Gesundheitsforum
Hämorrhoiden sind keine „Krankheit“

Coesfeld. Die Christophorus-Kliniken bieten im Rahmen des Gesundheitsforums einen Vortrag zu dem Thema „Kann man Hämorrhoiden aussitzen? Erkrankungen des Enddarmbereichs“ an. Referent ist Dr. Thomas Roßmüller, Oberarzt der Chirurgischen Klinik 1 (Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Proktologie). Dr. Roßmüller ist Facharzt für Proktologie – ein medizinisches Teilgebiet, das sich speziell mit den Erkrankungen des Enddarms beschäftigt. Der Vortrag findet am Mittwoch (30. 10.) um 19 Uhr im Vortragsraum der Christophorus-Kliniken am Südring 41 statt. Der Raum befindet sich in Haus E – rechts vor dem Krankenhaus. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach unser Redakteur Hans-Jürgen Barisch mit dem Referenten.

Montag, 28.10.2019, 15:10 Uhr
Gesundheitsforum: Hämorrhoiden sind keine „Krankheit“
Dr. Thomas Roßmüller Foto: az

Was versteht man genau unter Hämorrhoiden und wodurch entstehen sie?

Dr. Roßmüller: Hämorrhoiden sind zunächst keine „Krankheit“, sondern natürlicherweise bestehende Blutgefäßpolster am Übergang vom Analkanal zum Mastdarm, sie tragen sogar zu einem gewissen Teil zur Stuhlkontinenz bei. Wenn diese Gefäßpolster sich vergrößern, kann es zu Blutungen, Jucken, Schmerzen und hygienischen Problemen kommen. Die Entstehung ist nicht eindeutig geklärt, jedoch scheinen Ernährung, Stuhlverhalten und das Bindegewebe eine Rolle zu spielen. Man unterscheidet hier vier „Grade“. Bei erstgradigen Veränderungen sind diese nur bei der Untersuchung (Proktoskopie) vergrößert sichtbar, viertgradige Hämorrhoiden treten dauerhaft vor den Analkanal. Die gleichen Symptome treten aber auch bei anderen Erkrankungen an Mastdarm und Analkanal auf. Diese können „harmlos“ sein, wie zum Beispiel Analfissure. Es kann aber auch eine Tumorerkrankung „dahinterstecken“. Deshalb ist insbesondere bei Blutungen eine Untersuchung anzuraten.

Wie kann man sie behandeln?

Dr. Roßmüller: Im Vordergrund stehen zunächst Allgemeinmaßnahmen wie die Stuhlregulierung auf eine geschmeidige Konsistenz und eine schonende Analhygiene (besser abduschen als zu viel wischen). Bei Blutungen kann (nach Ausschluss anderer Blutungsquellen, zum Beispiel durch eine Darmspiegelung) eine Verödungsbehandlung oder eine sogenannte Gummibandligatur erfolgen. Dies ist häufig beim Gastroenterologen oder auch beim niedergelassenen Proktologen, manchmal sogar beim Hausarzt möglich.

Gehört auch die Operation dazu?

Dr. Roßmüller: Bei „höhergradigen“ Befunden ist je nach „Leidensdruck“ eher ein operatives Vorgehen anzuraten. Hier stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die je nach Ausprägung der Veränderungen zum Einsatz kommen. Hier wäre zunächst das „minimalinvasive“ Laserverfahren zu nennen, das insbesondere mit wenig Schmerzen verbunden ist. Fortgeschrittene Befunde können gut mit dem sogenannten Klammernahtverfahren angegangen werden, das seit den späten 90er-Jahren etabliert ist. Kleinere Befunde eignen sich für eine einfache Ausschneidung („klassische“ Operation nach Milligan-Morgan).

Ist damit das „Problem“ endgültig aus der Welt geschafft?

Dr. Roßmüller: In der Regel führt eine Operation zu einer langfristigen Besserung. Gleichzeitig müssen aber auslösende Faktoren wie beispielsweise eine „Verstopfungsneigung“ dauerhaft weiterbehandelt werden.

Kann man selbst vorbeugend etwas tun?

Dr. Roßmüller: Hier sind die, bereits in Frage 2, ausgeführten Allgemeinmaßnahmen zu nennen. Darüber hinaus ist eine ausgewogene Ernährung mit vermehrter Ballaststoffaufnahme und ausreichender Trinkmenge anzuraten. Viel Bewegung und eine geregelter Tagesablauf sind ebenfalls hilfreich.

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