Frauenärzte vergleichen Zahlen neu festgestellter Schwangerschaften
Babyboom zu Weihnachten in Sicht?

Coesfeld. Sollte es vor der dem Hintergrund der veränderten Lebensbedingungen während der Corona-Pandemie einen Babyboom geben, würde rund um Weihnachten Hochbetrieb in der Entbindungsstation in den Christophorus-Kliniken herrschen.

Samstag, 08.08.2020, 06:03 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 06:38 Uhr
Frauenärzte vergleichen Zahlen neu festgestellter Schwangerschaften: Babyboom zu Weihnachten in Sicht?
Ob es tatsächlich wegen Corona einen Babyboom in Coesfeld geben wird, wird sich im Zeitraum ab Weihnachten zeigen, wenn die Zahl der Geburten in den Christophorus-Kliniken konkret mit verschiedenen Zeiträumen verglichen werden kann. Nicht nur Frauen aus Coesfeld, sondern aus einem großen Umkreis melden sich dort zur Entbindung an. Foto: Pexels

Klaus-Dieter Dr. Jaspers, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Christophorus-Kliniken, bleibt gelassen, denn noch hätten die Frauen, die ab Mitte März während des Lockdowns schwanger geworden seien, noch keinen Kontakt mit der Klinik aufgenommen. Das erfolge erfahrungsgemäß erst sechs bis vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin, wie Klinik-Sprecherin Anja Vöcking mitteilt.

Inzwischen diskutieren nicht nur Experten, sondern auch viele Bürger debattieren darüber, ob die Corona-Quarantäne der Republik einen Geburtenboom bescheren wird. Die Paare konnten angesichts von Homeoffice mehr Zweisamkeit genießen. Aber auch einen Geburten-Knick halten viele für möglich.

Gründe dafür könnten Ängste vor Infektionen mit dem Corona-Virus während der Schwangerschaft und vor veränderten Abläufen rund um die Geburt sowie unsichere Zukunftsaussichten sein. Denn Corona hat bei vielen Menschen nicht nur den Alltag, sondern auch die komplette Lebenssituation verändert, was Folgen für die Familienplanung haben könnte.

Eine Umfrage in Coesfelder Frauenarzt-Praxen hat ergeben, dass manche Praxen keinen Trend zu mehr Schwangerschaften als sonst üblich erkennen, andere aber sehr wohl mehr Schwangerschaften als gewöhnlich festgestellt haben.

Gynäkologe Ciprian Wagner hat in der Praxis, die er zusammen mit seiner Frau, Dr. Ina Wagner führt, den Zeitraum neu festgestellter Schwangerschaften vom 1. Januar bis 28. Februar dieses Jahres mit der Phase danach verglichen. Im März erfolgte bekanntlich der Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Viele Menschen haben nicht mehr an ihrem gewohnten Arbeitsplatz, sondern zu Hause im Homeoffice gearbeitet. Das hatte zur Folge, dass auch Paare gemeinsam mehr Zeit miteinander verbringen konnten.

Tatsächlich hat Ciprian Wagner ermittelt, dass die Quote neu festgestellter Schwangerschaften für die Zeit ab März um etwa 20 Prozent höher gewesen ist als im Zeitraum davor. Er geht davon aus, dass sich die Christophorus-Kliniken in der Zeit um Weihnachten auf vermehrte Entbindungen einstellen müssen.

Ob sich die Paare allerdings nicht ohnehin Nachwuchs gewünscht hätten und wegen der veränderten Lebensbedingungen während des Lockdowns die Chancen für eine Schwangerschaft höher gewesen seien, könne er nicht beantworten. Das werde in der Sprechstunde natürlich nicht thematisiert.

Gynäkologe Dr. Steffen Schierbrock teilte mit, dass er „keine wesentliche Änderung oder gar einen Trend“ erkennen könne, wenn er das erste und zweite Quartal dieses Jahres miteinander vergleiche. „Die Zahlen bleiben etwa gleich“, sagt er und fügt hinzu: „Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Menschen ihre Babyplanung trotz oder wegen Corona nicht verändert haben.“

Auch Frauenarzt Roland Zimmer sieht keinen ungewöhnlichen Anstieg von Neuschwangerschaften. Seine Patientinnen würden sich unbeeindruckt vom Geschehen rund um Corona zeigen. Auf dem Lande gebe es nach wie vor den Trend, dass es nicht ungewöhnlich sei, wenn in eine Familie ein drittes Kind hineingeboren werde. In den Ballungsräumen, in den großen Städten, sei angesichts von Platzmangel das Einzelkind die Regel. All das habe sich durch Corona nicht verändert.

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