Anlieger wollen gefährliche Situationen nicht mehr länger hinnehmen
„Die Busse müssen hier raus“

Coesfeld. Die Schulen sind geschlossen, der Verkehr gering. Corona-Ruhe herrscht an diesem Vormittag in der nordwestlichen Innenstadt (Basteiring, Seminarstraße, Wetmarstraße). Für die drei Anliegerinnen Claudia Mohr, Melanie Obst und Ulrike Wiecher ist es allerdings die Ruhe vor dem Sturm. Sie wissen, wie es hier an normalen Schultagen aussieht. Noch im Dezember, erinnert sich Mohr, habe sie am Basteiwall „ein Kind zurückgezogen“: „Das wäre sonst vom Bus überfahren worden.“ Brandgefährlich sei die Situation zwischen Seminarstraße, Basteiwall und Basteiring. „Viel zu eng für Busse“, meint auch Wiecher, die an der Wetmarstraße wohnt und dort fast täglich ähnliche Szenen beobachtet: „Im Begegnungsverkehr fahren die Busse hier auch immer wieder über die Bürgersteige.“ Für die Kinder, die zu Fuß kämen, sei das „eine Zumutung“, nicht einmal auf dem Gehweg sicher zu sein. „Die Busse müssen hier raus“, formuliert Mohr eine klare Forderung an die Stadt, die sie auch schon der neuen Bürgermeisterin vorgetragen hätten. Den Fahrschülern des Heriburg-Gymnasiums, meinen die drei Frauen, sei es doch zumutbar, ein paar Schritte weiter zur Schule zu laufen. Denkbar wäre ein Mit-Ausstieg am Schulzentrum oder die Nutzung einer Haltestelle am Arbeitsagentur-Parkplatz. Dann könnten sie über den Wall sicher zur Schule gelangen.

Samstag, 09.01.2021, 15:20 Uhr
Anlieger wollen gefährliche Situationen nicht mehr länger hinnehmen: „Die Busse müssen hier raus“
Morgens und mittags wird es außerhalb von Corona-Zeiten eng an der Heriburg-Haltesstelle: Anlieger beklagen, dass es immer wieder zu gefährlichen Situationen bei der An- und Abfahrt der Busse kommt, weil die Straßen dafür zu schmal seien. Foto: Archiv

Das Heriburg zeigt sich gesprächsbereit. An der Haltestelle vor dem Schultor will Schulleiter Christian Krahl aber nicht rütteln lassen: „Die ist für uns sehr wichtig“, betont er auf AZ-Nachfrage. Zu lange Wege dürfe es für die 220 Fahrschüler (ein Drittel aller Schüler) nicht geben – dabei gehe es nicht um Bequemlichkeit, sondern um Sicherheit. Er sieht einen Hauptgefahrenpunkt nicht in den Bussen, sondern im zu schnellen Pkw-Verkehr. „Die Verkehrssituation ist nicht optimal und verbesserungswürdig“, zeigt Schulpflegschaftsvorsitzender Daniel Zazopoulos Verständnis für die Sorgen der Anlieger. Er könne sich einiges zur Verbesserung vorstellen: Im Rahmen des geplanten Schulumbaus könnte eine neue Umfahrt für die Busse geschaffen werden. Auch der Rückbau von Parkplätzen an der Wetmarstraße sei denkbar, um Engstellen zu beseitigen. Oder der Einsatz von Schülerlotsen. Sinnvoll wäre ein „Runder Tisch“. Alle hätten schließlich das gleiche Ziel: „Es geht um die Sicherheit der Kinder.“ Und am Ende sollten sich Experten „mit allen Vorschlägen sachlich auseinandersetzen“, schlägt er vor.

Für die Stadt ist klar, „dass es keine schnelle Lösung geben wird, die allen Aspekten gerecht wird“, äußert sich Pressesprecherin Andrea Zirkel. Bürgermeisterin Eliza Diekmann habe aber bereits mit Schulleiter Krahl gemeinsam überlegt, „ob an der Seminarstraße Schülerlotsen eingesetzt werden könnten, um die Sicherheit für die Schulkinder zu verbessern, zum Beispiel am Basteiwall und direkt an der Haltestelle. In den nächsten Wochen sollen, soweit Corona das ermöglicht, Gespräche mit allen Beteiligten folgen.

Die Anliegerinnen teilen die Ansicht von Krahl, dass in dem 30er-Bereich viel zu schnell gefahren wird – und sogar auch noch am Abend. Nach Messungen an drei Tagen kommt die Polizei allerdings zum Ergebnis, dass „das Geschwindkeitsprofil unauffällig“ sei. 85 % der Fahrer seien im Schnitt nicht schneller als 31 km/h unterwegs gewesen – ein vergleichsweise guter Wert. Das bringt Melanie Obst auf die Palme: Aufgrund der Corona-Einschränkungen seien diese Messungen „ohne repräsentative Aussage“. „Hätte man dem Bürger zugehört, dann hätte man auch erkannt, dass die Messungen so ausgeführt wurden, dass nicht einmal die richtige, kritische Fahrtrichtung analysiert wurde“, schimpft sie. Aufwand und Steuergelder für solche Messungen hätte man sich sparen können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7758738?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker