Kunstverein Münsterland zeigt Werke aus der Sammlung Neukirchen
Alte Liebe zu Neuen Wilden

Coesfeld. Kunst habe ihn schon immer begeistert, schon als Kind. „Als Junge habe ich mir einen Satz Buntstifte gekauft und versucht, impressionistische Werke nachzumalen. Das ist gründlich schiefgegangen“, erzählt Dr. Stefan Neukirchen mit einem Lächeln. Sich selbst künstlerisch zu betätigen, hat er seitdem nie wieder versucht, die Liebe zur Kunst ist gleichwohl geblieben und hat im Laufe der Jahre zu einer beachtlichen Sammlung geführt.

Samstag, 20.06.2020, 11:24 Uhr
Kunstverein Münsterland zeigt Werke aus der Sammlung Neukirchen: Alte Liebe zu Neuen Wilden
Jutta Meyer zu Riemsloh, Vorsitzende des Kunstvereins Münsterland (l.), freut sich, dass der Ausstellungsbetrieb unter Auflagen weitergehen kann. Ab Sonntag zeigt der Verein eine Auswahl aus der Sammlung von Dr. Stefan Neukirchen (r.). Foto: Christine Tibroni

Einen Ausschnitt der Sammlung Neukirchen zeigt der Kunstverein Münsterland in seiner ersten Ausstellung nach coronabedingter Pause unter dem Titel „Neue Wilde und Andere“. Der Name ist Programm, denn die Neuen Wilden, die ab Anfang der 1980er Jahre in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einer freien, expressiven Malerei Gegenpositionen etwa zu Minimal und Concept Art setzten, stehen im Mittelpunkt der Privatsammlung, die nach Auskunft von Neukirchen insgesamt rund 100 Werke umfasst. „Ausgehend von meinem Interesse für die Expressionisten und Neoexpressionisten bin ich zu den Neuen Wilden gekommen“, so Neukirchen, der Rainer Fetting als Lieblingskünstler nennt. Wobei: Wer Neukirchen zuhört, wenn er über seine Bilder spricht, ahnt, dass sie alle seine Lieblinge sind, dass er mit jedem Bild und jedem Künstler etwas verbindet. „Ich kaufe Kunst nicht, um sie zu besitzen. Ich habe zu jedem Bild eine Beziehung“, sagt der Sammler und weist auf Jan Holthoffs Gemälde „Überschwemmtes Land“, mit einem Format von 1,80 mal 3 Meter das größte Bild in der Ausstellung. Neukirchen: „Es erinnert mich immer an einen Schwedenurlaub und die herrliche Natur, die wir dort erlebt haben. Ich könnte stundenlang davorsitzen und mich daran freuen.“ Auch mit den Künstlern setzt er sich intensiv auseinander, indem er Fachliteratur liest, Galerien, Museen und Ausstellungen besucht. „Viele Künstler habe ich auch persönlich kennengelernt.“

Wie sehr dem 56-Jährigen seine Bilder ans Herz gewachsen sind, zeigt auch die Tatsache, dass er noch kein einzige Werk verkauft hat, „obwohl es immer wieder Anfragen gibt.“ Ebenso die Tatsache, dass er seine Bilder immer um sich hat und seine Privatsammlung in erster Linie sein privates Vergnügen ist. Regelmäßig Ausstellungen zu bestücken, ist nicht sein Ziel. Neukirchen: „Ich möchte damit nicht wie ein Wanderzirkus umherziehen.“ Umso mehr freut sich der Kunstverein Münsterland, dessen Fördermitglied Neukirchen ist, einen Teil der Sammlung zeigen zu dürfen. Vertreten sind Arbeiten von Herbert Brandl, Luciano Castelli, Peter Churcher, Heike Feddern, Rainer Fetting, Markus Fräger, Jan Holthoff, Bernd Kirschner, Ruprecht von Kaufmann, Markus Lüpertz, Cornelia Schleime, Brigitte Waldach und Bernd Zimmer. Aus der Reihe tanzt ein Otto Pippel von 1934 mit dem Titel „Matterhorn“, ein Erbstück, dem Bernd Zimmers „Kirchner reloaded: Tinzenhorn“ aus dem Jahr 2014 kontrastierend zur Seite gestellt wird. Auf beeindruckende Landschaften folgen figurative Arbeiten, die Menschen in Alltagsszenen zeigen oder sie aus dem Alltäglichen herausheben.

Apropos Alltag: Von Beruf ist Neukirchen, der in Bochum lebt und arbeitet, Oralchirurg. Vor einigen Jahren habe er sich an der Uni Bochum mal für Kunstgeschichte eingeschrieben. „Ich dachte, die Geisteswissenschaftler fangen immer erst spät an, so dass ich Beruf und Studium miteinander hätte verbinden können. Das war ein Irrtum, inzwischen bin ich wieder exmatrikuliert.“

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