Interview mit Eliza Diekmann am Tag nach der Wahl
„Möchte nicht nur ein Treiber sein“

Coesfeld. Die Jubelrufe vor dem Rathaus waren am späten Sonntagabend auf dem Marktplatz nicht zu überhören. Mit großen Blumensträußen in der Hand verließ Eliza Diekmann, die frisch gewählte Bürgermeisterin der Stadt, ihren künftigen Arbeitsplatz und wurde unter Applaus auf der Rathaustreppe empfangen. Gestern, einen Tag nach dem Wahl-Krimi, haben wir mit ihr über den späteren Wahlabend, die schon bereitgestellte Rikscha und die kommenden Tage geplaudert.

Dienstag, 15.09.2020, 06:00 Uhr
Interview mit Eliza Diekmann am Tag nach der Wahl: „Möchte nicht nur ein Treiber sein“
Eliza Diekmann, 34 Jahre alt, parteilos: Am 1. November übernimmt sie das Amt der Bürgermeisterin in Coesfeld. Foto: Leon Seyock

Frau Diekmann, herzlichen Glückwunsch zum Wahlsieg. Wie lang war denn Ihr Sonntagabend?

Eliza Diekmann: Zuhause waren wir um 2 Uhr. Vom Rathaus aus sind wir zum Café Central gegangen. Als ich mit den Blumensträußen das Rathaus verließ, fühlte ich mich wie auf einer Hochzeit. Fast hätte ich die Blumensträuße geworfen (lacht). Die gesamte Stimmung war berauschend, im Spalier zur Bernhard-von-Galen-Straßen und unter Applaus wurde ich begleitet. Ich selbst bin eher ein abgeklärter Typ und diszipliniert, wenn es um meine eigene Person geht. Ich war sehr demütig und habe das gesehen, was jetzt ansteht.

Mit welchem Gedanken sind Sie am Montagmorgen aufgewacht?

Diekmann: Dass ich meiner Tochter erstmal erzählen muss, dass ich Bürgermeisterin werde. Ich sagte ihr auch, dass ich bald genauso viel arbeiten muss, wie ich es in den vergangenen Monaten getan habe. Sie hat sich aber wahnsinnig für mich gefreut, das war ein schöner Moment.

Wie lange haben Sie damals über Ihre Kandidatur zur Bürgermeisterin nachgedacht?

Diekmann: Der gesamte Prozess bis zur Verkündung am 6. Dezember hat rund sechs Wochen gedauert. Einen Tag habe ich gedacht, ich mache es. Am anderen dann wieder nicht. Es war immer ein Hin und Her. Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und habe mir ein ganzes Bild vom Bürgermeister-Amt erarbeitet. Dann war noch die Frage nach dem Mut offen. Ich sage immer: Es braucht einfach Mut, und mit dieser Einstellung kann man alles schaffen. Als Familie haben wir diesen Sprung dann gemeinsam gemacht.

Die Rikscha, mit der Sie Herrn Tranel im Falle einer Niederlage durch die Stadt fahren wollten, stand schon bereit. Hatten Sie mit dem Schlimmsten gerechnet?

Diekmann: Nein (lacht). Aber die Rikscha stand schon nachmittags vor unserer Haustür, denn ich wollte ja gut gerüstet sein. Ich selbst habe sie zum Rathaus gefahren, es war dann nur die Frage, wer sie wieder zurückfährt (lacht).

Wie geht es in den nächsten Tagen und Wochen für Sie weiter?

Diekmann: Wir werden auf den Wahlkampf zurückblicken, uns bedanken, Plakate abhängen, aufräumen und uns selbst sortieren. Herr Öhmann hat bereits angekündigt, mich in politische Prozesse miteinzubeziehen. Außerdem werde ich zahlreiche Gespräche zur Vorbereitung auf das Bürgermeister-Amt führen.

Am 1. November ziehen Sie dann in Ihr neues Büro ein. Wie sieht Ihre erste Amtshandlung aus?

Diekmann: Ich freue mich sehr darauf, alle Mitarbeitenden in der Verwaltung kennenzulernen. Es ist mir sehr wichtig, alle Prozesse zu verstehen und zu schauen, wo wir uns gerade befinden und wo Potenzial besteht. Gemeinsam legen wir dann los.

Und was sagt ein Blick auf die Wahl im Jahr 2025...?

Diekmann: Ich schaue mit viel Demut in die Zukunft. Richtig feiern kann ich selbst aber erst, wenn ich 2025 das erreicht habe, was ich mir vorgenommen habe. Wenn das klappt, werde ich auch 2025 wieder antreten. Ich hoffe, wir haben dann schon viele Weichen gestellt. Ich möchte aber nicht nur Treiber sein, sondern angestoßene Projekte auch weiterverfolgen.

Nachrichten-Ticker