Coesfeld
„Querdenker“ lädt ein: „Packen wir’s an“

Coesfeld. Ein Haltestellenschild steht seit kurzem in Coesfelds Fußgängerzone. Busse fahren von dort nicht ab. Ein „Netzwerk“ will die CDU von dort aus knüpfen – mit allen interessierten Menschen, Gruppen, Vereinen, Unternehmen... Die CDU hat sich in dem leer stehenden Ladenlokal in der Schüppenstraße für die Wahlkampfzeit eingerichtet. „Wir stellen es aber auch allen Vereinen und Gruppen zur Verfügung, die ihr Anliegen mal ein paar Tage darstellen wollen“, sagt Bürgermeister-Kandidat Gerrit Tranel. Im „CDU-Netzwerk“ stellt er der AZ auch exklusiv sein Wahlprogramm vor. Das, so erklärt er, werde es so allerdings nicht gedruckt geben, sondern nur online, auf seiner Homepage – aus der Erfahrung heraus, dass sich die Leute ohnehin nicht gern in ein dickes Heft vertiefen. Nur das Programm der CDU, in das er sich auch maßgeblich eingebracht hat, wird auch im Printformat herausgebracht.

Samstag, 06.06.2020, 16:24 Uhr
Coesfeld: „Querdenker“ lädt ein: „Packen wir’s an“
Busse kommen hier nicht an, aber gute Ideen für Coesfelds sollen von hier ausgehen: Bürgermeister-Kandidat Gerrit Tanel mit seinen Parteifreunden (v. l.) Andrea Wichmann, Willi Korth (Stadtverbandschef und MdL) sowie Thomas Michels vor dem „CDU-Netzwerk“ in der Schüppenstraße. Foto: Detlef Scherle

Die Ideen, mit denen er Coesfeld nach vorne bringen will, von der Stärkung der Wirtschaft bis zur stärkeren Bürgerbeteiligung, sie sprudeln in einem Power-Point-Vortrag nur so aus dem bisherigen stellvertretenden Bürgermeister heraus. Mitschreiben ist da eine Herausforderung.

Oft wird der Diplom-Wirtschaftsgeograf als der „Kronprinz“ von Heinz Öhmann angesehen. „Ich bin kein Heinz Öhmann. Ich bin kein Verwalter“, wehrt sich der 51-Jährige gegen diese Einsortierung in eine Schublade und erläutert, dass er als Planer „immer Querdenker“ in der Verwaltung gewesen sei: „Ich bin jemand, der ernsthaft gestalten will.“ Er hat auch erkannt, dass es da mittlerweile eine tiefe Kluft zwischen der Verwaltung und der Bürgerschaft gibt. Sein wichtigstes Ziel ist es, die zu überwinden: „Ich möchte, dass die Stadtverwaltung wieder lebendiger Teil der Bürgerschaft wird.“ Tranel, der aktuell als Geschäftsführer für den Fachbereich Bus beim ZVM arbeitet, will Bürger, die mit ihren Anliegen ins Rathaus kommen künftig nicht einfach „bescheiden“, sondern sie unterstützen, dass sie zumindest Alternativen aufgezeigt bekommen. So will er auch bei den Bauvorhaben, die nach § 34 Baugesetzbuch entschieden werden und in der Vergangenheit vielfach für Ärger gesorgt haben, obwohl das gesetzlich nicht vorgesehen ist, zu Bürgerversammlungen einladen.

Die Verwaltung will er umbauen zu einem „Service-Center“. Und sie soll „wieder ein attraktiver Arbeitgeber werden“, spricht er offen die schmerzhaften Abgänge einiger profilierter Mitarbeiter in den vergangenen Jahren an. Er sieht die Verwaltung auch „zu schlank aufgestellt“. Viele Jahre sei die Verwaltung kritisch hinterfragt und immer wieder reduziert worden. So habe der Bauhof immer mehr Grünflächen zu pflegen, ohne ausreichendes Personal.

„Packen wir’s an!“ lautet sein etwas altbacken klingendes Motto – aber er nimmt es wörtlich: das „wir“: „Ich sehe mich als Teil eines Teams.“ Und das „anpacken“: „Ich will tun und machen, unmittelbar anfassen, Ideen entwickeln und umsetzen.“ „Die Zukunft wird so aussehen, wie wir sie gestalten.“ Dieses Zitat von Jean Forastié, das der mittlerweile vierfache Familienvater im Studium zum ersten Mal gehört hat, ist ihm zum Begleiter geworden. Und: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, von Erich Kästner. In diesem Sinne will er Heimat gestalten.

Im Programm bleibt einiges unkonkret. Absichtserklärungen, wie sie jeder unterschreiben kann. Wenn man nachhakt, kann er es aber durchaus mit Inhalt füllen. Er schwärmt vom Projekt „Grimpinger Hof“, das er im Stadtpark umsetzen will. Besonders wichtig ist ihm die Wirtschaftsförderung: „Da muss mehr kommen“, übt er unverhohlen Kritik am Amtsinhaber. Er wolle dieses Thema „zur Chefsache“ machen – eine Parallele zu seiner parteilosen Konkurrentin Eliza Diekmann. | gerrit-tranel.de

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