Ab heute gelten verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen im örtlichen Verkauf
„Sehe Handel nicht als Infektionsherd“

Coesfeld. Einige schlaflose Nächte habe Bernadette Weiling, Mit-Inhaberin des gleichnamigen Bioladens, zunächst gehabt, als Bund und Länder in der vergangenen Woche weitere verschärfte Maßnahmen für den örtlichen Einzelhandel ankündigten. Mit neuen Erlassen, die ab dem heutigen Dienstag gültig sind, soll bekanntermaßen das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus weiter eingedämmt werden.

Dienstag, 01.12.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 06:03 Uhr
Ab heute gelten verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen im örtlichen Verkauf: „Sehe Handel nicht als Infektionsherd“
Heute tritt die neue Fassung der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW in Kraft. Neben der weiteren Einschränkung persönlicher Kontakte ist auch der Einzelhandel davon betroffen – bei einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern dürfen sich nur noch halb so viele Kunden zur gleichen Zeit im Laden aufhalten, wie es bislang der Fall war. Bernadette Weiling, Mit-Inhaberin des Bioladens, weist darauf hin, dass der Markt nur mit einem Einkaufswagen oder -korb betreten werden darf. So könne nachverfolgt werden, wie viele Personen im Geschäft sind. Foto: Leon Seyock

Nicht nur persönliche Kontakte sollen weiter eingeschränkt werden, auch Einzelhändler und Betreiber der hiesigen Supermärkte sind von der neuen Verordnung betroffen. Sie müssen nun einen Blick auf ihre Verkaufsflächen werfen: Ist diese kleiner als 800 Quadratmeter, darf ein Kunde pro zehn Quadratmeter zugelassen werden – diese Regulierung griff nun zuletzt in der Pandemie und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen. Dabei spielte die Größe der Verkaufsfläche keine Rolle. Neu ist nun, dass ab einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern nur noch ein Kunde auf 20 Quadratmetern zugelassen ist.

Im Bioladen beispielsweise ist die Verkaufsfläche 660 Quadratmeter groß, „wir sind froh, dass wir so weiterarbeiten können, wie bisher“, schildert Bernadette Weiling. 66 Kunden sind also zugelassen. Tatsächlich zählt bei der ab heute greifenden Verordnung die Verkaufsfläche – und nicht ausschließlich die Bereiche und Gänge, in denen sich die Kunden aufhalten. Die Kunden des Bioladens sind dazu verpflichtet, den Handel mit einem Einkaufswagen oder einem Korb zu betreten, „denn so können wir nachverfolgen, wie viele Kunden sich im Geschäft befinden.“ Ist kein Wagen oder Korb zur Hand, ist die maximal zugelassene Anzahl an Kunden erreicht und es muss kurz gewartet werden. Durch veränderte Öffnungszeiten, verlängerte Rabattaktionen und den Verzicht von Aufstellern, Displays oder auch Dekorationen soll im Bioladen Weiling zusätzlich Raum geschaffen und der Kundenverkehr entzerrt werden.

Kein Verständnis für die neuen Regelungen zeigt Martin Pommerenke, Filialleiter des K+K-Marktes an der Daruper Straße, auf Nachfrage. Bei einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern sind ab dem heutigen Dienstag maximal 60 Kunden zugelassen. „Ich kann die neuen Regelungen nicht nachvollziehen. Seit März kommen wir mit dem bisherigen Konzept gut durch die Pandemie“, sagt er und betont, dass es in seiner Filiale bislang keinen Infektionsfall gegeben habe. Ab heute muss Martin Pommerenke die Höchstzahl der zugelassenen Kunden in seiner Filiale halbieren. „Generell sehe ich den Einzelhandel nicht als Infektionsherd an.“ Auch im K+K-Markt werden die Besucherzahlen über die Einkaufswagen gesteuert; 30 stehen ab heute vor dem Geschäft bereit – zwei Personen sind pro Wagen erlaubt.

Auf Security-Kräfte, die den Kundenstrom regulieren, setzt das E-Center, wie Filialleiter Marcus Ruschke schildert: „Wir sind mit ihnen per Funk verbunden und geben den Kräften die Information, wenn sie einen kurzzeitigen Einlass-Stopp veranlassen sollen.“ Das passiere allerdings nicht erst, wenn die maximal zulässige Zahl an Kunden erreicht ist, sondern schon weitaus früher: „Bislang durften sich 250 Kunden gleichzeitig in unserem Center aufhalten. Das haben wir aber ohnehin nie erreicht“, so Ruschke. Bereits bei 80 bis 100 Kunden wurde ein Einlass-Stopp verhängt, denn, so begründet Marcus Ruschke: „Wenn 50 Kunden gleichzeitig in den Supermarkt kommen und alle zur Käsetheke laufen, können wir dort die Abstände auch nicht einhalten.“ Und das sei weiterhin das höchste Gebot. Mit der neuen Verordnung dürfen sich nun 125 Personen zur gleichen Zeit im Markt befinden. „Da wir diese Zahl nie erreicht haben, ändert sich für uns mit dem neuen Erlass auch nichts“, fasst Ruschke zusammen. Er hofft, dass sich die Kunden weiterhin vorbildlich verhalten und sich an die Schutzmaßnahmen halten, wie sie es in den vergangenen Monaten getan hätten. „Denn das hat wirklich gut funktioniert.“

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