Experten aus vielen Disziplinen kooperieren
Schon über 70 Kindern geholfen

Coesfeld. Kinderschutz – das meint unter medizinischen Aspekten das Erkennen und Behandeln von Verletzungen von Körper und Seele. Eine Gefährdung des Kindeswohls geschieht oft innerhalb von Familien oder Institutionen und wird nicht erkannt. Zahlen und Statistiken sind daher wenig aussagekräftig, denn das sogenannte Dunkelfeld hat nach Einschätzung von Fachleuten ein erschreckend großes Ausmaß. Die Medizinische Kinderschutzambulanz soll helfen Licht in dieses Dunkel zu bringen und eine größere Sensibilität zu erreichen, heißt es in ihrer Pressemitteilung.

Samstag, 03.04.2021, 16:26 Uhr
Experten aus vielen Disziplinen kooperieren: Schon über 70 Kindern geholfen
Katja Golin arbeitet seit März im Team. Foto: az

Melanie Wagner ist insoweit erfahrene Fachkraft für Kinderschutz und sie ist von Beginn an dabei. Die Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin ist zudem systemische Beraterin und Präventionsfachkraft gegen sexualisierte Gewalt und durch ihre bisherigen Tätigkeiten regional sehr gut vernetzt. Seit März 2021 ist – ermöglicht durch die Unterstützung des Lionsclub Coesfeld – auch Katja Golin feste Mitarbeiterin im Kinderschutzteam. Bislang Sozialarbeiterin im Bereich frühe Hilfen und Kinderschutz an der Kinderklinik in Dortmund freut sie sich nun wieder in ihrer Heimatstadt Coesfeld zu sein. Beide Fachfrauen teilen sich die Stelle.

Zur Kinderschutzgruppe gehören zudem Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkrankenpflege, Chirurgie, Heilpädagogik, frühe Hilfen, Sozialpädiatrie und Psychologie/Psychotherapie. Die Leitung der Medizinischen Kinderschutzambulanz liegt bei dem Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik, Dr. Hubert Gerleve.

Im ersten Jahr der Medizinischen Kinderschutzambulanz wurden mehr als 70 Kinderschutzfälle bearbeitet. Etwa jeweils 30 aus den Kreisen Coesfeld und Borken und weitere aus den Kreisen Recklinghausen, Steinfurt und Warendorf. Ein Drittel der Kinder war im Alter bis drei Jahre, hier gab es häufige Fälle von häuslicher Gewalt und mehrere Inobhutnahmen durch verschiedene Jugendämter. Kindeswohlgefährdung spielt sich häufig auf mehreren Ebenen ab. Körperliche und psychische Misshandlung, aktive oder passive Gefährdung des Kindeswohls durch Vernachlässigung, auch Fälle von sexuellem Missbrauch wurden bearbeitet. Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren waren betroffen, in allen Fällen geschah der Missbrauch innerhalb der Familie.

Kinderschutz braucht Zeit – Zeit für das Kind, Zeit für den Aufbau von Vertrauen, Zeit für die Mutter, die Eltern oder Geschwister. Denn traumatische Erlebnisse von betroffenen Kindern werden nicht so einfach erzählt wie Ferienerlebnisse.

Manchmal steht ein Verdacht von Kindeswohlgefährdung im Raum. Niedergelassene Kinderärzte, Institutionen oder Betroffene haben sich schon an die Medizinische Kinderschutzambulanz gewendet. Es gibt auch Fälle, bei denen sich der Verdacht nicht bestätigt. Dies sehen die Kinderschutzbeauftragten der Kinderschutzambulanz am liebsten

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