Friseure im Dauereinsatz
Mit Maske und ohne Kaffee

Coesfeld. Warteschlangen haben sich am Montag vor so manchem Friseursalon gebildet. Doch diejenigen, die sich spontan dort unter freiem Himmel eingereiht hatten, mussten oftmals ohne Haarschnitt wieder heimkehren. Denn ohne Termin ging am ersten Tag der Wiedereröffnung der Friseurgeschäfte gar nichts. Und das wird vorerst wohl auch so bleiben.

Dienstag, 05.05.2020, 05:20 Uhr
Friseure im Dauereinsatz: Mit Maske und ohne Kaffee
Friseurmeister Manuel Messing vom gleichnamigen Friseursalon muss wie seine Berufskollegen unter völlig neuen Bedingungen arbeiten. Die Kunden würden aber viel Verständnis für die Auflagen wegen der Corona-Pandemie aufbringen und sich sehr dankbar zeigen. Foto: az

Die Friseure durften nach fast sechs Wochen, in denen sie ihre Geschäfte wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, wieder öffnen. „Viele Kunden haben bereits lange vorher einen Termin vereinbart“, sagte Friseurmeister Manuel Messing.

Seine Branche habe mit einem Ansturm gerechnet und sich darauf vorbereitet. Wegen der strengen Vorgaben aufgrund des Coronavirus laufe ein Salonbesuch aber nun anders ab als gewohnt. Der Schutzstandard verbietet Wartebereiche in den Salons. Im Zweifel müssen Kunden also vor dem Geschäft warten.

Nicht nur die Kunden mussten sich am Montag auf Neues einstellen, sondern auch das Personal. „Das Haarewaschen ist keine Option mehr, sondern Pflicht“, betonte Manuel Messing, der mit seinem Team den Kunden am Montag von 8 bis 22 Uhr zur Verfügung gestanden hat. Es gebe eine Menge Nachholbedarf, sagte er.

Die Salons müssten strenge Sicherheitsvorkehrungen erfüllen: Um ausreichend Platz zwischen den Kunden zu wahren, stehen in vielen Salons nun weniger Stühle für Kunden bereit.

Die Friseure müssen Einmalhandschuhe tragen. Einen Mund- und Nasenschutz müssen sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden tragen.

Viele Kunden wären schon mit einer Maske in den Salon gekommen, so Ilona Brinkmann-Gottschalk, Mitarbeiterin in Schumanns Salon. Bereits um 7.30 Uhr seien die ersten Kunden eingetroffen. Als im Vorfeld die Termine vergeben worden seien, hätten sich alle Kunden mit jedem vorgeschlagenen Termin sofort einverstanden erklärt. „Alle waren glücklich, endlich wieder den Salon besuchen zu können.“ Neben Einwegkitteln nutzen die Mitarbeiter inzwischen auch wiederverwendbare Exemplare, die bei 60 Grad gewaschen werden können.

Sogenannte gesichtsnahe Dienstleistungen wie Rasieren oder Bartpflege sowie das Färben von Augenbrauen oder Wimpern bleiben verboten. Kundendaten werden zudem erfasst, damit bei möglichen Infektionen eine Rückverfolgung möglich ist.

Generell dürfen die Friseure nur noch unter Beachtung spezieller Hygieneregeln wieder arbeiten. Sie müssen einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Kunden sicherstellen, sodass weniger Kunden als gewohnt gleichzeitig bedient werden könnten. Arbeitsmaterialen wie Scheren und Rasierer müssen für jeden Kunden gereinigt werden. Zudem musste die Lüftung verbessert werden.

Durch das Haarewaschen vor dem Schneiden sollen mögliche Viren in den Haaren abgetötet werden. Wer sich damit nicht anfreunden könne, werde wieder nach Hause geschickt, sagt Oubid Ibrahim. Das habe er am Montag bereits einmal in seinem Salon durchgesetzt. Denn anderenfalls würde er Gefahr laufen, dass sein Friseurgeschäft wieder geschlossen würde. Das Ordnungsamt würde kontrollieren, ob die Auflagen eingehalten werden.

Wenn sich auch mancher Kunde über die strengen Auflagen ärgern würde, sei doch die Kundschaft insgesamt sehr dankbar, wieder in den Salon kommen zu dürfen. Inzwischen hätte so mancher Kunde selbst zur Schere gegriffen, um seine Haare oder diejenigen eines Angehörigen zu kürzen. „Dann müssen wir jetzt manchmal ein paar Korrekturen vornehmen“, schmunzelte Oubid Ibrahim.

Durch das Waschen der Haare werde der Haarschnitt vor allem für Männer, die oft auf das Haarerewaschen verzichten würden, teurer.

Aber die Friseure und Kunden müssen sich auch auf mehr Zeit pro Kunden einstellen. Auch das führe dazu, dass weniger Kunden als gewohnt bedient werden können. Viele Friseursalons haben auf ihren gewohnten Ruhetag am Montag verzichtet, um den zahlreichen Kunden den Wunsch nach einem langersehnten Termin zu erfüllen. „Wir sind jetzt auch samstags bis 18 Uhr für unsere Kunden da“, sagt Manuel Messing.

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