Remondis verzeichnet noch keine Steigerung des Müllaufkommens
Fördert Corona-Krise den „Amazon-Effekt“?

Coesfeld. Längere Zeit zu Hause gleich mehr Müll – diese Rechnung geht nicht ganz auf. Denn zurzeit verzeichnet das Entsorgungsunternehmen Remondis noch keine signifikante Steigerung des Müllaufkommens.

Sonntag, 05.04.2020, 12:44 Uhr
Remondis verzeichnet noch keine Steigerung des Müllaufkommens: Fördert Corona-Krise den „Amazon-Effekt“?
Kartons von Online-Großhändlern gehören zwar richtigerweise ins Altpapier, schmälern aber doch dessen Qualität. Denn aus ihnen kann kein hochwertiges neues Papier hergestellt werden. Foto: Florian Schütte

Eine Ausnahme sei der Sperrmüll. „Viele nutzen die Homeoffice-Zeit offenbar, um mal ihren Keller zu entrümpeln“, meint Remondis-Sprecher Michael Schneider. Da die Wertstoffhöfe zurzeit jedoch noch geschlossen sind, führe dies ärgerlicherweise dazu, „dass einige ihren Sperrmüll an die Straße stellen“, so Schneider.

Ansonsten werde die Zeit zeigen, ob die Krise auch zu mehr Müll führe. „Beim Verpackungsmüll ändert sich gar nichts“, ist Schneider überzeugt. Denn bei dem Müll, der bestenfalls in der gelben Tonne landet, handele es sich um Verpackungen von Verbrauchsmaterial, „das so oder angefallen wäre, ob wir nun zu Hause sind oder nicht“, erklärt Schneider.

Interessanter sei da schon der Blick in die Papiermülltonne. Zwar habe sich seit Beginn der Krise auch in diesem Bereich das Aufkommen noch nicht spürbar verändert, aber langfristig „könnte sich der Amazon-Effekt verstärken“, so Schneider. Gemeint ist, dass verstärkt Pappkartons aus Lieferungen von Online-Großhändlern im Papiermüll landen – ein Trend, der sich schon seit einiger Zeit abzeichne und „die Qualität des gesamten Papieraufkommens schmälert“, bedauert Schneider. Denn: Aus alten Pappkartons könne man kein hochwertiges neues Papier machen wie aus alten Zeitungen oder Zeitschriften. Ergo müsse mehr Zellstoff für die Herstellung von neuem Papier hinzugefügt werden. „Dafür müssen dann wieder Bäume gefällt werden, was aus Klimaschutzgründen suboptimal ist“, so Schneider. Überhaupt: „Jedes Kilogramm Rohstoff, das sich wiederverwerten lässt, ist ein Vielfaches von dem, was man woanders auf der Welt nicht abbauen muss“, erklärt der Remondis-Sprecher.

Ausgenommen von dem Appell zur strikten Mülltrennung sind zurzeit nur Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Zwar werde der Großteil des wiederverwertbaren Mülls von Sortieranlagen getrennt und eben kaum noch händisch – auszuschließen sei dies jedoch nicht. Solange Corona-Patienten also ansteckend sind, seien alle auf der sicheren Seite, wenn in dieser Zeit der gesamte Hausmüll der Restmülltonne und damit der Verbrennung zugeführt werde.

Die Müllabfuhr fahre zurzeit noch nach Plan. Für den Fall vermehrter Krankmeldungen, müsse man über Notfallszenarien nachdenken und „Kategorien erstellen, was zwingend abgeholt werden muss und wo“, so Schneider. Dazu zählen beispielsweise Rest- und Biomüll, wohingegen Altpapier und Sperrmüll weniger dringlich abgefahren werden müssten.

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