Wirtschaftsbetriebe kontrollieren häuslichen Bioabfall
Falsch sortierte Tonnen bleiben stehen

Coesfeld. Es ist der Klassiker, der sich am Mittwochmorgen in einigen Biotonnen befindet, dort aber nicht hinein gehört: Plastiktüten in allen Variationen. „Seit rund einem Jahr kontrollieren wir den Bioabfall im Kreis, heute zum ersten Mal in Coesfeld“, so Projektleiterin Ursula Kleine Vorholt von den Wirtschaftsbetrieben des Kreises Coesfeld. Und die Tonnen mit dem Plastikmüll bleiben stehen. „Unsere Kontrolleure bringen dann einen roten Anhänger an, auf dem steht, was genau zum Bioabfall gehört. Sie drehen die Tonnen noch um, damit die Fahrer sehen, welche sie mitnehmen können und welche nicht.“ Die Bilanz des Tages: Von 562 kontrollierten Biotonnen wurden 46 nicht abgeholt. „Das entspricht dem Durchschnitt aus anderen Gemeinden im Kreis“, so die Diplom-Ingenieurin.

Donnerstag, 15.04.2021, 06:02 Uhr
Wirtschaftsbetriebe kontrollieren häuslichen Bioabfall: Falsch sortierte Tonnen bleiben stehen
Die beiden Kontrolleure der Wirtschaftsbetriebe haben am Mittwochmorgen die Biotonnen im Stadtgebiet stichprobenartig kontrolliert. 46 von 562 sind wegen falscher Sortierung stehengeblieben. Sie werden entweder bei der nächsten Abfuhr mitgenommen (es gibt Nachkontrollen) oder können vorher kostenpflichtig entsorgt werden. Diese jedoch war jedoch vorbildlich und hat keinen roten Anhänger bekommen. Fotos: jd Foto: az

Apropos Plastiktüten: Auch die sogenannten biologisch abbaubaren würden nicht in den Bioabfall gehören, da der Nachweis der Kompostierbarkeit meist bei Produkten aus „Bioplastik“ unter idealisierten Laborbedingungen erfolge. Diese stimmen häufig nicht mit den realen Bedingungen in den Kompostieranlagen überein, erläutert Ursula Kleine Vorholt. „Ein weiteres Problem ist, dass die Sortieranlagen die „kompostierbaren“ von den herkömmlichen Plastiktüten nicht unterscheiden und alle gleich behandeln. Als Konsequenz wird wertvoller Bioabfall aussortiert.“ Aber gerade auf den käme es an. Er sei ein wertvoller Rohstoff aus dem Bioenergie gewonnen und Kompost hergestellt werde. Mit dem richtigen Sortieren könne so jeder im Kleinen seinen eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten, appelliert sie. „Das ist also etwas, bei dem jeder mithelfen kann.“ Besser seien Papiertüten oder „man kippt den Bioabfall aus der Plastiktüte in die Biotonne und entsorgt die Tüte direkt nebenan im Restmüll.“

Die Kontrollen finden in Zusammenarbeit mit der Stadt und Remondis statt. Stichprobenartig werden Stadtgebiete herausgesucht, in denen dann genauer hingeschaut wird. Mit einem Klemmbrett und Fotoapparat sind die Kontrolleure unterwegs und halten alles fest. „In zwei Wochen, vor der nächsten Bioabfuhr, kontrollieren wir dann noch einmal“, so Ursula Kleine Vorholt. „In anderen Gemeinden hat es bereits Wirkung gezeigt“, freut sie sich. Die „wildesten“ Tonnen seien plötzlich vorbildlich gewesen. „Wir wollen niemanden mit dieser Aktion bestrafen, sondern die Öffentlichkeit sensibilisieren für einen natürlichen Nährstoffkreislauf, der nur mit Hilfe eines störstofffreien Bioabfalls entstehen kann.“ Dazu gehören dann nicht Bobbycars, Teppichböden oder diverse andere elektronische Kleinartikel, die die Kontrolleure schon überall in den Biotonnen entdeckt haben, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Entwicklung über die vergangenen Jahre, in denen es zu immer mehr Fehlwürfen gekommen sei, habe den Ausschlag für die Teilnahme an der Kampagne #wirfuerbio gegeben. Denn: „Alles, was aussortiert wird, kommt in den Restmüll. Und der ist wesentlich teurer zu entsorgen“, nennt sie ein weiteres Argument für die Kontrollen.

Die meisten Personen zeigten Einsicht und ehrliches Interesse am richtigen Sortieren, wenn sie den roten Anhänger an der eigenen Tonne erkennen. Es gelte, immer wieder zu informieren und die Bürger mitzunehmen. „Nur so können wir einen dauerhaften Erfolg erzielen.“ Die Kontrollen werden nun regelmäßig im Stadtgebiet stattfinden, „aber das nächste Mal ohne Ankündigung.“ | www.wirfuerbio.de/ wbc-coesfeld

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