Derzeit keine Prüfungen – besonders hart trifft das diejenigen, die die „Fleppe“ beruflich benötigen
Geduldsprobe für Führerscheinbewerber

Coesfeld. Als es hieß, dass auch die Fahrschulen wegen der Corona-Krise ihren Betrieb einstellen müssen, hatte Fahrlehrer Dieter Kock noch die stille Hoffnung, dass er zumindest den theoretischen Unterricht fortführen könnte. Doch weit gefehlt. „Die Nachricht hat uns erreicht, als wir gerade eine Prüfung mit mehreren Schülern hatten. Die haben wir dann noch ganz schnell durchgeführt. Danach war Schluss.“

Donnerstag, 09.04.2020, 10:48 Uhr
Derzeit keine Prüfungen – besonders hart trifft das diejenigen, die die „Fleppe“ beruflich benötigen: Geduldsprobe für Führerscheinbewerber
Nicht einmal seinen Fahrschulsimulator darf Fahrlehrer Dieter Kock seinen Fahrschülern aktuell zur Verfügung stellen, damit sie die unterrichtsfreie Zeit für ihre praktische Ausbildung sinnvoll nutzen könnten. Fotos: Archiv Foto: az

Dieter Kock, der seit fast 40 Jahren als Fahrlehrer aktiv ist, war schnell klar, dass eine Fahrstunde nicht möglich sein würde. „Wie soll man im Auto anderthalb Meter Sicherheitsabstand einhalten?“, lautete seine eher rhetorische Frage. Als Fahrlehrer müsse er ja auch manchmal ins Lenkrad greifen. Ein unmittelbarer Kontakt mit dem Fahrschüler sei daher nicht vermeidbar. Aber den theoretischen Unterricht könnte man gut online organisieren, dachte sich Dieter Kock.

„Nein, das macht keinen Sinn“, kommentierte Dieter Quentin, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) zu Beginn. Natürlich könnten Fahrschüler problemlos online Regelwissen pauken, „dagegen spricht überhaupt nichts“, so Quentin. Aber theoretischer Fahrschulunterricht sei sehr viel mehr. „Der Präsenzunterricht ist ein enorm wichtiger Baustein der Sozialisierung junger Fahrer im Straßenverkehr“, betont Quentin. Dort würden Fahranfänger einen Einblick in die Vielfältigkeit der am Verkehrsgeschehen beteiligten Personengruppen, einen Einblick in die Schutzbedürftigkeit, die Ansprüche und die Wünsche anderer Verkehrsteilnehmer erhalten. Das seien Unterrichtsanforderungen, die der beste Online-Unterricht niemals erfüllen könne.

An der Präsenzpflicht wird weiterhin festgehalten, war auch Dieter Kock noch Mitte März klar. Die Fahrschüler sollten nachweislich 14 Mal persönlich im Unterricht erscheinen, um die Voraussetzungen für die Prüfung zu erfüllen. Da dies in den letzten beiden Märzwochen nicht möglich gewesen ist, hat Kock seinen Schülern Online-Unterrichtsangebote zur Verfügung gestellt, was ihnen dann später im theoretischen Unterricht nützen könne. Dieser werde erteilt, sobald die Beschränkungen wegen Corona aufgehoben werden, hatte er seinen Schülern mitgeteilt.

Im Zusammenhang mit dem am 17. März 2020 verhängten Ausbildungsverbot und der Corona-Pandemie und den damit verbundenen unterschiedlichen Verfahrensweisen in den Bundesländern Niedersachsen und Hessen hat mit Erlass vom 2. April 2020 das Verkehrsministerium NRW den Erlass vom 19. März 2020 (digitale Verfahren) nun aufgehoben.

Danach ist es ab sofort zulässig, Online-Unterricht für den theoretischen Fahrschulunterricht, Fahrlehrerausbildungsstätten als auch für den Bereich Berufskraftfahrerqualifikation mit Ausnahme der Fahreignung als Ausbildung anzuerkennen.

Dieses soll zunächst bis zum 17. April 2020 befristet sein. Für die Genehmigung des Online-Unterrichts sind die zuständigen Aufsichtsbehörden vor Ort zuständig.

Als sogenannter Solo-Selbstständiger hat Kock inzwischen seine Autos und Motorräder stillgelegt, um nicht weiterhin Versicherungen zahlen zu müssen.

Er hatte die Hoffnung, dass er in der Zwischenzeit seinen Fahrschülern zumindest seinen Fahrsimulator kostenlos zur Verfügung stellen könnte. Aber das sei ebenfalls wegen der aktuellen Auflagen nicht möglich.

Anmeldungen für den Unterricht seien aber nach wie vor möglich. Das bestätigt auch Fahrlehrer Peter Schulz. „Wenn wir wieder freie Fahrt haben, können wir starten“, sagt er. Er ist dankbar dafür, dass seine Schüler Verständnis für die Situation aufbringen. Auch die fünf Schüler, die er für den 19. März zur Prüfung angemeldet hatte, hätten sich inzwischen damit abgefunden, dass ihr Prüfungstermin auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben werden musste. In einem Fall sei sogar ein Prüfling davon betroffen, dessen Arbeitsplatz vom Führerschein abhänge. Auch Anwärter für den Motorrad-Führerschein muss Peter Schulz vertrösten. Er hofft, dass alle Geduld aufbringen und in Ruhe abwarten können, bis der „Sturm“ vorüber ist.

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