Baubetriebshofleiter Theo Reckert geht in den Ruhestand
„Spielplätze waren eine Herzensangelegenheit“

Coesfeld. 34 Jahre im Dienste der Stadt Coesfeld, 34 Jahre Dienst an ihren Bürgerinnen und Bürgern – Theo Reckert musste häufig früh aufstehen, um mit seinem Team beim Winterdienst für freie Straße zu sorgen und war im Krisenfall auch schon mal bis spät abends im Einsatz. Nun hat der 65-jährige Leiter des Baubetriebshofs seine letzte Schicht angetreten. Über mehr als drei Jahrzehnte am Bauhof zieht der gelernte Ingenieur im Gespräch mit Redakteur Florian Schütte ein Fazit und verrät, warum er an seinem ersten Tag doch ziemlich schockiert war.

Sonntag, 02.05.2021, 09:50 Uhr
Baubetriebshofleiter Theo Reckert geht in den Ruhestand: „Spielplätze waren eine Herzensangelegenheit“
Nach 34 Jahren als Leiter des Baubetriebshofs in Coesfeld geht Theo Reckert zum heutigen Tag in den Ruhestand. Foto: Florian Schütte

Der erste Tag im Ruhestand und dann noch ein Feiertag. Es könnte so schön sein, wenn Corona nicht wäre…

Theo Reckert: Ja, es fällt mir schon schwer, mich so zu verabschieden. Sonst hätte es sicher eine schöne Feier gegeben. So hat man das Gefühl, dass am Ende etwas fehlt.

Können Sie sich denn noch an Ihren ersten Tag als Baubetriebshofleiter erinnern?

Reckert: Ja (lacht). Ich komme aus Emsdetten und kannte Coesfeld vorher nicht. Da war ich ziemlich erschrocken über den Zustand des Bauhofs. Der befand sich damals noch am Oldendorper Weg und schien irgendwo in den 50er-Jahren stehen geblieben zu sein. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das lag aber nicht an Coesfeld, sondern war zur damaligen Zeit vielerorts so.

Sie mussten also erst mal aufräumen?

Reckert: Ich habe erstmal tief durchgeatmet – und bin am nächsten Tag freiwillig wiedergekommen. Denn die Perspektive war: Es wird besser. Damals waren die ersten Hallen am heutigen Standort schon im Bau und 1988/89 haben wir bereits mit dem Umzug begonnen.

Was hat sich denn im Laufe der Jahre verändert?

Reckert: Die ganze Stadt hat sich in den letzten 30 Jahren weiterentwickelt. Viele neue Baugebiete wurden erschlossen, bebaut und begrünt. Es entstanden neue Sportanlagen und Spielplätze. Die Pflege dieser Flächen wurde dem Baubetriebshof übertragen. Der Einsatz von Herbiziden bei der Pflege von Grünflächen und Verkehrsanlagen wurde komplett eingestellt. Die technische und personelle Ausstattung des Betriebes wurde in der Zeit deutlich verbessert. Zu Beginn meiner Dienstzeit mussten meine Kollegen noch mit Handwagen und Fahrrädern zu den Einsatzorten. Das war damals schon nicht mehr tragbar und überhaupt nicht wirtschaftlich. Vieles konnten wir in den Jahren verbessern. Was aber bis zum heutigen Tage geblieben ist, ist die deutlich zu geringe Ausstattung des Baubetriebshofs mit Personal. Unsere Mitarbeiterstärke wurde nicht den wachsenden Aufgaben angepasst.

Viele denken beim Baubetriebshof immer nur an den Winterdienst. Skizzieren Sie doch mal die anderen Aufgabenbereiche des Baubetriebshofs im Jahresverlauf.

