Tanzschule Falk darf seit dieser Woche wieder Privatstunden geben
Mit Erklär-Videos durch die Krise

Coesfeld. „Ich will einfach nur wieder arbeiten“, sagt Christiane Falk im großen Saal ihrer Tanzschule, in der die Tische hochgeklappt auf den Bänken an der Seite liegen. Seit fast zwei Monaten schwingt dort niemand mehr das Tanzbein. Doch jetzt gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Seit dieser Woche darf die Tanzlehrerin wieder Privatstunden anbieten für Tanzpaare, die aus einem Haushalt kommen. „Darüber sind wir schon total glücklich“, freut sich die Coesfelderin, die ihren Tanzschülern während der Krise Erklär-Videos und Equipment bereitstellt. Im Gegenzug hofft sie, dass ihre Schüler ihr die Treue halten.

Dienstag, 05.05.2020, 11:22 Uhr
Tanzschule Falk darf seit dieser Woche wieder Privatstunden geben: Mit Erklär-Videos durch die Krise
Mit Erklär-Videos über WhatsApp versorgt die Tanzschule Falk ihre Schüler derzeit. Hier zeigt Tanzlehrer Maurice Klavon den Hip-Hoppern, wie die „Armwaves“ auszuführen sind. Foto: Florian Schütte

Noch halten sich die Zahl der Solidaritätsbekundungen und die der Kündigungen die Waage. In einer Krise jedoch nur ein schwacher Trost, denn am Ende klafft wegen zu zahlender Fixkosten wie Gema-Gebühren trotzdem ein finanzielles Loch. „Wir haben zwar gut gewirtschaftet“, sagt die Tanzlehrerin, „aber wenn das jetzt noch ein halbes Jahr so geht, dann war’s das“, legt sie die Karten offen auf den Tisch. Wegen abgesagter Hochzeiten seien ihr bereits zehn Paare weggebrochen. „Damit und mit den Abschlussbällen verdienen wir unser Taschengeld, um über den Sommer zu kommen“, erklärt Christiane Falk. Ansonsten belaufen sich ihre Einnahmequellen auf die Tanzkurse nach den Ferien.

Einen Sonderantrag auf eine Ausnahmegenehmigung hatte sie schon ans Ordnungsamt gestellt. Dieses sollte ihr die Auflagen nennen, unter denen ein – wenn auch eingeschränkter – Betrieb möglich wäre. „Uns wurde zunächst gesagt, Tanzen ist Sport und deswegen geht es nicht“, meint Robert Kreyß. „Klar, Zumba ist Sport, aber Tanzen ist doch auch Kultur“, findet der Tanzlehrer, der deswegen froh über den jetzigen Bescheid von Ordnungs- und Gewerbeamt ist. „Und wir müssen ja nicht singen. Unsere Leute können ja alle Mundschutz tragen“, fügt Christiane Falk hinzu. Dafür hat sie sogar schon eigene Mundschutz-Masken in Auftrag gegeben, die sie gegen eine kleine Spende herausgibt. Um ihre Tanzschüler bei der Stange zu halten, hat sie ein Versprechen gegeben: „Nach der Krise dürfen alle kostenlos so lange in andere Tanzkurse hineinschnuppern, wie sie jetzt nicht tanzen konnten.“

Bis dahin versorgt die Tanzschule Falk ihre Tanzschüler in den WhatsApp-Gruppen aller Sparten mit Erklär-Videos. In einem sitzt Tanzlehrer Maurice Klavon auf einem Stuhl und zeigt den Hip-Hoppern in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie die „Armwaves“ auszuführen sind. „Wir tanzen auch die Tänze alle einmal durch, zeigen neue Figuren und erklären Damen- und Herrenschritte“, sagt Christiane Falk. Das Feedback dazu von den Tanzschülern ist durchweg positiv. Auch ihre Stangen zum Üben von Pole Dance hat die Tanzlehrerin alle verliehen. Doch ob Break Dance, Capoeira oder Pole Dance – „online ist es trotzdem nicht das Gleiche wie der Unterricht vor Ort“, meint Robert Kreyß.

Die vergangenen Wochen hat Christiane Falk in der Tanzschule für Renovierungen genutzt. Denn nur die Füße hochlegen – das passt nicht zu ihr. „Ich hatte auch schon mit meinem Steuerberater gesprochen. Ich darf auf 450-Euro-Basis einen Nebenjob machen“, nimmt die Tanzlehrerin es mit Galgenhumor. „Und ich wollte auch schon Erdbeeren pflücken gehen. Aber so versuche ich jetzt erst mal, mit den Privatstunden über die Runden zu kommen.“

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