Erstes Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten Eliza Diekmann und Gerrit Tranel
Wahlkampf auf dem Melkschemel

Coesfeld. Als eine große Plastikkuh auf die Bühne gefahren wird, schwant den Bürgermeisterkandidaten nichts Gutes. Und tatsächlich: Minuten später sitzen erst Eliza Diekmann und dann Gerrit Tranel auf dem Schemel und melken, was das Zeug hält. 750 Milliliter legt Eliza Diekmann vor, 100 mehr schafft der Herausforderer. Gewonnen.

Donnerstag, 25.06.2020, 06:03 Uhr
Erstes Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten Eliza Diekmann und Gerrit Tranel: Wahlkampf auf dem Melkschemel
Räumlich auf Abstand: LOV, Landfrauen und Landjugend haben auf die Freilichtbühne eingeladen. Die Fragen an Eliza Diekmann (2.v.l.) und Gerrit Tranel (2.v.r.) stellen Berthold Kreikenberg und Christiane Deimel-Rüping. Fotos: ude Foto: az

Unterhaltsam, aber auch informativ ist das im Wahlkampf erste direkte Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten, zu dem Landwirtschaftlicher Ortsverband, Landfrauen und Landjugend eingeladen haben. Knapp 200 Interessierte sind auf die Freilichtbühne gekommen und erleben nicht nur die Spiele Wettmelken, Dalli Klick und Herzblatt, sondern auch zwei konzentrierte Kandidaten, die sich persönlich und inhaltlich positionieren.

Ladies first – Eliza Diekmann beginnt mit ihrer Vorstellung: jung, Politikwissenschaftlerin, viel berufliche Erfahrung im In- und Ausland, digital orientiert, kann gut vernetzen und Bündnisse schmieden, spricht von der Bürgergesellschaft und will parteiübergreifend arbeiten. Dann redet Gerrit Tranel: Er weiß, wie Verwaltung funktioniert, ist erfahren in kommunalpolitischer Arbeit und in Repräsentationsaufgaben, kann querdenken, setzt auf Parteipolitik, ist kreativ.

Danach geht’s um Inhalte – und da liegen die beiden Kandidaten oft gar nicht so weit auseinander. Stichwort Innenstadt: Beide wollen die Aufenthaltsqualität verbessern, das Shoppen zum Erlebnis machen, den Stadtmarketing Verein in die Pflicht nehmen. „Wir brauchen eine konzertierte Aktion aller Beteiligten“, sieht Tranel auch Einzelhändler und Hauseigentümer in der Pflicht. Er wünscht sich eine gute Atmosphäre für Start-ups und zeitlich begrenzte Pop-up-Stores. Eliza Diekmann kann sich coworking spaces vorstellen, wo mehrere Menschen innerstädtische Büros teilen. „Dann kommen mehr Leute in die Innenstadt“, sagt sie und wünscht sich dort eine inspirierende Atmosphäre.

Unterschiedlicher sind die Ansichten zur Wohnbauentwicklung. „Wir sollten die Städteplanung aktiver selbst in die Hand nehmen und nicht alles an Investoren abgeben, die viel Geld bieten“, findet Diekmann und spricht sich dafür aus, mit einem Vorkaufsrecht der Stadt zu arbeiten. Davon hält Tranel „überhaupt nichts“. „Wir haben einen Markt, der gut funktioniert.“ Er setzt auf Neubaugebiete.

Die Schullandschaft loben beide Kandidaten. Eine Gesamtschule? Nur wenn derartige Wünsche laut werden. Heftiger Applaus für beide. Letzter Schwerpunkt ist die Landwirtschaft. Deren Bedeutung für die Region heben beide hervor. Diekmann wünscht sich mehr Bewusstseinsbildung, spricht von Wirtschaftsförderung und digitalen Plattformen zur Vermarktung regionaler Produkte. Tranel sieht in landwirtschaftlichen Betrieben hochqualifizierte digitale Unternehmen. „Die Politik fängt gerade wieder an, Ihnen zuzuhören“, sagt er zu den Landwirten im Publikum. Die aufmerksamen Zuhörer haben auch Gelegenheit, Fragen zu stellen und hören einen Appell beider Bewerber: wählen gehen.

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