Am Sonntag ist der Welt-Parkinson-Tag
Eine Erkrankung mit vielen Facetten

Coesfeld. Die endgültige Diagnose Morbus Parkinson hat Werner Ahrberg vor rund drei Jahren erhalten – während eines Krankenhausaufenthalts. Die ersten Symptome, von denen er und seine Frau Ruth annehmen, dass sie mit der Nervenerkrankung in Verbindung stehen, haben sich allerdings schon vor rund 20 Jahren gezeigt. Denn seitdem kann der heute 76-Jährige nichts mehr schmecken und riechen. Hin und wieder zeigte sich bei starker Anstrengung auch ein Kribbeln in den Fingern. „Aber“, so erinnert sich Ruth Ahrberg, „da dachten wir noch, dass es mit seiner Diabetes-Typ 1-Erkrankung zusammenhängt. Die kann die gleichen Symptome zeigen.“

Sonntag, 11.04.2021, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.04.2021, 09:02 Uhr
Am Sonntag ist der Welt-Parkinson-Tag: Eine Erkrankung mit vielen Facetten
Werner Ahrberg hat vor rund drei Jahren die Diagnose Morbus Parkinson erhalten, mit Medikamenten und Gymnastik konnte er die Erkrankung bislang jedoch gut auffangen, wie er selber sagt. Papagei Coco sorgt zudem für eine unterhaltsame Ablenkung. Foto: Jessica Demmer

Doch es ging weiter. „Die Konzentration ließ nach, auch hatte ich immer mehr Probleme, das, was ich dachte, in Worte zu fassen“, so Werner Ahrberg. Das typische Zittern von Händen und Beinen, dass man als Laie am ehesten mit Parkinson in Verbindung bringt, trat erst geraume Zeit später auf. „Erst ganz leicht. Und wenn ich es unterdrücken wollte, dann ist es an einer anderen Stelle am Körper losgegangen.“ Die Krankheit habe sehr viele Facetten, lief bei dem Coesfelder zunächst eher versteckt ab, wie er selber sagt. „Dann sah ich irgendwann nur noch über Kreuz. Da war also auch mein Sehnerv betroffen.“ Zwölf Jahre lang fuhr er bis dato ehrenamtlich für die Tafel, das konnte er dann nicht mehr. „Seit zwei Jahren fahre ich kein Auto mehr, das war einfach zu gefährlich.“

Die Diagnose sei am Ende aber erleichternd gewesen, denn nun konnten die richtigen Medikamente gefunden werden. Mit ihnen und auch einer regelmäßigen Gymnastik habe er seine Erkrankung bislang gut auffangen können – auch wenn der Krankheitsverlauf nicht berechenbar sei. Nur wenn er stark aufgeregt ist, zeigt sich das Zittern. „Die Medikamente muss ich pünktlich einnehmen, sonst merke ich das schon.“ Und, wie es sich für einen echten Westfalen gehört, „eine gewisse Sturheit hilft auch im Umgang“, ergänzt seine Frau mit einem Zwinkern und gibt gleichzeitig Tipps: „Man sollte früh auf seinen Körper hören und erste Anzeichen ernst nehmen. Und wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist, sollte man auch den Mut haben, Hilfe anzunehmen.“ Denn die gebe es. „Eigentlich geht mein Mann regelmäßig zum Sport, aber durch Corona ist das seit einem Jahr nicht mehr möglich. Das macht sich schon bemerkbar.“ Auch nehmen sie einen Pflegedienst in Anspruch. Hausarzt und Neurologe kontrollieren regelmäßig den Gesundheitszustand. „Letzterer misst dann zum Beispiel die Leitfähigkeit der Armnerven“, so Werner Ahrberg.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist das Ehepaar zudem in einer Parkinson-Selbsthilfe-Gruppe. „Wir können uns austauschen, es gibt regelmäßig Fachvorträge und gemeinsame Ausflüge. Über eigene Erfahrungen, auch wo man welche Hilfen bekommen kann, zu sprechen, hilft sehr. Abgesehen davon, dass man auch mal etwas anderes sieht“, sagt der 76-Jährige. Auch wenn das coronabedingt natürlich gerade nicht möglich sei. Seiner Frau tut der Austausch mit anderen Angehörigen ebenfalls gut. „Vor allen Dingen kann man einfach so sein, wie man ist. Man handelt sich keine skeptischen Blicke ein, wenn mal beim Essen etwas daneben geht“, wirbt sie gleichzeitig für mehr Verständnis von anderen.

Trotz aller Einschränkungen blicken die beiden positiv nach vorne. „Das Leben mit Parkinson ist mittlerweile zur Normalität für uns geworden, man muss es einfach akzeptieren, denn eine Heilung ist aktuell nicht möglich. Aber man kann mit der Erkrankung alt werden. Es gilt nur, den Kopf oben zu halten“, macht sie anderen Betroffenen Mut.

7 Kontakt zur Selbsthilfegruppe: | www.duelmen.parkinson-vereinigung.de

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