Abdelkarim belebt Autokino mit gelungener Mischung aus Comedy und Kabarett
Marokkaner als „Staatsfreund Nr. 1“

Coesfeld. Mit einem lauten Hupkonzert drückt das Publikum seine Begeisterung aus für den Gast des Abends – Abdelkarim, „Deutscher mit Einwanderungsoptik“, belebt das Autokino mit einer sehr speziellen Mischung aus Comedy und Kabarett. Dass der gebürtiger Marokkaner mit einem Kamerateam am 1. Mai im Zuge von Dreharbeiten für die „heute Show“ von einer Gruppe Vermummter attackiert wurde, ist an diesem Abend zwar kein Thema, doch speist sich sein Humor natürlich aus seinem Aussehen, mit dem er so ziemlich jedes Klischee des Migranten mit arabischen Wurzeln erfüllt.

Samstag, 23.05.2020, 16:18 Uhr
Abdelkarim belebt Autokino mit gelungener Mischung aus Comedy und Kabarett: Marokkaner als „Staatsfreund Nr. 1“
Im Autokino erzählt Abdelkarim in einer Mischung aus Comedy und Kabarett Geschichten aus seinem Leben als deutscher Marokkaner oder marokkanischer Deutscher, der zum „Staatsfreund Nr. 1“ geworden ist. Foto: Ursula Hoffmann

Sein Programm „Staatsfreund Nr. 1“ besteht aus fein beobachteten und selbstironisch dargebotenen Alltagsgeschichten aus der Perspektive eines Moslems in einem christlichen Land. Einen deutschen Pass hat er noch nicht, denn „für einen Marokkaner kostet der 300 Euro, ich kenne da einen, der würde ihn billiger machen“, berichtet er. Abdelkarim spielt gekonnt auf der Klaviatur der Klischees, beschreibt Erfahrungen und Kulturschocks aus dem Mit- oder Gegeneinander von Parallelwelten, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, und schafft es gerade dadurch, gesellschaftspolitische Probleme zu entlarven und seine Comedy mit Aufklärung und Information anzureichern. So erlebt er als Schüler mit Erstaunen, dass deutsche Eltern ihren Kindern abends Geschichten vorlesen, „das gab es bei uns nicht, wir haben den Eltern Briefe vorgelesen, die wir selber nicht verstanden haben.“

Er thematisiert das Problem, als Moslem keinen Alkohol zu trinken, „da bist du in Deutschland ganz schnell am Ende der Nahrungskette.“ Oder fragt sich, wo die ganzen Islamexperten herkommen, die irgendwann mit Krawatte bei Plasberg sitzen und meistens auch noch Terrorexperten sind. „Wenn ihr Fragen habt, geht einfach mal in eine Moschee“, rät er seinem Publikum.

Die „Nafris“, wie die Nordafrikaner seit den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln genannt werden, definiert er als „Araber ohne Erdöl“ und berichtet, dass vor zwei Jahren alle arabisch aussehenden Menschen von der Polizei im Bahnhof abgefangen wurden. „Dass wir in die Clubs nicht rein dürfen, daran haben wir uns gewöhnt, aber nicht raus zu dürfen – die Tauben wollen unter sich bleiben.“

Und dann ist da noch die schwere deutsche Sprache, „ich habe lange Zeit Meerrettich und Schattenmorellen für Tiere gehalten“. Insgesamt ist sein Programm eine komödiantische Lehrstunde über Rassismus, die man gerne noch mal ohne Corona erleben würde, denn Abdelkarims Witz speist sich auch durch seine Schlagfertigkeit. Im Autokino fehlt doch der direkte Kontakt zum Publikum, der diesem lohnenden Abend sicher die Krone aufgesetzt hätte.

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