Reckert: Besonders in den Wintermonaten werden Gehölzrückschnitte und Baumpflegemaßnahmen durchgeführt – sowohl innerorts als auch an den Wirtschaftswegen. Sobald es die Witterung zulässt, erfolgen Unterhaltungsarbeiten an den Grünflächen, Straßen und Wegen ganzjährig. Sportplätze und Kinderspielplätze sind zu unterhalten, Geräte zu erneuern. Die Spielplätze gut in Schuss zu halten, war immer eine Herzensangelegenheit. Der Friedhof in Lette wird von uns unterhalten – einschließlich der Bestattungen. Zwei Mitarbeiter sind ganzjährig mit der Unterhaltung der städtischen Gebäude beschäftigt. Die Parkautomaten werden vom Bauhof betreut. Die Liste ist lang.

Darauf stehen auch Ersatzanpflanzungen. Bäume fällen, Bäume pflanzen: Was überwiegt in Coesfeld?

Reckert: Wir pflanzen jedes Jahr 150 bis 200 Bäume, also deutlich mehr als wir fällen. Innerorts sind hierfür oft aufwendig die Baumstandorte vorzubereiten. Vielen ist meist nicht klar, dass ein Baum ebenso viel Wurzel- wie Kronenbereich benötigt.

Seit einigen Jahren haben Sie sich energisch für die Begrünung von Wirtschaftswegen eingesetzt. Hat dies das Verhältnis zwischen dem Baubetriebshof und den Landwirten nachhaltig geprägt?

Reckert: Unser Verhältnis zu einigen Landwirten war hierdurch sicher nicht immer unbelastet. Wir haben die Baumpflanzungen aber nur auf öffentlichen Wegeflächen durchgeführt und den Landwirten somit keine Ackerflächen abgenommen – wenn diese mitunter auch zuvor von den Anliegern bewirtschaftet wurden.

Ein Problem im Innen- wie im Außenbereich war vor allem in den vergangenen Jahren der Eichenprozessionsspinner. Der hat Sie ganz schön auf Trab gehalten, was?

Reckert: Die Raupen sind lästig und gefährlich, keine Frage. Ich glaube aber, dass die Natur das Problem weitestgehend selber regeln kann und wird. Von einer chemischen Bekämpfung halte ich nicht viel. Nach meiner Überzeugung werden hierbei auch andere Insekten und die Gegenspieler der Raupen geschädigt. An sensiblen Standorten wie Spielplätzen, Kindergärten, Schulen, Sportanlagen etc. werden wir die Insekten aber weiter entfernen müssen. Hier haben wir uns für eine mechanisch-thermische Bekämpfung entschieden. Insgesamt werden wir uns wohl mit dem Insekt arrangieren und leben müssen.

Als Leiter des Bauhofs müssen Sie das Wetter immer im Blick behalten. Welche klimatischen Veränderungen haben Sie ganz konkret über die Jahre festgestellt?

Reckert: Bei den Wintern gab es immer Schwankungen. Daran würde ich das nicht festmachen. Ganz deutlich wird dieses Problem aber bei der Hitze und der Trockenheit in den Sommern. Da hatten wir bei den Buchen große Verluste und auch für die Kollegen waren die hohen Temperaturen sehr hart.

In Ihrer Position waren Sie hin und wieder auch als Krisenmanager gefragt. Welches Ereignis kommt Ihnen direkt in den Sinn, wenn Sie das Wort Krisenmanagement hören?

Reckert: Während meiner Dienstzeit hatten wir im Schnitt alle zwei Jahre ein besonderes Naturereignis – Sturm, Schnee oder Hochwasser. In den letzten Jahren sogar noch häufiger. Herausragend waren natürlich das Schneechaos 2005 und der Orkan Kyrill 2007. In diesen Situationen war der Baubetriebshof gemeinsam mit der Feuerwehr, dem THW, den Stadtwerken und anderen Hilfskräften sehr gefordert, häufig bis an die Leistungsgrenzen und darüber hinaus. Diese Krisen ließen sich nur gemeinsam bewältigen. Ich denke, wir haben das immer sehr gut hinbekommen.

Was nehmen Sie aus dem Berufsleben mit in den Ruhestand?

Reckert: Ich freue mich, wenn ich durch die Stadt und die Bauerschaften fahre und die Bäume wachsen sehe, die wir gepflanzt haben. Denn Bäume sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je.

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