Nachbarn vom Ravelin bauen auf eigene Initiative ein Insektenhotel und säen Wildblumen aus
Statt Brennnesseln Bienen und Blumen

Coesfeld. Als die Brennnesseln immer näher kommen und der grüne Wildwuchs schon fast die Straße erreicht, haben fünf Nachbarn am Ravelin eine gute Idee. „Wir haben uns überlegt, die Grünfläche gegenüber von unseren Häusern freizumachen, dort eine kleine Wildblumenwiese anzulegen und ein Bienenhotel zu bauen“, berichtet Gudrun Wiemer von den Anfängen. Inzwischen blühen die ersten Blumen, Insekten summen und die Bienen sind zum Einzug bereit.

Freitag, 24.07.2020, 06:38 Uhr
Nachbarn vom Ravelin bauen auf eigene Initiative ein Insektenhotel und säen Wildblumen aus: Statt Brennnesseln Bienen und Blumen
Die Nachbarn der Straße am Ravelin haben gegenüber von ihren Häusern die Grünfläche mit Bienenhotel und Wildblumenbeet angelegt: (v.l.) Familie Fiege, Familie Konermann, Familie Wiemer/Schlingschröder; es fehlen die Familien Schulenkorf und Naber. Foto: privat

Natürlich ist auch ein so beispielhaftes privates Engagement für Umwelt- und Naturschutz nicht so ohne Weiteres möglich, vor allem, wenn es sich bei der Fläche im Fokus um öffentliches Grün handelt. Also holen die engagierten Nachbarn die Stadt mit ins Boot. Auch Fragen von Sicherheit und Haftung sind zu klären.

Und wie baut man ein Bienenhotel? An einem Samstagmorgen treffen sich fünf Nachbarsfamilien mit viel gutem Willen, aber wenig Ahnung, geben Gudrun Wiemer und ihr Mann Siegfried Schlingschröder schmunzelnd zu. Zum Glück gibt es Youtube. „Dann haben wir alle geschaut, was für Materialien wir zu Hause haben und den Rest aus dem Baumarkt geholt“, berichtet Gudrun Wiemer. Ziemlich zügig steht der Hotel-Rohbau, der Dachstuhl ist aufgerichtet, sogar Pfannen liegen schon. Trotzdem bringen die Kinder Zweige und Krepppapier für ein Richtfest – schließlich muss der Erfolg gefeiert werden.

Eine Woche später werden für die nicht minder fleißigen Bienchen verschiedene Wohnmöglichkeiten eingerichtet: Ziegelsteine und Zapfen, Baumstumpf und Rindenmulch, Bambus und Stroh und ein Fach mit langen Schlitzen. „Für Schmetterlinge“, erklärt Siegfried Schlingschröder. Auch andere Insekten sind willkommen.

Rolf Hackling, Betriebsleiter des Abwasserwerks, und Bauhofleiter Theo Reckert begleiten seitens der Stadt die Initiative der Nachbarn und geben Anregungen. Die Grünfläche gehört zum Bereich des ehemaligen guterhaltenen St.-Johannes-Ravelin, das als Bodendenkmal unter Schutz steht. Das benachbarte Biotop ist ein Rest des ehemaligen Burggrabens. In diesem Bereich geht es heute nicht nur um Natur-, sondern auch um Hochwasserschutz.

Parallel zum Bienenhotel entsteht eine kleine Wildblumenwiese. Die Tierchen, die hier summen und brummen, haben vielleicht auch Lust, das Bienenhotel zu nutzen – und umgekehrt. Auch wenn die Nachbarn jetzt in der Pflicht sind, die kleine Anlage zu pflegen, sind sie froh über ihr erfolgreiches Projekt in Sachen Natur- und Umweltschutz. Und ein Hingucker sind Bienenhotel und Wiese auch. „Immer öfter kommen Leute vorbei und bleiben stehen“, hat Gudrun Wiemer beobachtet. „So langsam spricht sich unser Projekt herum“ – auch bei den Bienen.

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