Ehemalige Halco-Mitarbeiter empört über Verhalten der Hüls-Unternehmensgruppe
„Fünf Millionen Euro für Schalke und für uns nichts“

Coesfeld. Hans-Jürgen Hansen ist stinksauer. 40 Jahre war er bei der Hüls-Unternehmensgruppe beschäftigt, zuletzt beim Tochterunternehmen Halco im Gewerbegebiet Otterkamp. Wie berichtet wurden die HalcoWerke in Coesfeld und Stadtlohn im vergangenen Jahr geschlossen – rund 200 Mitarbeiter standen plötzlich auf der Straße. Hansen ist 61 Jahre alt. „Da findet man nichts mehr“, sagt er mit Bitternis in der Stimme. So richtig geärgert hat den Coesfelder aber nochmal eine Nachricht, die ihn kürzlich erreichte. Die Hüls-Unternehmensgruppe sponsert den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 künftig laut WAZ mit fünf Millionen Euro. „Und für uns gab es nichts“, klagt Hansen. Keinen Cent Abfindung haben er und seine Kollegen bisher gesehen.

Samstag, 09.05.2020, 06:32 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 12:06 Uhr
Ehemalige Halco-Mitarbeiter empört über Verhalten der Hüls-Unternehmensgruppe: „Fünf Millionen Euro für Schalke und für uns nichts“
Rolläden runter – alles dicht: Die Betriebsräte Freddy Tausendfreund (l.) aus Stadtlohn und Wolfgang Bergerbusch aus Coesfeld stehen vor dem ehemaligen Halco-Gebäude in Stadtlohn. Foto: Ronny von Wangenheim

„Die haben uns in den Sozialplanverhandlungen gesagt: Die Kassen sind leer“, erinnert sich Wolfgang Bergerbusch, Betriebsratsvorsitzender bei Halco. „Eine dreiste Lüge.“ Den Mitarbeitern wurde gekündigt – zweimal. Und als die Arbeitsgerichte die Kündigungen für unrechtmäßig erklärten, meldete Halco Insolvenz an. „Vom Insolvenzverwalter kam im Januar die dritte Kündigung“, so Bergerbusch. Er sei entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit der Hüls-Unternehmensgruppe (HUG), „die eigenen Leute in den Abgrund zu stoßen“ und das Geld stattdessen in Fußball zu investieren. Auch bei vielen anderen ehemaligen Kollegen habe das Empörung ausgelöst. „Wir Betriebsräte haben etliche Anrufe bekommen.“

Bei Halco gehe es um Mitarbeiter, die den größten Teil ihres Arbeitslebens für denselben Arbeitgeber aktiv waren. „Bei mir waren es 37 Jahre“, erzählt Bergerbusch. Und jetzt werde man „entsorgt“. Das Engagement bei Schalke sei nochmal „ein Tritt in die Magengrube“ gewesen: „Wie geht man mit uns um? Das ist doch keine Wertschätzung.“

Der 57-Jährige hat auch noch keinen neuen Job. Er ist krank geschrieben wegen einer Hautkrankheit, die er nach der Kündigung bekam. Die Psyche, vermutet er, spiele da eine Rolle. „So eine Sache trägt man sein Leben lang mit sich rum“.

Er erzählt auch von Kollegen-Schicksalen. Manche erhielten anderswo Zeitverträge – „wegen Corona haben einige die neuen Stellen aber auch schon wieder verloren“. Die Pandemie mache es aktuell allen schwer, etwas Neues zu finden. Wütend ist er, dass nicht wenigstens das Unternehmens-„Urgestein“ Ludwig Hüls, der auch erster Geschäftsführer von Halco gewesen sei, sich für die Mitarbeiter eingesetzt habe – er hätte den Einfluss gehabt: „Aber der hatte nicht mal die Eier, zu uns zu sprechen, als das Aus verkündet wurde.“

Arbeitsgerichtsprozesse laufen noch – die nächsten Entscheidungen werden im Juni erwartet. Die Hoffnung, irgendwann im Rahmen des Insolvenzverfahrens noch Geld zu bekommen, ist aber nicht groß. „Wenn, dann wird das noch lange dauern“, meint Bergerbusch.

Für die HUG ist der Fall abgeschlossen. Sie verweist auf den Insolvenzverwalter. „Die HUG ist in diesem Verfahren selbst wesentlicher Gläubiger und kann sich deshalb nicht weiter zu dieser Thematik äußern“, hebt eine Sprecherin hervor. Die „strategische Partnerschaft mit Schalke“ steht aus ihrer Sicht „in keinem Zusammenhang mit Halco, sondern ist ausschließlich Thema von hülsta“. Die Möbelmarke soll dadurch nachhaltig gestärkt werden. Die fünf Millionen Euro wollte sie nicht bestätigen. Über Details der Vereinbarung, die über reines Sponsoring hinaus gehe, sei mit Schalke Stillschweigen vereinbart worden.

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