64 positiv getestete Mitarbeiter bei Westfleisch – der Schlachtbetrieb darf weiterlaufen
Kontaktloses Fiebermessen am Tor

Coesfeld. Nach der Häufung von Covid-19-Ansteckungen bei der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld (wir berichteten) muss sich die Bevölkerung nach Auskunft des Kreisgesundheitsamtes Coesfeld keine Sorgen über eventuell infiziertes Fleisch oder eine weitere Infektionswelle machen. „Eine Schließung des Betriebs ist nicht erforderlich“, betonte Amtsärztin Celine Klostermann auf Nachfrage. Sie verstehe die Verunsicherung, nachdem dort 64 Mitarbeiter positiv getestet worden waren. Das Unternehmen setze aber umfangreiche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen um. Dass so viele positive Fälle durch Tests entdeckt worden sind, wertet sie eher als „Erfolg“, denn dadurch könne die Behörde nun aktiv werden und zum Beispiel mit Quarantänemaßnahmen gezielt für eine Eindämmung sorgen. Es sei besser, „jetzt hohe Fallzahlen zu haben, als eine Ausbreitung, von der wir nichts wissen“.

Mittwoch, 06.05.2020, 06:14 Uhr
64 positiv getestete Mitarbeiter bei Westfleisch – der Schlachtbetrieb darf weiterlaufen: Kontaktloses Fiebermessen am Tor
Beim Fleischcenter Coesfeld in Stockum sind insgesamt 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Viele von ihnen kommen aus Osteuropa. Fotos: Westfleisch/Archiv Foto: az

Über mehrere Erkrankte sei man auf Westfleisch aufmerksam geworden. Abstriche von Personen, erklärte sie, seien vor allem in Unterkünften, aber auch im Betrieb vorgenommen worden. Getestet worden seien zunächst Mitarbeiter mit Symptomen. Neben den positiv getesteten sind inzwischen acht weitere Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt worden. Die Bewohner einer größeren Unterkunft in Dülmen müssen komplett zu Hause bleiben.

Seit Ende vergangener Woche läuft bei Westfleisch „eine gezielte Testreihe unter Kontaktpersonen, um mögliche Virusträger noch schneller zu identifizieren“, erläuterte Unternehmens-Sprecher Philipp Ley. „Auch bei diesem Vorgehen folgen wir den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und arbeiten eng mit den Behörden zusammen“, sagte er. Dass das gut läuft, bestätigte auch Klostermann. Die getroffenen Absprachen würden eingehalten. Nach Auskunft von Ley hat Westfleisch schon Anfang des Jahres eine Pandemie-Sonderkommission eingerichtet. Gearbeitet werde im Betrieb „in klar abgegrenzten Kleingruppen“. Bereits beim Betreten des Geländes müssten Mitarbeiter Mund-Nasen-Schutz tragen. Am Werkstor läuft eine kontaktlose Fiebermessung.

Kritik eines ehemaligen Mitarbeiters, der sich bei unserer Zeitung meldete, dass teils auch fiebernde Personen durchgewunken worden seien und vor allem bei den Arbeitern aus Osteuropa „viel Druck aufgebaut“ werde, auch krank zu kommen („Sonst kannst Du deine Papiere abholen!“) wies Ley zurück. „Generell achten wir sehr konsequent auf jegliche Warnsignale, nehmen Krankheitsmeldungen sehr ernst und schicken jeden Mitarbeiter bei ersten Verdachtsmomenten zum Arzt“, unterstrich er. Die Automatik zum Fiebermessen, räumte er ein, habe am Anfang „eine falsche Temperatur angezeigt, so dass öfter nachgemessen wurde.“ Nach einer Nachjustierung laufe das nun reibungslos.

In den Pausenräumen, zählte er weiter auf, sind alle Plätze durch Plexiglas abgeschirmt. Spezielle Schutzmasken würden in Bereichen getragen, in denen der empfohlene Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Die Zahl der gleichzeitig in der Produktion arbeitenden Menschen sei reduziert worden. Die Produktionsfähigkeit sei aber weiterhin gegeben. Ley: „Wir verzeichnen ein normales Geschäft.“

Kann das vermehrte Corona-Auftreten etwas mit überbelegten Unterkünften zu tun haben? Ley winkte ab: Die Unterbringung sei „der von Familien und Wohngemeinschaften sehr ähnlich“. Mehrheitlich seien die Wohnungen mit drei bis fünf Personen belegt.

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