Gelungene Orgelmusik zur Marktzeit mit Rudolf Innig
Zwei Konzerte wegen großen Andrangs

Coesfeld. Da stieß die Jakobi-Kirche bei der Orgelmusik zur Marktzeit unter den gegebenen Bedingungen doch an ihre Grenzen: Rudolf Innig, künstlerischer Berater des Förderkreises Orgelmusik Coesfeld und ehemaliger Leiter der Musikschule Coesfeld, musste am Samstag gleich zweimal sein Konzert zur Erinnerung an den Gründer des Förderkreises Dr. Jürgen Fischer spielen.

Dienstag, 04.08.2020, 11:10 Uhr
Gelungene Orgelmusik zur Marktzeit mit Rudolf Innig: Zwei Konzerte wegen großen Andrangs
Eine Meisterleistung bot Rudolf Innig gleich bei zwei Konzerten der Orgelmusik zur Marktzeit – wegen großen Besucherandrangs. Foto: az

Schon bei den Vorüberlegungen zum Konzert hatte er sich bereit erklärt, bei sehr hohem Besucherandrang das für 11 Uhr geplante Konzert um 12 Uhr zu wiederholen, um die Auflagen wegen der Corona-Pandemie einhalten zu können. So kamen etwa 140 Besucher in den Genuss der vier Orgelwerke, die Rudolf Innig ausgesucht hatte.

Wunderschön gestaltete er im ersten Satz der f-Moll Sonate von Mendelssohn den Wechsel zwischen Hauptthema und Seitensatz durch den Wechsel von Haupt- und Chororgel. Der hervorragende Klang der Chororgel zeigte sich hier in der Verarbeitung des Chorals „Was mein Gott will, das gescheh’ allzeit“ besonders deutlich. Im Schlusssatz der Sonate überzeugte vor allem die hymnische Schlusssteigerung, die dem Organisten manualiter wie pedaliter ein überaus hohes Können abverlangte.

Die von Johann Sebastian Bach komponierte Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ wurde zu einer wahrhaft erfahrbaren „Vision des himmlischen Lebens“, wie es im Programmtext zu lesen war. Ganz besonders hervorzuheben: das präzise Spiel der „schmückenden“ Verzierungen durch Rudolf Innig. Mit dem darauffolgenden zweiten Satz aus der für Orgel bearbeiteten ersten Sinfonie f-Moll von Anton Bruckner zeigte er, dass Bruckners symphonische Musik auf der Orgel bestens darstellbar ist. Ständiger Manualwechsel machte deutlich, wie durchdacht Rudolf Innig diese Symphonie für Orgel transkribiert hat. Beeindruckend auch Innigs Gestik beim Spielen des Stückes, die zuweilen an das Dirigat eines Symphonieorchesters erinnerte.

Die am Schluss des Satzes verklingenden beiden Themen waren sicherlich auch als ein „Lebe wohl“ an Dr. Jürgen Fischer gedacht. Einen gewaltigen Schlussakkord des Konzertes setzte Rudolf Innig mit dem letzten Satz „Dieu parmi nous“ (Gott unter uns) aus dem Orgelzyklus „La Nativité du Seigneur“ von Olivier Messiaen. Insbesondere die virtuose Toccata, nach Messiaens eigener Aussage „das eigentliche Stück“, stellte die Gegenwart Gottes durch das volle Orgelwerk in den Raum der Jakobi-Kirche.

Hervorzuheben ist, dass Rudolf Innig das gesamte Konzert auswendig spielte und dabei etwa 200 Registerkombinationen nutzte – eine absolute Meisterleistung eines Spitzenorganisten. Die Zuhörer wurden durch lang anhaltende Beifall zum Schluss zusätzlich mit dem 3. Satz der ersten Symphonie von Bruckner belohnt. Heinz-Josef Holthaus

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