24-Jähriger wegen Diebstählen vor Gericht
„Autopilot-Zombie“ schuldfähig?

Coesfeld. Sein gesamtes Umfeld habe sich gegen ihn verschworen, sagte ein 24-jähriger Coesfelder, der sich vor dem Amtsgericht Coesfeld wegen mehrerer Einbrüche, Diebstähle sowie Beleidigung in Coesfeld, Billerbeck und Münster verantworten musste. Er selbst habe den Eindruck, psychische Probleme zu haben. Das veranlasste die Richterin schließlich, die Hauptverhandlung nach zweieinhalb Stunden auszusetzen.

Mittwoch, 23.09.2020, 11:28 Uhr

„Anfangs haben Sie mir noch einen aufgeräumten Eindruck gemacht“, kommentierte die Richterin. Das habe sich aber im Laufe der Verhandlung verändert. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil auch die Verteidigerin im Laufe der Verhandlung immer wieder auf Erinnerungslücken und sonderliches Verhalten ihres Mandanten hinwies.

Der Bewährungshelfer des einschlägig vorbestraften Coesfelders berichtete von der Spielsucht, früherem Drogenkonsum und damaligen mehrfachen Aufenthalten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Die Richterin fasste den Beschluss, dass ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden soll, um eine möglicherweise eingeschränkte Schulfähigkeit des Angeklagten zu überprüfen.

Der 24-Jährige bezeichnete sich selbst als „Autopilot-Zombie“, der ohne Sinn durch die Straßen streunt, aber „keinem schaden wolle“. „Ich fühle mich ständig bedroht“, sagte er. Das treffe auch dann zu, wenn jemand in der aktuellen Corona-Pandemie eine Maske tragen würde, die er als „Maskerade“ sehen würde.

Anfang des Jahres war er zwei Mal in Einfamilienhäuser in Coesfeld und Billerbeck eingedrungen und hat dort eine Handtasche mit Bargeld und einen defekten Video-Player entwendet, was er selbst zugab. Zwei Mal hat er die Christophorus-Kliniken aufgesucht, um dort einen Schlüsselbund zu stehlen, Spinde zu öffnen und ein Handy mitgehen zu lassen. Einmal ist er dabei von einer Physiotherapeutin auf frischer Tat ertappt worden. Diese sagte als Zeugin aus, dass der Angeklagte ihr gesagt habe, dass er lediglich etwas zu essen suche. Der 24-Jährige habe ruhig und gelassen auf sie gewirkt, keinesfalls aufgeregt.

Weshalb allerdings die Situation im Dänischen Bettenlager in Münster, wo der Angeklagte eine Spardose gestohlen hatte und dabei erwischt wurde, eskaliert ist, blieb im Dunkeln. Der Angeklagte behauptete, dass die Polizei ihm gegenüber Gewalt angewandt habe, weil sie ihm Handfesseln zu fest angelegt hätte.

Ein 32-jähriger Polizist, der bei diesem Einsatz dabei war, sagte aus, dass der Angeklagte zunehmend aggressiv geworden sei und wild um sich geschlagen habe, sodass sogar sechs Polizisten nötig gewesen seien, um den Angeklagten zu fixieren. Dieser habe die Polizisten in übelster Weise beschimpft. „Das gesamte Potpourri an Beleidigungen war dabei“, sagte der Zeuge.

Der Coesfelder habe sich nicht beruhigen lassen und seinen Kopf selbst auf den Boden geschlagen.

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