Grüne holen erstmals ein Direktmandat und sind die großen Wahlgewinner
Benedikt Öhmann tanzt durch den Ratssaal

Coesfeld. Wie ein Derwisch tanzt Benedikt Öhmann durch den Ratssaal. Als erster Kandidat der Grünen in der Geschichte Coesfelds hat er einen Wahlkreis direkt gewonnen, den Wahlkreis 2 (Gymnasium Nepomucenum). „Das ist der absolute Irrsinn“, fällt er seinem Vater, Noch-Bürgermeister Heinz Öhmann um den Hals, der seinem Sohn als Erster gratuliert.

Montag, 14.09.2020, 05:46 Uhr
Grüne holen erstmals ein Direktmandat und sind die großen Wahlgewinner: Benedikt Öhmann tanzt durch den Ratssaal
Nur wenige Politiker sind es, die im Ratssaal den Wahlabend verfolgen – die Coronaschutz-Verordnung ist der Grund. Abgesehen von den Vertretern der Grünen, haben die meisten wenig Grund zur Freude. Foto: Ulrike Deusch

Eine Sensation – aber solche Superlative fallen im Minutentakt, als die Ergebnisse der Ratswahl auf der Wand des Sitzungssaals erscheinen. Die Grünen sind mit 20,1 Prozentpunkten erstmals zweitstärkste Fraktion im künftigen Stadtrat und damit die großen Gewinner der Wahl. Im neuen Rat, in dem die Gesamt-Sitzzahl von 38 auf 46 aufgestockt wurde, erhöhen sie ihre Mandate von vier auf neun.

Stärkste Kraft bleibt die CDU, die aber mit 38,9 fünf Prozentpunkte einbüßt. Kopf an Kopf auf Rang drei die Wählergemeinschaft Pro Coesfeld (15,9) und auf Platz vier die SPD (14,8). Beide verlieren jeweils fast vier Prozentpunkte. Einen Prozentpunkt muss auch die FDP abgeben, behält aber zwei Sitze. Der ehemalige FDP-Ratsherr Wolfgang Kraska erhält als Einzelbewerber in seinem Wahlbezirk 34 Stimmen, das sind 4,8 Prozentpunkte. Damit ist er nicht wieder gewählt. Aktiv für Coesfeld (AfC) und die Familien-Partei punkten. AfC erreicht mit zwei Sitzen Fraktionsstärke, die Familien-Partei erringt einen Sitz.

Sarah Albertz, Spitzenkandidatin der Grünen, kann ihr Glück kaum fassen: „Ein Super-Ergebnis“, jubelt sie. „Wir haben für die Wahl eine tolle Truppe auf die Beine gestellt“, so Grünen-Urgestein Erich Prinz, der ebenfalls im Rat vertreten sein wird. „Außerdem ist es uns gelungen, mit den Themen Klima- und Umweltschutz die Menschen zu erreichen.“

Erst als der Wahlabend fast gelaufen ist, finden sich CDU-Vertreter im Ratssaal ein, unter ihnen der sichtlich enttäuschte Vorsitzende Wilhelm Korth. „Der Bürger hat sich so entschieden“, kommentiert er das Ergebnis. „Wir werden als CDU weiter engagierte Ratsarbeit machen.“ Dass das Kleeblattbündnis mit rund 55 Prozent eine absolute Mehrheit zusammenbringt, schreckt Korth nicht. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei verschiedenen Themen wechselnde Mehrheiten gibt.“

Warum Pro Coesfeld so deutlich verloren hat, ist dem Vorsitzenden Eberhard Ernsting ein Rätsel. „Ich kann es nicht so richtig begreifen“, bedauert er. „Wir waren doch thematisch breit aufgestellt. Sogar Robert Böyer, bislang einziger erfolgreicher Direktkandidat der Wählergemeinschaft, hat sein Direktmandat an CDU-Kontrahent Simon Watermann verloren.

Ralf Nielsen, der als SPD-Spitzenkandidat wieder in den Rat einzieht, findet, die SPD sei „mit einem blauen Auge davon gekommen.“

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