Hörgeschädigte zu Geldstrafe verurteilt
Angeklagte entschuldigt sich schriftlich für Diebstahl

Coesfeld (fs). Es ist der letzte Satz des Vorsitzenden Richters, der der Angeklagten im Gedächtnis bleiben sollte. „Es ist am Ende immer teurer, wenn Sie klauen.“ Zuvor hatte das Amtsgericht Coesfeld die Frau wegen Diebstahls geringwertiger Gegenstände zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je fünf Euro verurteilt.

Mittwoch, 27.05.2020, 16:24 Uhr

Angeklagt war die hörgeschädigte Frau wegen zweier Diebstahlsdelikte; zum einen am 15. November 2019 im Kaufland, wo sie Socken, Türhaken und Alkohol entwendet haben soll, und zum anderen am 27. Dezember 2019 bei Rossmann, wo man sie beim Diebstahl von kosmetischen Artikeln ertappte.

Letztere Tat wurde auch auf einer Überwachungskamera festgehalten und von der Angeklagten eingeräumt. Auf die Frage, ob sie auch im Kaufland geklaut habe, deutete sie mit Gesten an, dass sie sich daran nicht erinnere, weil sie zuvor viel Alkohol getrunken habe. „Ich bin sehr unglücklich und trinke mehr, als ich sollte“, äußerte sie schriftlich. Da es auf das Urteil keine Auswirkung gehabt hätte, ob sie nun einen oder zwei Diebstähle begangen habe, stellte das Gericht das erste Verfahren ein.

Ein Unschuldslamm ist die stumme Hörgeschädigte jedoch auch nicht, wie das Verlesen des Vorstrafenregisters offenbarte, in dem sich mehrfach Betrug, Körperverletzung und Diebstahl wiederfanden. Daher hatte der Staatsanwalt zwei Monate auf Bewährung beantragt, mit der Auflage, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten und einen Bewährungshelfer zu bestellen. Dass die Dame professionelle Hilfe brauche, sah auch der Vorsitzende Richter so, hielt eine Geldstrafe aber schließlich für angemessener.

Und die Angeklagte? Die schrieb auf einen Zettel die Worte: „Es tut mir sehr leid.“

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