Antrag zu Co-Working-Spaces in der Innenstadt
Kompromiss soll Konkurrenz schützen

Coesfeld. Ob und wo in der Innenstadt sogenannte Co-Working-Spaces entstehen, wird die Verwaltung frühestens prüfen, wenn entschieden ist, ob die Stadt Coesfeld den Zuschlag des Modellvorhabens Smarte.Land.Regionen erhält. Auch dort geht es darum, Homeoffice und Co-Working-Spaces zu fördern. Dieser Kompromiss stand in der Ratssitzung am Donnerstagabend am Ende eines lebendigen Abwägungsprozesses und wurde bei einer Gegenstimme (Thomas Stallmeyer, SPD) so beschlossen.

Sonntag, 06.09.2020, 09:28 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 09:30 Uhr
Antrag zu Co-Working-Spaces in der Innenstadt: Kompromiss soll Konkurrenz schützen
Co-Working-Spaces könnten nach Auffassung der Grünen ein „wichtiges Element zur Belebung der Innenstadt“ sein. Die mietbaren Räumlichkeiten bieten eine gemeinsame Büro- und IT-Infrastruktur und sind auch für Start-ups interessant. Foto: Tumisu/Pixabay

Den Antrag zu Co-Working-Spaces hatte die Fraktion Bündnis90/Die Grünen gestellt (wir berichteten). In seinem Plädoyer hatte Erich Prinz die Vorzüge dieser Räumlichkeiten mit gemeinsamer Büro-Infrastruktur schnell auf den Punkt gebracht: „Das Risiko der Ansteckung wird minimiert und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Es ist ein wichtiges Element zur Innenstadtbelebung, von dem alle profitieren können“, nannte Prinz nur einige Vorteile.
Diese Ansicht teilte die Verwaltung nur bedingt, zumal sich gerade im Außenbereich zwei private Anbieter von Co-Working-Spaces ansiedeln. Diese sollen „nicht durch konkurrierende Anbieter eine Belastung“ erfahren, wie Bürgermeister Heinz Öhmann betonte. Wenn sie einen gewissen „Stabilisierungsgrad erreicht“ hätten, könne man nochmals über das Thema diskutieren. Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld) nannte den Antrag der Grünen „eine gute Idee“, hielt ihn aber auch für „verfrüht“. Es sei „im Moment der falsche Weg“. Auch Heinrich Volmer (Pro Coesfeld) sah „nicht den Druck, dass wir das ad hoc brauchen“. „Für uns kommt der Antrag zum falschen Zeitpunkt“, sprach sich auch Thomas Stallmeyer (SPD) gegen die sofortige Prüfung und Umsetzung dieses Vorhabens aus. „Und wenn, wäre eher der Stadtmarketing Verein gefragt“, so Stallmeyer. „Wenn das eine Lücke ist, wird das entstehen“, befürwortete SPD-Fraktionschef Ralf Nielsen eine Regelung durch den Markt.

Das soll man ja als Sozialdemokrat nicht sagen, aber es gibt Dinge, die regelt der Markt.

Ralf Nielsen (SPD)

Gerrit Tranel (CDU) brachte dann den Kompromiss ins Spiel, aus den zwei Beschlussvorschlägen der Grünen und der Verwaltung einen zu machen – „unter Berücksichtigung der beiden Wettbewerber“. Wenn ein Bedarf festgestellt werden sollte, dann müsse die Politik „die Nutzung in der Innenstadt möglich machen“, sagte Tranel.
Bis auf Thomas Stallmeyer konnten sich mit dieser Lösung alle Ratsmitglieder – auch die Grünen – anfreunden. Bei der Bewerbung um das Modellvorhaben Smarte.Land-Regionen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sei das aus dem Kreis Coesfeld eingereichte Projekt zurzeit unter den letzten dreien und habe gute Aussichten auf Erfolg, erklärte Öhmann. „Danach haben wir die Förderung im Blick, und nach dem Bericht über die Marktlage kann der Rat noch mal entscheiden, wie er damit umgeht“, erklärte der Verwaltungschef. Auch im Falle eines negativen Förderbescheids solle das Thema Co-Working-Spaces in der Innenstadt von der Verwaltung geprüft werden. „Wir sollten zeitnah an die Thematik herangehen“, forderte Erich Prinz angesichts immer mehr Homeoffice-Lösungen während der Corona-Pandemie, nicht zu lange zu warten.

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