SG Coesfeld 06 zieht Bilanz ihrer bisherigen Coronahilfe und bietet weiterhin Unterstützung an
Nicht nur Helfer, auch Seelsorger

Coesfeld. Mitte März ging alles ganz schnell. Erst der Lockdown, dann die Absage des SG-Sportlerballs und schließlich stand die Idee im Raum, anderen in der Pandemie zu helfen. „Wir haben kurzfristig eine eigene Coronahilfe ins Leben gerufen und jedem Hilfe angeboten, der sich wegen seines Alters oder einer Vorerkrankung nicht mehr aus dem Haus getraut hat“, erzählt Patrick Steinberg, Geschäftsführer der SG Coesfeld 06. Dabei habe es keine Rolle gespielt, ob man Mitglied im Verein sei.

Dienstag, 19.01.2021, 11:30 Uhr
SG Coesfeld 06 zieht Bilanz ihrer bisherigen Coronahilfe und bietet weiterhin Unterstützung an: Nicht nur Helfer, auch Seelsorger
Marius Messing (l.) und Marius Wiesmann von der ersten Herren-Fußballmannschaft der SG Coesfeld 06 haben im Frühjahr 2020 bei der Tafel ausgeholfen und waren damit Teil von rund 30 Vereinsmitgliedern, die anderen in der Pandemie Unterstützung angeboten haben. Foto: Archiv

Rund ein Dutzend Menschen hätten sich vom Frühjahr an über das Jahr verteilt bei dem Sportverein gemeldet und um Unterstützung gebeten. „Für die meisten sind wir ein bis zwei Mal in der Woche einkaufen gegangen, haben aber auch Botengänge erledigt, zum Beispiel zur Post oder zur Bank.“ Die meisten Menschen seien dabei über 60 gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. „Man hat schon gemerkt, dass bei vielen die Hemmschwelle zunächst hoch gewesen ist. Eine Dame erzählte uns am Telefon, dass sie erst drei Tage überlegt hätte, bevor sie uns angerufen hat. Für viele ist es sicher nicht einfach, Hilfe anzunehmen, schon gar nicht von Fremden, aber die Hauptsache ist doch, dass die Risikogruppen in diesen Zeiten zu Hause und damit sicher bleiben können“, sagt Patrick Steinberg.

An Unterstützung habe es nicht gemangelt. „Wir hatten schnell rund 30 Vereinsmitglieder zusammen, die helfen wollten. Viele konnten zu dem Zeitpunkt nicht studieren und waren ohnehin in der Heimat.“ Diese Kraft habe der Verein auch für seine bislang größte Hilfsaktion genutzt – die Unterstützung der Tafel in der Ausgabe des Essens im April. „Wir hatten gelesen, dass es nicht mehr stattfinden kann, weil die ehrenamtlichen Helfer selbst alle zum Großteil zur Risikogruppe gehören und haben spontan unsere Hilfe angeboten.“

Die Vereinsmitglieder standen auch für die Coronahilfe zur Verfügung. „Einige von ihnen haben dann mit den Menschen, die sich bei uns gemeldet hatten, direkt die Nummern ausgetauscht. So mussten wir nicht weiter vermitteln“, sagt Patrick Steinberg. „Das war super, denn so ist nach und nach auch ein gewisses Vertrauen entstanden.“ Es habe viele Lernmomente gegeben. „Am Anfang musste ich erstmal herausfinden, was wichtig ist, am Telefon abzufragen. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass viele ältere Frauen auch lieber Frauen als Unterstützung haben.“ Es stellte sich zudem heraus, dass oftmals nicht nur eine helfende Hand, sondern auch ein offenes Ohr gefragt war. „Wir sind da oft nicht nur Helfer gewesen, sondern auch Seelsorger. Das machen wir wirklich gerne“, betont der Geschäftsführer.

Die Coronahilfe biete der Sportverein auch weiterhin an. „Gerade jetzt im zweiten Lockdown, aber bislang hat sich noch niemand wieder gemeldet. Ich vermute, dass die Strukturen hier im Münsterland doch so gut sind, dass viele Menschen Hilfe in der Familie oder in der Nachbarschaft finden.“ Dennoch betont Patrick Steinberg: „Jeder, der Hilfe braucht, bekommt sie von uns auch. Wie gesagt, man muss dafür kein Mitglied im Verein sein.“

Wer Unterstützung bei seinen Einkäufen oder anderen Botengängen braucht, der kann sich in der Geschäftsstelle der SG Coesfeld 06 melden unter Tel. 02541/980666 oder auch via E-Mail unter info@sg-coesfeld.de.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7773651?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker