Aber da gab es nur noch einen Flieger“, sagt Sarah Riedel. „Und der hatte keinen Platz mehr.“

Seitdem harren sie in einem kleinen Gästehaus aus, was sie aber noch als Glück empfinden. Im Gegensatz zu den Menschen, die in den großen Hotels untergebracht sind, dürfen sie noch aus dem Zimmer. „Außerdem ist die deutsche Botschaft sehr aktiv“, fühlen sich Sarah und Benni Riedel gut informiert – im Gegensatz zu einer Kanadierin und einer Russin, die ebenfalls in diesem Gästehaus wohnen: „Sie haben noch nichts von ihren Botschaften erfahren.“ Auch die Gastgeber seien sehr freundlich und unterstützten, wo es nur gehe.

Grundsätzlich, erzählt die Leiterin der SG-Tanzabteilung, werde in Südafrika sehr streng durchgegriffen. Alles sei durch das Militär gesichert: Wer ohne Erlaubnis das Haus verlasse, müsse mit einer Haftstrafe von bis zu sechs Monaten rechnen. All das sei angesichts des Gesundheitssystems und der fehlenden sozialen Distanz gerade in den Townships absolut verständlich.

Da geht es ihnen trotz aller Umstände gut, das halten die Riedels fest, auch wenn sie sich einem heftigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt sehen. Am Freitag könnte es klappen mit dem Heimflug. „Nach München“, erklärt die Coesfelderin. „Dann müssen wir noch nach Hause kommen, aber das sind Peanuts.“ Wahrscheinlich stehen noch zwei Wochen Quarantäne an, aber die Vorfreude auf die eigenen vier Wände und Hund Anton ist riesig. Und sicher ist schon jetzt: Sie wollen wiederkommen, wenn die Epidemie überstanden ist. „Die Reise pausiert nur“, lächelt Sarah Riedel. „Wir sind begeistert von Südafrika.“

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