Bezirkspolizist Berthold Kleideiter geht nach fast 47 Jahren in den Ruhestand
„Immer mit Leib und Seele dabei“

Coesfeld. Eigentlich hätte Berthold Kleideiter schon vor über einem Jahr in Pension gegen können. Doch vor einiger Zeit klopfte rein zufällig bei einem Besuch der Polizeiwache Coesfeld der NRW-Innenminister Herbert Reul an seine Tür und fragte den Bezirkspolizisten im Laufe des Gesprächs, was er tun müsse, um ihn davon zu überzeugen, länger zu bleiben. Berthold Kleideiters Antwort war einfach: „Wenn ich an meinem Platz sitzen bleiben kann, bleibe ich.“ Vorher habe er über diese Option gar nicht nachgedacht.

Dienstag, 30.06.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 20:24 Uhr
Bezirkspolizist Berthold Kleideiter geht nach fast 47 Jahren in den Ruhestand: „Immer mit Leib und Seele dabei“
Berthold Kleideiter hatte viele Aufgaben im Polizeidienst im Kreis Coesfeld in den vergangenen Jahrzehnten. Zuletzt war er acht Jahre als Bezirkspolizist in Coesfeld tätig. Auch wenn er sich auf den Ruhestand freut, „nicht mehr im Geschehen zu sein, werde ich schon vermissen.“ Foto: Polizei Coesfeld

Jetzt, 15 Monate später, ist es aber wirklich so weit. Der nunmehr 63-Jährige geht am heutigen Dienstag in den Ruhestand – nach fast 47 Jahren bei der Polizei und damit als derzeit kreisweit dienstältester Polizeibeamter. „Ich bin immer gerne Polizist gewesen – bis zum letzten Tag“, resümiert er. „Die Arbeit hat mir einfach Spaß gemacht und sie war total abwechslungsreich.“ Das waren in den vergangenen acht Jahren nicht zuletzt auch seine Aufgaben als Bezirkspolizist – als einer von dreien in Coesfeld. Langweilig wurde es nicht. „Das hat mir in all der Zeit am meisten Spaß gemacht. Ich habe in den Kindergärten Schulweg- und in den Schulen Fahrradtraining gegeben. Wir haben die Schulwege gesichert, Haftbefehle vollstreckt und Kontakte zu den Bürgern gepflegt.“ Die Arbeit mit Kindern habe ihm immer viel Spaß gemacht. „Durch Corona sind jetzt viele Termine ausgefallen. Das tut mir sehr leid.“

Nach den einzelnen Stationen in seinem Dienst gefragt, sollte man den gebürtigen Legdener wohl eher fragen, was er nicht gemacht hat. Die Liste würde kürzer ausfallen, denn: „Ich habe immer Spaß am Neuen gehabt und wollte nicht stehen bleiben.“ Das ist er gewiss nicht. Streifendienst, Verkehrsdienst, Kradfahrer, Zivilfahnder, Einsatztruppe Rauschgift, Sachbearbeiter im Kriminalkommissariat, Stressbewältigungs- und Kommunikationstrainer für Polizeibeamte, Wachdienstführer, Dienstgruppenleiter, Schieß- und Einsatztrainer, Mitarbeit im Prüfungsausschuss, Opferschützer und zuletzt Bezirkspolizist. „Ich hatte Glück, in all der Zeit ist mir nie etwas Ernsthaftes passiert.“ Auch wenn es manchmal etwas brenzlig wurde. Doch eine Kommunikation auf Augenhöhe, Menschlichkeit und Respekt seien ihm immer wichtig gewesen. „Mit diesen Eigenschaften und gesundem Menschenverstand ließen sich viele Konflikte lösen.“ Apropos Respekt: „Der hat in der Tat gegenüber uns Beamten in den vergangenen Jahren abgenommen. Es ist für die neuen Kollegen heutzutage nicht mehr ganz so einfach“, sagt er offen. „Aber ich war immer mit Leib und Seele dabei.“

Geschichten hat Berthold Kleideiter reichlich im Repertoire, zum Beispiel: „Als vor ein paar Jahren in Coesfeld alles für einen großen Marathon abgesperrt war, wollte eine hochschwangere Frau ins Krankenhaus. Kam aber nicht durch. Ich habe kurzerhand ihren Mann auf die Rücksitzbank gesetzt und bin selbst durch die Absperrungen gefahren. Immer mit dem Polizeihut in der Hand, damit ich vorbei gelassen wurde. Auch durch Grünanlagen ging es.“ Später bedankten sich die Eltern noch bei ihm.

Auch im Ruhestand wird es Berthold Kleideiter nicht langweilig. „Ich bin Schiedsmann in meinem Wohnort Reken, spiele in einer Blaskapelle und bin Leiter einer Laufabteilung. Zudem bin ich verheiratet und habe vier Kinder sowie mehrere Enkelkinder. Ich habe also genug zu tun“, sagt er mit einem Zwinkern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7474743?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker