Bewährungsstrafe für Coesfelder
Betrunkener „Krankentransport“

Coesfeld. Zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten auf Bewährung hat das Amtsgericht Coesfeld am Montag einen 68-jährigen Coesfelder verurteilt. Der Vorsitzende Richter sah es als erwiesen an, dass der Mann, der sich einsichtig und geständig zeigte, in zwei Fällen vorsätzlich ohne Führerschein und zudem betrunken auf dem Haugen Kamp unterwegs war.

Dienstag, 26.05.2020, 11:40 Uhr

In beiden Fällen gab der Angeklagte an, er hätte seine schwerkranke Frau wegen Atemproblemen ins Krankenhaus fahren müssen, weil sie „schon grün und blau anlief“. In den Zeugenvernehmungen stellte sich jedoch heraus, dass es den vermeintlichen Krankentransport in beiden Fällen nie gegeben hatte...

So berichtete eine Polizeibeamtin, dass der Angeklagte am 12. September 2019 ihren „deutlichen Anhaltesignalen“ nicht Folge leistete. So habe sie sich nur mit einem Sprung zur Seite retten können, als er mit schätzungsweise 30 km/h auf sie zufuhr. „Ich hatte den Eindruck, dass er mich einfach nicht wahrgenommen hatte“, schilderte die 27-Jährige, die sich zudem zu „100 Prozent sicher“ war, dass der Mann alleine im Auto gesessen hatte. Ihr Kollege habe den Angeklagten schließlich auf einem Parkplatz angehalten. Der Blutalkoholwert des 68-Jährigen lag bei 1,17 Promille.

Noch mehr Alkohol im Blut, nämlich 1,73 Promille, hatte der Angeklagte bei einer Fahrt am 4. Dezember 2019. Auch hier hatte ein ehemaliger Polizeibeamter bezeugen können, dass er alleine in die Stadt gefahren war, woraufhin der Zeuge die Polizei verständigte.

Der Angeklagte gab daraufhin an, dass er „mit dem Zustand meiner Frau aufgrund der Lungenerkrankung überfordert war“ und die einzelnen Fahrten nicht mehr genau zuordnen könne. Hierauf zielte auch der Verteidiger ab, der eine Freiheitsstrafe auf Bewährung für sinnvoller erachtete als eine Geldstrafe. Als Zeichen des guten Willens hatte der Angeklagte schon vor der Verhandlung sein Auto verkauft und sich in Therapie begeben. Das hielt ihm der Richter schließlich auch zugute und machte aus den zwei Einzelstrafen (Geld- und Bewährungsstrafe), auf die der Staatsanwalt plädiert hatte, eine Gesamtstrafe mit einer Geldauflage von 900 Euro – in Raten an die Kinderkrebshilfe zu zahlen. Die Bewährungszeit setzte der Richter auf drei Jahre.

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