Coesfeld
Gurkentruppe unter Hamsterverdacht

Irgendwie spüre ich den Blick schon im Nacken, als ich meinen Einkauf aufs Band lege. Etwas scheint nicht in Ordnung zu sein. Als ich mich kurz umdrehe, steht da – ordentlich im sicheren Zwei-Meter-Abstand – eine ältere Frau, die sichtlich erregt auf meine Sachen starrt: Bio-Milch, zehn Eier von glücklichen Hühnern, der Blaubeerjoghurt mit weniger Kalorien, Mango-Smoothie und fünf Schlangengurken. Eigentlich nichts, an dem ältere Damen Anstoß nehmen könnten. Keine Kondome. Kein Herrenmagazin. Kein Alkohol. Alles sauber. Ich schaue sie fragend an. Dann explodiert sie auch schon: „Jetzt werden schon frische Sachen gehamstert! Unglaublich!“ Und schiebt hinterher: „So viel Gurken können Sie doch nicht alleine essen!“ Dass ich unwillkürlich lächeln muss, scheint sie noch weiter auf die nicht vorhandene Palme zu bringen: „Oder decken Sie sich hier für ihr Restaurant ein?“ Sie weist triumphierend auf das Schild, das über der Kasse baumelt: „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen.“ „Nein“, finde ich meine Stimme wieder, „ich hamstere nicht.“ Es gehe nicht um Hamster, sondern um Meerschweinchen. Als ich dann von Lilly, Johnny, Rheinprinzessin und Finess, berichte, die daheim darauf warten, dass der zweibeinige Gurkenlogistiker seinen Lieferverpflichtungen nachkommt, muss auch die Kassiererin hinter ihrer Plexiglasscheibe lachen. „Ach, und ich dachte schon“, entschuldigt sich die ältere Dame. Ja, so schnell kann eine total unschuldige Gurkentruppe, die pro Woche gut und gerne fünf „Schlangen“ vertilgt, in Corona-Zeiten unter Hamsterverdacht geraten... Detlef Scherle

Donnerstag, 09.04.2020, 16:46 Uhr
Coesfeld: Gurkentruppe unter Hamsterverdacht
Lieblingsspeise Schlangengurken: v. l. Lilly, Johnny, Rheinprinzessin und Finess. Foto: Detlef Scherle
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