„Urbanmaker“ nutzt 3D-Technik / Immer fortschrittlicher / Eigener Store und Showroom in Münster
Körper(-teile) aus dem Drucker

münster. Vielleicht ist das die Zukunft von morgen? Nein, nicht vielleicht, sondern ziemlich sicher. „Wöchentlich gibt es Fortschritte“, sagt Max Tönnemann. Er ist zusammen mit Juri Boos Geschäftsführer von Urbanmaker. Die beiden haben sich im Studium kennengelernt und es bis heute weit gebracht: Die jungen Männer haben vor einem Jahr einen eigenen Store und Showroom in Münster eröffnet. „Damit möchten wir den Menschen den 3D-Druck einfach näherbringen“, sagt Juri.

Samstag, 15.10.2016, 11:32 Uhr

„Urbanmaker“ nutzt 3D-Technik / Immer fortschrittlicher / Eigener Store und Showroom in Münster : Körper(-teile) aus dem Drucker
Stillhalten angesagt: Vier Minuten lang müssen die Kunden zum Einscannen ruhig stehenbleiben, wenn sie sich später selbst als Figur in den Händen halten möchten. Foto: az

„Die Entwicklung schreitet rasant voran, gerade weil erst vor ein paar Jahren wichtige Schlüsselpatente ausgelaufen sind und sich die Technik somit einem breitem Publikum öffnen konnte“, sagt Juri, der in Coesfeld aufgewachsen ist.

In den Niederlanden oder den USA beispielsweise, sagt er, wäre der 3D-Druck schon eine gängige Methode, um allerlei Gegenstände herzustellen. Die Berührungsängste möchten die beiden den Menschen nehmen: „Hier können sie die Herstellung hautnah erleben und die fertigen Teile anfassen“, erzählt Max.

Im Showroom werde dafür das typische FFF-Druckverfahren angewendet. Max erklärt simpel, wie es funktioniert: „Zuerst wird eine bunte Kunststoffrolle in den Drucker eingelegt. Durch ein Röhrchen wird die Schnur bis ins ,Hot-End’ gezogen.“ Dieses Ende werde – abhängig von dem Material – um die 200 Grad heiß. „Die Masse hat dann eine ähnlich zähflüssige Konsistenz wie Honig. Das Ende mit der Masse kann sich über zwei Schienen flexibel bewegen und so jede Stelle auf der Druckplatte erreichen“, erklärt Max Tönnemann. Langsam wächst so Schicht für Schicht ein Produkt von unten nach oben. Durch zwei Ventilatoren an der Seite des Kopfes kühlt es relativ schnell wieder ab und wird hart. Schon nach kurzer Zeit ist das gewünschte Produkt geboren.

Die Vorlagen werden entweder in einer Datei am Computer erstellt oder ein schon vorhandenes Produkt wird eingescannt. Das geht dann natürlich wesentlich schneller. Anschließend noch kurz nachbearbeiten und schon kann der Druck beginnen. „Ein Kunde kam eines Tages mit einer kleinen, kaputten Abdeckung aus seinem Oldtimer“, erzählt Max. Dieses Produkt wird so nicht mehr hergestellt. „Wir haben sofort gesehen, was kaputt war, das Produkt eingescannt und in heile wieder ausgedruckt.“ Oder einmal haben sie auch für eine ganz alte Küche neue Henkel für Schubladen gedruckt.

„Der Umweltgedanke und die Nachhaltigkeit klingen natürlich auch mit. Es wird bei solchen Produkten ja immer nur das hergestellt, was gebraucht wird“, nennt Max eine weitere positive Eigenschaft des 3D-Drucks.

Neben Knochen, dem Kölner Dom, dem Colosseum und vielen weiteren Gegenständen können die beiden sogar Menschen drucken. Zumindest als Modell in bis zu 30 Zentimetern Größe. Dafür läuft Max mehrere Male mit einem Tablet samt Adapter um die Person herum, die vier Minuten lang stillhalten muss. Nach kurzer Verarbeitung sieht man sich dann selbst als Figur auf dem Tablet, es sieht aus, als wäre man ein Avatar. Die Feinheiten werden noch etwas bearbeitet und anschließend kann der Druck beginnen. Bis man sich dann selber in die Hand nehmen kann, dauert es um die sechs Stunden, denn so lange benötigt der Drucker für einen einfarbigen Menschen – hergestellt aus Kunststoff.

Es gibt sehr viele verschiedene Druckverfahren, die in fünf Kategorien eingeteilt werden können. Auch in der Medizin werden einige davon angewendet. Mit dessen Hilfe werden Implantate angefertigt oder vor einer schweren OP ein Modell zur Veranschaulichung hergestellt.

Max und Juri entwickeln aber auch eigene Produkte, zum Beispiel Lampen oder Gadgets für den Alltag, welche sie mit Designstudenten der FH Münster zusammen entwickeln.

Neben dem eigentlichen Drucken klären die jungen Männer auch über die Techniken und Verfahren auf. Sie geben Vorträge, machen Schulungen, veranstalten Seminare zu dem Thema. „Dadurch sollen die Interessierten die vielfältigen Möglichkeiten des Druckes erfahren“, sagt Max.

„Die Idee von Urbanmaker ist, dass die Kunden mit ihren Wünschen und Ideen zu uns kommen können und wir zusammen überlegen, wie wir diese verwirklichen können“, erzählt Juri. So sind sie Ansprechpartner für Privat- und Geschäftskunden, die schnell und unkompliziert die Vorteile der 3D-Drucktechnik in ihrem Unternehmen nutzen möchten.

Dass der 3D-Druck ständig im Wandel ist, zeigt sich besonders in den USA: „Vor einigen Monaten wurde dort sogar mit Glas gedruckt“, berichtet Juri. Vielleicht geht das demnächst in Münster auch schon.

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