Bürgermeister Heinz Öhmann, Gerrit Tranel und Eliza Diekmann zu Westfleisch und zum Lockdown
„Schließung die richtige Entscheidung“

Coesfeld. Westfleisch vorübergehend geschlossen – der Kreis Coesfeld für eine weitere Woche im Lockdown. Mit dem Corona-Ausbruch in dem Schlachtbetrieb hat Coesfeld bundesweit in den Medien traurige Berühmtheit erlangt. Auf AZ-Nachfrage äußern sich Bürgermeister Heinz Öhmann und die beiden Bürgermeisterkandidaten Eliza Diekmann (parteilos) und Gerrit Tranel (CDU) zu dem Skandal.

Samstag, 09.05.2020, 10:34 Uhr

„Wir haben alles dafür getan, den Gesundheitsschutz zu gewährleisten und einen erneuten Lockdown für die Region zu verhindern“, sagt Bürgermeister Heinz Öhmann. Die Schließung des Betriebs selbst wollte er nicht mehr beurteilen. Die durchgeführten Testungen der vergangenen Tage, die letztlich zu einem enormen Anstieg der Infiziertenzahlen und infolgedessen sowohl zur Schließung von Westfleisch als auch zum Lockdown geführt hätten, halte er aber für richtig.

„Die Schließung war nach der aktuellen Faktenlage unumgänglich“, ist Eliza Diekmann überzeugt. Nun gehe es darum, mit einer „transparenten Kommunikation“ Antworten auf die Fragen der Bevölkerung zu finden“, sagt Diekmann. Erleichtert ist sie mit Blick auf den Tierschutz, dass die Tiere umverteilt werden können. Sorgen bereite ihr jedoch zum einen, dass nun „Fremdenhass geschürt wird“ und zum anderen, dass Coesfeld einen Imageschaden davon trage, der sich nachhaltig auf Wirtschaft und Tourismus auswirke. Darum sei es wichtig, in Zukunft „Präventionspläne für jede Krise“ zu entwickeln. Gerade mit Blick auf die Lage in den Unterkünften, die seit Langem bekannt ist, „wünsche ich mir mehr Präventivarbeit von der Stadt“, betont Diekmann.

Gerrit Tranel ist dankbar, dass „die Entscheidung zur Schließung in enger Abstimmung mit dem Land getroffen wurde und sieht es positiv, dass nun die gesamte Branche der Schlachtbetriebe und die Unterbringung ihrer Arbeiter auf den Prüfstand gestellt werde. Dem Landrat hatte Tranel nach eigenen Angaben vorgeschlagen, die nicht benötigten Kapazitäten des Hilfskrankenhauses für die Gastarbeiter zu nutzen, die in mehreren Unterkünften ohnehin zusammen wohnen. So könne man die Menschen besser ärztlich betreuen und die Einhaltung der Quarantäne überwachen. Zudem müsse sich Westfleisch in Zukunft mit dem Einsatz von Dolmetschern um eine „vernünftige Verständigung“ kümmern.

„Es tut mir leid für alle, die sich in den letzten Wochen peinlichst an die Auflagen gehalten haben“, bedauert Öhmann. „Aber der Gesundheitsschutz stand und steht weiter im Mittelpunkt.“ Dazu müssten alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. Das sieht auch Eliza Diekmann so, spricht aber auch von „einer großen Enttäuschung für alle, die sich auf Montag vorbereitet haben.“ Gerrit Tranel hofft, dass wegen der „hohen Frustration“ nun keine Stigmatisierung der Westfleisch-Mitarbeiter stattfinde. „Das Ziel muss es sein, dass alle gesund aus diesem Lockdown herauskommen.“ | Kreis Coesfeld

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