Coesfeld

Coesfeld. Suchtkranken Menschen und ihren Angehörigen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten, das hat sich der Kreuzbund zur Aufgabe gemacht. Der Stadtverband Coesfeld besteht nun seit 50 Jahren. Geschäftsführer ist der Nottulner Hans-Uwe Hahn. Er spricht für den gesamten Vorstand, wenn er erklärt: „Wir kennen die Suchterkrankung aus eigener Erfahrung und wissen, wie wichtig Hilfe ist. Der Kreuzbund hat mich auf dem Weg in ein suchtfreies und zufriedenes Leben begleitet. Deshalb war es mir sehr wichtig, mich in dieser Organisation aktiv einzubringen. Wir sind Weggefährten – wir gehen ein Stück des Weges gemeinsam.“

Donnerstag, 15.04.2021, 11:02 Uhr
Coesfeld:
Hans-Uwe Hahn – im Bild mit der Zeitschrift des Kreuzbundes – ist der Geschäftsführer und auch Ansprechpartner des Kreuzbundes für Suchtkranke und deren Angehörige. Foto: Helmut Brandes

Gegründet worden ist der Stadtverband Coesfeld von Carl-Anton Suwelack und Rudolf Welling im Jahr 1971. Danach führten der in Nottuln bekannte Eberhard Wagner und später Heinz Majewski aus Coesfeld das Amt des Vorsitzenden. Der Amtsvorgänger von Hans-Uwe Hahn war Paul Hübers, jahrzehntelang dem Kreuzbund als Geschäftsführer verbunden. Mit einer Gruppe gestartet, zählt der Stadtverband mittlerweile neun Gruppen im Stadtgebiet Coesfeld und Nottuln.

Suchtkranken und Angehörigen werden umfangreiche Hilfen angeboten. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Selbsthilfegruppen. Deren Mitglieder sehen sich als „Weggefährten“. Sie führt ein gemeinsames Problem zusammen. Ziel ist es, eine persönliche Stabilität zu erreichen für ein gesundes und zufriedenes Leben ohne Suchtmittel.

„Die Selbsthilfegruppen sind sehr wichtig im Nachgang zur ambulanten oder stationären Therapie, fast eine Garantie, um ein abstinentes Leben zu führen“, erklärte der ehemalige Suchtberater der Caritas, Norbert Hiller, im Interview.

„Dem Kreuzbund ist es wichtig, dass auch Angehörige nicht allein gelassen werden. Sie können auch dann teilnehmen, wenn der Kranke, aus welchen Gründen auch immer, selbst nicht mehr an der Gruppe teilnimmt. Dabei ist Anonymität immer gewährleistet,“ ist Hans-Uwe Hahn wichtig. Und: „Neben Alkohol und Medikamenten kommt auch zunehmend die Spielsucht zum Tragen.“

In der Regel nehmen Angehörige Kontakt zu ihm auf. „Sie sind oft verzweifelt“, erzählt Hahn. Er bietet sofort ein Einzelgespräch an und vermittelt den Kontakt zur Suchtberatung, Therapieberatung und für individuelle Hilfeleistungen. „Ich begleite die Menschen bis zur Aufnahme in eine Klinik. Allein im letzten Jahr war ich etliche Male in Dülmen, habe sie aber auch in andere Kliniken begleitet. Wenn nötig, mache ich auch Besuche, wir bleiben in Verbindung.“ Die Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort und den Kliniken sei engmaschig, erklärt Hahn. Unter anderem hat der Kreuzbund gemeinsam mit der Awo und der Caritas Fortbildungen für Ärzte und Pflegepersonal organisiert.

Natürlich hat das Corona-Virus Auswirkungen auf die Arbeit des Kreuzbundes. Gruppensitzungen finden zurzeit nicht statt. Die Gruppen versuchen, über WhatsApp und Telefon den Kontakt aufrecht zu erhalten. „Weihnachten habe ich zum Beispiel jeden Weggefährten persönlich besucht. Aber die regelmäßigen Treffen fehlen, da sind Rückfälle leider häufig“, weiß Hans-Uwe Hahn. Der Vorstand hofft sehr, dass es bald möglich wird, zumindest die Gruppenarbeit wieder aufnehmen zu können. „Denn das ist der Kern unserer Arbeit.“

„Leider konnte eine Jubiläumsfeier nicht stattfinden“, so Hans-Uwe Hahn. Er dankte allen Unterstützern: Caritas, Awo, Kreis Coesfeld, Stadt Coesfeld, Krankenkassen und Ärzten.

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