Die Junge Szene war bei den Mud Masters in Weeze am Start
Durch Matsch und Eiswasser bis zum Endgegner

Der Puls rast. Der Blick fällt über den Rand der Plattform drei Meter in die Tiefe. Jemand nebenan zählt einen Countdown runter, die Hand über einem Button schwebend. Der Adrenalinspiegel steigt weiter. Für einen Rückzieher bleibt keine Zeit mehr. „Drei, zwei, eins!“ Plötzlich wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Nach dem freien Fall folgt ein Tauchgang ins kalte Schlammwasser. Willkommen bei den Mud Masters!

Donnerstag, 03.10.2019, 16:00 Uhr
Die Junge Szene war bei den Mud Masters in Weeze am Start: Durch Matsch und Eiswasser bis zum Endgegner
Ab durch die Mitte: Um von den Strombändern nicht übermäßig malträtiert zu werden, robbt sich Junge-Szene-Redakteur Florian Schütte möglichst schnell durch den Schlamm. Der hohe Adrenalinspiegel tut sein Übriges. Foto: Mud Masters

Worauf wir uns da eingelassen haben? Diese Frage stellen wir uns nicht nur einmal bei diesem Survival Run über 18 Kilometer und 42 Hindernisse – über Bunker, durch Wälder und entlang der Start- und Landebahn am Flughafen Weeze. Für alle, die Höhe, Enge, Wasser, Dreck und körperliche Anstrengung nicht scheuen, verspricht das Event eine Grenzerfahrung, aber gleichzeitig auch einen Heiden-Spaß. Denn die Mud Masters zu überstehen, ist eine Teamleistung. Und unser Team – Dirk, Leo, Kerstin, Niko, Simon und Flo – ist bereit. Das Schmankerl am Rande: Bis auf Dirk ist jeder von uns bislang kaum mehr als zehn Kilometer am Stück gelaufen, geschweige denn schon mal bei den Mud Masters dabei gewesen. Egal – motiviert geht es an den Start!

Nach lockerem Einlaufen lässt das erste Hindernis nicht lange auf sich warten. Kriechend geht es unter einem Netz her durch den Matsch. Der feuchte Schlamm zieht direkt an Unterarmen und Knien durch die Thermowäsche. Weiter geht es im Sprung über mehrere Autoreifen an einer Stange („Tyre Horden“) und an einer Hangelvorrichtung („Monkey Bars“) über ein Wasserbecken hinweg. Nun gilt es, zwei hohe Wände zu überwinden. Die erste ist mit einem Hochsprung und anschließendem Kraftakt noch machbar. Die zweite erfordert dann den Einsatz der klassischen Räuberleiter, während die ersten – oben angekommen – beim Hochziehen helfen. Weiter geht es durch eine Sandgrube, die dem Coesfelder Kalki ähnelt, und die Treppen rauf bis zum „Flyer“. „Achtung, fertig, los!“, schallt das Kommando zu uns rüber. Und sofort rauschen wir über die Wasserrutsche mit einem Affenzahn nach unten – wieder den Adrenalinspiegel am Anschlag. In flacher Flugbahn fliegen wir rücklings ins Wasserbecken. Nach kurzem Aufschlag dringt das kalte Wasser sofort bis zu jeder Pore durch. Vorbei mit trocken. Aber Spaß ohne Ende! Laut lachend ziehen wir uns aus dem Becken. Nur keine Müdigkeit vortäuschen. Kurzer Blick in die Runde. „Alle wieder am Start? Dann weiter!“

Beim Joggen hat die Thermowäsche fast den Effekt eines Neoprenanzugs und schnell ist einem wieder warm. Doch das nächste feucht-fröhliche Hindernis ist schon in Sicht. Über den „Slipstream“ rutschen wir mit Anlauf – diesmal bäuchlings – bis zum Ende. Klatschnass wartet nun der „Sizzler“. Über schlammigem Boden hängen Strombänder, die bei jeder Berührung einen kleinen Schlag abgeben – wie bei einem Weidezaun. Die „Pussy Lane“ ohne Strom nebenan ist aber keine Option! Also Augen zu und durch. Vollgetankt mit Adrenalin ist kaum ein Schlag zu spüren. Wer es mit Vorsicht versucht, den erwischt es meistens. Auf Schlamm folgt wieder Wasser. „Capsize“ heißt die nächste Übung – ein drehbarer Quader, an den sich die einen dranhängen, während ihn die anderen umkippen – Köpper in schlammdurchtränktes Wasser.

Dass dies durchaus noch kälter sein kann, lehrt uns das Hindernis „Brain Freeze“, ein Becken mit hüfthohem Eiswasser gefüllt. Bei den „Neverending Monkey Bars“ – Hangeln über 24 Meter – müssen wir uns erstmals geschlagen geben. Die Holzstangen sind nass, die Hände schlammverschmiert, nach zwölf Metern einmal abgerutscht: vorbei! Egal. Der Weg führt uns nun durch das alte Militärgelände: Bunker rauf, Bunker runter und weiter durch den Wald. Ein bisschen so, als würde man durch die Filmkulisse von Inglourious Basterds rennen. Und immer wieder durch Matsch robben, Wände, Netze und Reifenstapel überwinden, durch geflutete Röhren kriechen und mit Sandsäcken auf den Schultern einen Parcours ablaufen – wie bei der Bundeswehr. Apropos: Die ist übrigens auch mit einer Abordnung vertreten, gibt sich aber genauso wie die Polizei NRW mit der Zwölf-Kilometer-Strecke zufrieden...

Als ein rund vier Meter langes Seil von uns verlangt, uns hochzuziehen und eine Glocke zu klingeln, kommt eine nicht ganz ernst gemeinte Kritik. „Außer dem Treckerreifen-Umwerfen war für mich bis jetzt noch nix dabei“, meint hinter uns ein Typ wie Hulk im Kompaktformat. Schon interessant, wie unterschiedlich die Leute sind, die sich den Mud Masters stellen: Pumper, Läufer, aber auch völlig untrainierte bei einem Teambuilding-Event und sogar Familien.

Zwölf Kilometer sind geschafft. „Wäre doch ein bisschen lame, wenn’s jetzt schon vorbei wäre“, motiviert Dirk uns weiter. Recht hat er! Der Wille ist noch da und die Kondition auch. Noch zwölf Hindernisse. In einer Röhre dann ein kleiner Rückschlag. Mit dem Knie voll auf einen Stein aufgesetzt. Autsch! Jetzt Zähne zusammenbeißen. Nur noch zweieinhalb Kilometer. Das nächste Schlammbecken bietet eine Möglichkeit zum Kühlen. So geht’s. Währenddessen haben Simon und Niko mit Wadenkrämpfen zu kämpfen. Allmählich wird es zäh, aber das Ziel ist nah. Noch durch die Kletteranlage „Monkey Cage“ und da ist sie auch schon: die Great Wall – bekannt aus der TV-Show Ninja Warrior Germany. Unser Endgegner. Beherzt Anlauf nehmen, Sprung an die Leiste am oberen Ende und in einem letzten Kraftakt nach oben ziehen. Ein unvergleichliches Endorphin-Feuerwerk, dort oben zu stehen und zu wissen, die bislang größte sportliche Herausforderung des Lebens gemeistert zu haben. Als alle oben angekommen sind, ist der Zieleinlauf als Team nach knapp vier Stunden fast nur noch Formsache. Überall lachende Gesichter, die die Gewissheit ausstrahlen: nächstes Jahr wieder!

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