Hundeschulen ist der Betrieb untersagt – was das für Folgen mit sich bringt
„Es wird viele Problemhunde geben“

Coesfeld/Lette. Welche Folgen die Einstellung des Betriebes von Hundeschulen mit sich bringt, da nimmt Christin Steinweg kein Blatt vor den Mund: „Es wird viele Problemhunde geben“, vermutet sie. Die Besitzerin der Hundeschule Bailey‘s in Lette führt das einerseits darauf zurück, dass sich gerade in Zeiten des Lockdowns viele Familien Hunde – vor allem Welpen – zulegen würden, und andererseits mit diesen aktuell nicht das nötige Training durchgeführt werden könne.

Sonntag, 07.02.2021, 07:40 Uhr
Hundeschulen ist der Betrieb untersagt – was das für Folgen mit sich bringt: „Es wird viele Problemhunde geben“
Dass es viele Problemhunde nach dem Corona-Lockdown geben wird, vermutet Christin Steinweg, Inhaberin der Hundeschule Baileys. Viele Familien würden sich in diesen Zeiten neue Hunde zulegen, gleichzeitig könne mit diesen aktuell aber nicht trainiert werden. Foto: privat

Die Verordnung des Landes sowie die Anweisungen des städtischen Ordnungsamtes untersagen seit dem 1. Dezember Gruppen- als auch Einzelstunden. Und das bereitet den befragten Hundeschulen angesichts der Tatsache, dass sich laut aktuellem Erlass immerhin zwei Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten treffen dürften, Magenkummer. Tina Thiele, Co-Trainerin der Hundeschule Fairständnis, sagt dazu: „Die Situation ist fürchterlich. Wir müssen auf das Ende des Lockdowns warten, ehe wir wieder auf dem Platz und bei Hausbesuchen trainieren können.“ Im ersten Lockdown im Frühjahr sei Einzeltraining noch möglich gewesen, „jetzt geht es aber darum, möglichst jeden Kontakt einzuschränken“, zeigt sie dennoch Verständnis.

Vor allem die fehlende Sozialisierung sei besonders problematisch, wie Siegmar Hohn, Tierpsychologe und Hundetrainer, berichtet: „Vor allem als Welpe lernen die Hunde für ihr Leben. Deshalb wäre es umso wichtiger, gerade dann mit ihnen zu trainieren.“ Zwar sei ein Erziehungstraining auch zu späteren Zeitpunkten möglich, „das ist dann aber mit sehr viel Geduld und Arbeit verbunden“, schildert er. Die vage Hoffnung habe Hohn, dass Mitte Februar die ersten Lockerungen eintreten und somit auch die Hundeschulen ihren Präsenz-Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

Das liege aber daran, wie Hundeschulen eingestuft werden. Dass das nicht immer eindeutig ist, schildert Christin Steinweg: „Innerhalb von neun Monaten wurden Hundeschulen drei Mal unterschiedlich eingeordnet“, teilt sie mit. Im ersten Lockdown hätten Hundeschulen als Freizeitbeschäftigung gegolten, im November dann als Dienstleistung und aktuell würden Hundeschulen unter Bildungsangebote fallen. „Das heißt für uns, wir dürfen gar nicht arbeiten und müssen abwarten, bis es im Bereich der Bildungsangebote Lockerungen gibt“, berichtet Steinweg von Gesprächen mit dem örtlichen Ordnungsamt.

Bis es soweit ist, bieten alle befragten Hundeschulen Training oder Ratschläge per Video oder Telefon an. „Nach wie vor gibt es natürlich viele Leute, die Probleme mit ihrem Hund haben und Hilfe benötigen“, betont Siegmar Hohn. Weil er seine Kunden und ihre geliebten Haustiere kenne, ließen sich einige Probleme auch am Telefon lösen. „So konnte ich zum Glück schon vielen helfen“, lautet seine bisherige Bilanz. Tina Thiele betont, dass solche Gespräche nur kurzfristig und in bestimmten Situationen helfen würden, „vor Ort ist es natürlich was anderes“, sagt sie. Auch mit Videos würde sie aktuell arbeiten, die sie von Hundebesitzern zugeschickt bekommt, die in verschiedenen Situation kurzfristig Hilfe bräuchten. „Vom Alltag des Hundes bekommen wir aber nichts mit. Und gerade darum geht es beim Hundetraining, dass das Tier im und für den Alltag lernt“, ergänzt sie. Und das sei nicht über Video- oder Telefonberatung abzudecken. Dass ein Training auf diese Art „nicht optimal“ ist, berichtet auch Christin Steinweg. Neben Online-Schulungen würde auch ein Hundetraining nur mit dem Tier und ohne Halter auf dem Platz infrage kommen. Doch auch das helfe nur bedingt; Hunde müssten gemeinsam mit ihrem Halter für das spätere Leben lernen. Dennoch, so hat die Hundetrainerin festgestellt: „Die Leute sind froh, dass sie etwas an die Hand bekommen, bis wir wieder mit dem richtigen Training durchstarten können.“

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