Der Schlosspark zieht Besucher aus allen Generationen an
Chillen im „Herzen von Coesfeld“

coesfeld. Am Morgen hat es noch geregnet. Doch um kurz nach Mittag kommt die Sonne heraus. Und der Schlosspark an der Bernhard-von-Galenstraße in Coesfeld – zwischen Krankenhaus und Stadtschloss – füllt sich wie auf einen Gongschlag wieder mit Leben. Saad (11) und Hussain (12) toben sich auf der Affenschaukel unter den großen Bäumen aus. „Das ist das beste Gerät hier“, lacht Saad, während er nochmal kräftig Schwung holt, sein Freund muss sich gut festhalten. Sie seien oft hier – „weil immer was los ist“. Aus der Ferne von einer Bank beobachtet eine ältere Dame das Treiben der beiden Kinder. Aus dem Krankenhaus kommt ein Mann auf Krücken herangehumpelt. Er nimmt den Rundweg über die zwei Brücken, die die Berkel queren. „Meine Übungsstrecke“, lächelt er. „Und dann geht’s wieder aufs Zimmer.“

Montag, 13.07.2020, 08:48 Uhr
Der Schlosspark zieht Besucher aus allen Generationen an: Chillen im „Herzen von Coesfeld“
Foto: Detlef Scherle

Bis ganz nach unten schafft er es nicht – dorthin wo gerade eine Entenmutter am Ufer ihre sechs Jungen ausführt. Eine gelbbauchige Gebirgsstelze lässt sich auf einem der Trittsteine nieder, für die kreative Coesfelder Bürger bei einem Workshop zur Sandsteinbearbeitung fantasievolle Reliefs gefertigt haben. Naturidylle pur – am besten zu erleben von einer der beiden Brücken. Auf einer lehnen German (15), Nico (14) und Meike (14) übers Geländer. „Ein chilliger Ort“, findet Meike. Hier könne man gut entspannen, meint sie wohl damit. Der Schlosspark wird gut angenommen – von allen Generationen. Und das ist kein Zufall, sondern Konzept, denn er hat für alle etwas zu bieten. Und an seiner Entstehung waren auch nicht nur findige Planer, sondern ganz viele Bürger im Rahmen eines langen Prozesses der Regionale 2016 mit vielen, auch kontroversen Diskussionen beteiligt. Eine gab es um die großen alten Bäume, von denen eigentlich zur Umsetzung des Konzeptes noch ein paar mehr gefällt werden sollten. Da rührte sich Widerstand. „Es wäre schade, wenn der Tulpenbaum heute nicht mehr da stünde“, blickt Stadtbaurat Thomas Backes auf üppige weiße Blütentriebe, die das Berkelbett idyllisch einrahmen. Damals war er dafür, ihn zu fällen. „Die Lösung“, weiß er heute, „ist in der Diskussion mit den Bürgern besser geworden. Das hat sich gelohnt.“

Gern erinnert er sich an die erste Bürger-Werkstatt, als zunächst noch um das Thema Berkel als Teil eines innerstädtischen Handlungs- und Maßnahmenkonzeptes ging. Da habe eine Teilnehmerin auf einer Karte ein Herz in den alten, eher unattraktiven Park gemalt: „Das ist das Herz von Coesfeld.“ Und damit begannen die Ideen für die Aufwertung und vor allem dafür, die Berkel erlebbarer zu machen. Ein kleiner Junge meinte, dass man da rüber kommen müsste. Nicht nur über Brücken, sondern auch direkt. Das war die Grundidee für eine später realisierte Furt mit Trittsteinen.

Die Planer vom Berliner Büro SWUP sponnen alles weiter zu einer Geschichte: Ein Berkelboot ist in Coesfeld gestrandet und hat seine Ladung verloren. Überall liegt sie verloren herum am Ufer. Tonnen, ein Steuerrad. Wenn man dran dreht, sprudelt es im Fluss. Besonders kleine Kinder haben ihren Spaß daran. Aber auch an einem Ruder, mit dem man auf der leicht angestauten Berkel, die deswegen auch bei großer Hitze immer Wasser führt, Wellen machen kann.

Für Backes ist der Park mittlerweile sein „Lieblingsort“ in Coesfeld. Und wie die Jugendlichen steht auch er am liebsten auf einer der Brücken und lässt den Blick schweifen. Chillen verbindet offenbar die Generationen im „Herzen von Coesfeld“.

7 In der nächsten Folge unserer Serie stellen wir am Montag (13. 7.) auf der Seite „Billerbeck“ den Barfußgang am Stift Tilbeck vor.

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