Trockenheit und die dadurch begünstigte Borkenkäfer-Plage machen Fichtenwäldern zu schaffen
„Man kann es auch als Neuanfang sehen“

Lette. Der Blick wandert prüfend über die rund 1,5 Hektar voller Stieleichen- und Rotbuchen-Setzlinge in einem Waldgebiet in Lette. „Sie sind erst vor ein paar Wochen gepflanzt worden. Die ersten ein bis zwei Jahre sind entscheidend, denn die Pflanzen müssen sich an den Boden gewöhnen und Wurzeln schlagen“, sagt Martin Kleining, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Coesfeld vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Ausreichend Wasser wäre dafür natürlich nötig und da wird es kritisch. „Das Frühjahr war viel zu trocken, auch wenn es zwischendurch noch etwas Regen gab.“ Für die Kulturen, also neu gesetzte Pflanzen, und die Naturverjüngung, also dort, wo die Natur selbst für Nachschub sorgt, „ein harter Start ins Jahr.“

Dienstag, 26.05.2020, 06:42 Uhr
Trockenheit und die dadurch begünstigte Borkenkäfer-Plage machen Fichtenwäldern zu schaffen: „Man kann es auch als Neuanfang sehen“
Martin Kleining, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Coesfeld vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, schaut auf neu gepflanzte Stieleichen und Rotbuchen. Vorher wuchsen auf der Fläche noch Fichten, die allerdings der Trockenheit und dem auch dadurch begünstigten Borkenkäfer-Befall zum Opfer gefallen sind. Der Zaun soll die Setzlinge davor schützen, von Wildtieren angeknabbert zu werden. Foto: Jessica Demmer

Auf der Fläche wo Martin Kleining steht, befand sich Anfang 2019 noch ein geschlossener Fichtenbestand. Oder zumindest das, was von ihm nach langer Trockenheit und zwei Jahren Borkenkäfer-Plage noch übrig gewesen ist. „Aber da war nichts zu halten, die Fichten mussten gefällt werden. Angrenzend befinden sich hier und da noch welche, Kiefern sind hier allerdings mehr zu sehen“, sagt er, als er sich umdreht. In seinem Zuständigkeitsbereich machte die Fichte zuletzt nur noch sieben bis acht Prozent der Gesamtfläche aus, früher waren es mal bis zu 14 Prozent. „Und in den Beständen, die noch stehen, sind auch schon Käferlöcher drin.“ Der Borkenkäfer macht den heimischen Wäldern immer noch zu schaffen. Und wird es auch weiterhin. „Wir hatten einen milden Winter, die Käferpopulation konnte sich also weiter aufbauen.“ Schlimmstenfalls gehe das so lange, bis es keine Fichten und damit keine Nahrungsgrundlage mehr gebe. „Die Erfahrung zeigt aber, dass es rund sechs Jahre braucht, bis eine solche Population in sich zusammenbricht. Jetzt sind wir im dritten.“

Gab es bis zum letzten Jahr vorrangig „nur“ ein Fichtenproblem, so schaut der Experte auch mit einer kleinen Sorgenfalte auf der Stirn zur Buche. Denn die brauche eigentlich kühle, feuchte Sommer. „Aber sie kommt mit dem trockenen Extremwetter der vergangenen zwei Jahre nicht zurecht.“ Besonders stark wirke sich dies in den kleinflächigen Buchenwäldern in den Baumbergen aus. „Viele Buchen an den Waldrändern sind von der Sonne ausgetrocknet und weisen regelrechte Sonnenbrandschäden auf.“

Trotz allem möchte Martin Kleining keinen Pessimismus verbreiten. „Man kann es auch als Neuanfang sehen. Als Chance, einen Wald für die Zukunft entstehen zu lassen, der nicht mehr so anfällig ist.“ Weg von Monokulturen hin zu Mischwäldern. Das Risiko streuen.

In einem kleinen Waldstück nebenan sieht man das bereits: Douglasie, Kiefer, Lärche und auch die Fichte wurden dort neu gepflanzt und teilen sich das etwa ein Hektar große Gebiet. Der vorherige Bestand, ebenfalls Fichten, wurde durch Sturmtief Friederike und anschließenden Borkenkäfer-Befall zerstört. 40 Jahre wuchsen dort die Bäume, wären jetzt allmählich wirtschaftlich interessant geworden. Nun haben die Eigentümer dort 1000 neue Pflanzen gesetzt und fangen damit wieder von vorn an. „Die Besitzer tun alles dafür, dass diese Bäume auch wieder wachsen“, berichtet Martin Kleining. Zwei Mal schon hätten sie mit einem 1000-Liter-Fass voll Wasser an diesem Gelände gehalten. Acht Leute haben das kostbare Gut dann mit Gießkannen auf der unwegsamen Fläche verteilt. Stundenlang. „Wenn die Trockenheit anhält, wird das sicher auch nicht das letzte Mal gewesen sein in diesem Jahr.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7423578?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker