Volker Bredol hat sich künstlerisch mit Corona und seinen Folgen auseinandergesetzt
Die Leere des Lockdowns

Coesfeld. Eine Leuchtreklame gab den Anstoß. Ein einsames Goldankauf-Schild, das er früh morgens beim Blick aus dem Fenster entdeckte, inspirierte Volker Bredol dazu, den Zeichen der Menschen nachzugehen, in einer Zeit, in der Menschen selbst kaum in Erscheinung traten – in der Zeit des Corona-Lockdowns. Menschenleere Städte, Straßen, Plätze und Parks schärften seinen Blick für das, was von den Menschen erzählt: Symbole, Schriftzüge, Schilder, Werbung, Graffitis. Seine Eindrücke hat der Coesfelder Künstler in eine – seine – ganz eigene Bildsprache übersetzt. Entstanden ist eine Werkgruppe, die sich deutlich von älteren Arbeiten abhebt.

Samstag, 09.05.2020, 16:36 Uhr
Volker Bredol hat sich künstlerisch mit Corona und seinen Folgen auseinandergesetzt: Die Leere des Lockdowns
Der Coesfelder Künstler Volker Bredol stellt ab Montag unter dem Titel „tags and pieces“ neue Werke, die während der Corona-Krise entstanden sind, im Café Central aus. Foto: Christine Tibroni

Am augenfälligsten ist wohl die fehlende Farbigkeit. Weiß, Grau, Sepia und Schwarz beherrschen Bredols Corona-Zyklus und vermitteln: Unbeschwerte Fröhlichkeit war gestern, unter Corona wirkt die Welt kühl, traurig, bleiern. „Schon als ich die ersten Bilder aus China sah, von den vermummten Soldaten, die die Straßen desinfizierten, war für mich die Farbe weg. Sie wich mir nicht nur aus dem Gesicht, weil ich ahnte, was auf uns zukommt, sie wich auch aus meinen Bildern“, erzählt Bredol.

Und doch sind seine Arbeiten keineswegs durchweg düster und pessimistisch. Immer gibt es da den berühmten Silberstreif am Horizont, den Volker Bredol fast schon trotzig in grellem Orange, Grün, Magenta und leuchtendem Gold auf die Leinwände bringt. Strenge Linien, Dreiecke und Quadrate, Bredol selbst nennt sie Labels, die in starkem Kontrast stehen zu den diffusen schwarz-grauen Strukturen und zu den pechschwarzen, dynamischen Tuschestrichen, die unter dem Titel Bewegungs-Zeichnungen zu Bredols Markenzeichen gehören. Diese Zeichnungen spielen mit einem weiteren großen Thema der Corona-Krise: Nähe und Distanz. Denn sie sind vielfach aus der Entfernung bestenfalls zu erahnen, aber erst aus der Nähe wirklich zu erkennen.

In diesem Stil sind in den vergangenen Monaten zahlreiche großformatige Bilder entstanden. Hat die Krise seine Kreativität befeuert? Volker Bredol überlegt kurz und sagt: „Ich musste malen, noch mehr als sonst.“ Eine Auswahl seiner Arbeiten, insgesamt 26 Exponate, stellt Bredol ab kommenden Montag bis zum 13. September im Café Central unter dem Titel „tags and pieces“ aus. Die beiden Begriffe stammen aus der Street Art, in der Volker Bredol seine künstlerischen Wurzeln hat. Tags sind Kürzel oder Pseudonyme der Street-Art-Künstler, pieces sind die Motive, die sie im urbanen Raum mittels verschiedener Stile und Techniken verteilen. Beides sind ebenfalls Zeichen, wie sie Bredol in den menschenleeren Städten in den Blick genommen hat.

Volker Bredol: „Ich hoffe, dass meine Ausstellung den Menschen Gesellschaft und Erinnerung bietet. Gesellschaft, die wir während des Lockdowns vermisst haben, und Erinnerung an eine Zeit, die uns sicherlich prägen und hoffentlich auch Lehren für uns bereithalten wird.“

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