Martin Brambach und Christine Sommer sprechen über Kästners Roman „Der Gang vor die Hunde“
Literatur als große Leidenschaft

Coesfeld. Gleich zwei Mal, am 4. und 5. November, ist der durch Theater und Fernsehen bekannte Schauspieler Martin Brambach gemeinsam mit seiner Frau Christine Sommer, ebenfalls eine gefragte Schauspielerin, zu Gast im Konzert Theater Coesfeld. Auf dem Programm steht mit „Der Gang vor die Hunde“ ein autobiografisch gefärbter Berlin-Roman von Erich Kästner, den das Ehepaar mit Künstlerkollegen als Gesellschaftssatire in Szene gesetzt hat. Unsere Mitarbeiterin Ursula Hoffmann sprach mit den Künstlern.

Samstag, 17.10.2020, 15:32 Uhr
Martin Brambach und Christine Sommer sprechen über Kästners Roman „Der Gang vor die Hunde“: Literatur als große Leidenschaft
Martin Brambach und seine Ehefrau Christine Sommer bringen im November den autobiografisch gefärbten Kästner-Roman „Der Gang vor die Hunde“ als Gesellschaftssatire mit aktuellen Bezügen auf die Bühne des Konzert Theaters. Foto: Georg Sommer

Herr Brambach, wie sind Sie bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Martin Brambach: Das hat uns natürlich getroffen, weil viele Dreharbeiten unterbrochen wurden und Lesungen zum Teil bis ins nächste Jahr verschoben wurden. Trotzdem habe ich es am Anfang auch sehr genossen, wenn ich ehrlich bin, vor allem die Zeit für die Familie und für unseren Garten. Aber dann kamen natürlich existenzielle Gedanken. Zum Glück haben wir aber im Mai die Dreharbeiten beendet, meine Frau hat im Sommer einen ‚Wilsberg’ gemacht, im Herbst drehe ich drei Filme gleichzeitig und Gott sei Dank gibt es als guten Ausgleich ja auch ein paar Veranstaltungen wie die in Coesfeld. Im Vergleich zu vielen Kollegen stehen wir also recht gut da.

Sie sind beide viel beschäftigte Charakterdarsteller, trotzdem gehen Sie mit Lesungen auf Tour.

Christine Sommer: Wir kommen beide vom Theater, die Literatur ist eine große Leidenschaft von uns beiden. Brambach: Wir sind so viel unterwegs, die Lesungen sind etwas, was wir gemeinsam machen können. Das verbindet uns, man sieht sich und hat ein bisschen Eheleben.

Mussten Sie die Inszenierung wegen der Corona-Regeln verändern?

Brambach: Nein, den Abend steril zu machen, würde nicht funktionieren. Wir werden alle bei Dreharbeiten regelmäßig getestet, die Sicherheitsvorkehrungen am Drehort mit Maskenpflicht und Fieber messen sind sehr streng, daher vertrauen wir darauf, gesund zu sein.

Was bedeutet Erich Kästner für Sie?

Brambach: Das ist ein großartiger Autor, der mich seit meiner Kindheit begleitet, ich habe auch in dem Film „Kästner und der kleine Dienstag“ mitgespielt. Sommer: „Der Gang vor die Hunde“ ist ja erst 2013 in unzensierter Fassung erschienen und mein Buchhändler in Recklinghausen hat mir den Roman ans Herz gelegt, als ich ihm gesagt habe, ich wolle etwas über die 20er Jahre machen. Die Geschichte ist hochpolitisch und brisant und hat mich gleich mitgerissen. Erst wollten wir als Paar eine Lesung daraus machen, nach mehrfachem Lesen sagte Martin, da sind so viele Rollen drin, das muss ein Stück werden. Wir haben uns dann richtig reingekniet und aus der kleinen Geschichte ist ein richtig großes Ding geworden, unser Baby, mit dem wir in Recklinghausen in fünf ausverkauften Vorstellungen Standing Ovations bekommen haben. Wir spielen es wahnsinnig gern, haben tolle Kollegen, tolle Musiker und freuen uns sehr, dass wir es in Coesfeld spielen können.

Welche Rolle spielt denn die Musik in dem Stück?

Brambach: Die Musik repräsentiert die Zeit, es sind populäre Schlager aus dem Berlin der 20er Jahre. Die Hauptfigur Fabian, die ja auch ein bisschen Kästner selbst ist, lässt sich durch das Berliner Nachtleben treiben und um das darzustellen, finde ich Musik sehr zwingend. Meine Frau singt auch sehr schön. Sommer (wirft ein): Ich wollte die Musik von Anfang an. Wir haben tolle Musiker – Saxophon, Kontrabass, Gitarre – die aus dem Jazz kommen.

Herr Brambach, sind Sie ein Moralist?

Brambach (sehr entschieden): Ja, je älter ich werde, desto mehr spielt es eine wichtige Rolle, dass man die richtige Haltung sucht. Wir haben vier Kinder und mit denen diskutieren wir oft über Fragen der Moral. Der Roman ist ja 1932 geschrieben, man spürt die Präsenz der Nazis, dass da etwas Neues kommt, aber sie werden nicht so richtig ernst genommen. Der Fabian, den ich ja spiele, bezieht explizit keine Haltung, er ist weder so richtig rechts noch links. Er könnte sich auch mit dem System arrangieren, wenn er nicht sterben würde. Das macht etwas ratlos, denn man muss sich im Leben stringent für eine Richtung entscheiden und dann diesen Weg gehen. Sommer: Wir leben in Zeiten, wo alles drunter und drüber geht, wenn man sich treiben lässt, ist man verloren. Ich finde, man darf nicht nur mosern, sondern muss sich engagieren, deshalb bin ich hier in Recklinghausen auch für die Grünen im Stadtrat aktiv.

Also sollte man sich das Stück auch ansehen, weil es durchaus aktuelle Bezüge gibt?

Brambach: Es ist eine ganz tolle Literatur, die natürlich politisch gewisse Parallelen zu heute aufweist. Unsere Inszenierung ist sehr, sehr unterhaltsam, lustig, nachdenklich, hoch philosophisch und angereichert mit toller Musik Sommer: Die Zuschauer erwartet ein ernstes Thema, amüsant und unterhaltsam aufbereitet.

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