Auf der Suche nach Blühstreifen: Bis Ende 2020 ist die Hälfte des Kreises kartiert
„Die Vielfalt ist sehr mager“

Darup. Der Rentner schreibt auf die Haftnotiz „Börger“ und klebt sie auf einen weißen Flecken der Landkarte des Kreises Coesfeld. Sein Wohnort ist von dem Untersuchungsgebiet im Bereich der ehemaligen Kaserne nur unweit entfernt und für ihn mit dem Rad gut erreichbar. „Meine Frau hat ein Faible für die Botanik“, erzählt Heinrich Börger. Der Funke ist auf ihn übergesprungen. Jetzt will der Letteraner seine Radtouren nutzen, um die Landschaft genauer zu erkunden. Er engagiert sich als ehrenamtlicher Kartierer bei dem Langzeitprojekt „Vielfalt am Wegesrand – Kreis Coesfeld blüht auf“ vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld (NZ).

Donnerstag, 13.02.2020, 11:20 Uhr
Auf der Suche nach Blühstreifen: Bis Ende 2020 ist die Hälfte des Kreises kartiert: „Die Vielfalt ist sehr mager“
Der Havixbecker Heinz Höhnerhaus (l.) und Heinrich Börger aus Lette (r.) wollen gerne als ehrenamtliche Kartierer dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld unter die Arme greifen und informieren sich bei der Landschaftsökologin Corinna Becke über das Aufgabenspektrum. Foto: Hartmut Levermann

Zwei weitere Interessenten fanden an dem ungemütlichen Dienstagabend den Weg zum Alten Hof Schoppmann, dem Domizil des Initiators der Aktion. Corinna Becke erläutert die Ziele. Es geht um den Erhalt der genetischen Variabilität (Varianz) in der heimischen Region. Von Samentütchen hält die Landschaftsökologin vom NZ nichts: „Es sind meistens nicht die Arten enthalten, die hier vorkommen.“ Sie setzt auf die Samenbank vor der Haustür. Die Säume rechts und links der Wege, mit ihrem natürlichen Lebensraum für unterschiedliche Insektenarten, können ein ordentliches Potential beherbergen.

Seit 2016 ist das NZ im gesamten Kreis Coesfeld auf der Suche nach wertvollen Wildblumenstreifen, um daraus „Impfstoff“ für artenärmere Standorte zu gewinnen. Die Hälfte vom Kreis sei eventuell bis Ende dieses Jahres begutachtet, rechnet Becke. Der Schwerpunkt liegt derzeit noch im Nordkreis. „Leider ist die Vielfalt an den bisher untersuchten Standorten sehr mager“, bilanziert die Mitarbeiterin vom NZ. Die Ursachen: Zu viel Nährstoffe, die hohe Pflanzenarten, wie Brennnessel, im Wachstum begünstigt und so seltene Wildblumen verdrängt.

Die Situation der Standorte verschlechtert sich auch durch unsachgemäße Pflege. Deshalb kooperieren die Natur- und Landschaftsschützer mit den Bauhöfen der Städte und Gemeinden, sprechen mit Anliegern der Flächen, um das Verständnis für die bunte Vielfalt zu wecken. In Billerbeck gibt es seit 2019 die Wegrandpatenschaft.

Neben diesem Zusammenspiel mit verschiedenen Akteuren braucht es Daten über den Pflanzenbestand. Den vollständig zu erfassen, wäre für das NZ alleine nicht leistbar. Deshalb setzten sie auf die ehrenamtliche Unterstützung. Rund 20 Kartierhelfer sind bereits unterwegs und blicken in ihrer Freizeit genauer in die Wegränder. Spezielles Fachwissen ist nicht erforderlich. Intuitiv handhabbare Bestimmungsliteratur wird vom NZ überreicht und eine kurze Schulung räumt Unsicherheiten beiseite.

Der zweite Interessent an diesem Abend, Heinz Höhnerhaus, kann sich gut mit dem Gedanken anfreunden, Block und Stift mit ins Gelände zu nehmen. Als Jäger ist er viel in der Landschaft unterwegs und könnte helfen, wertvolle Blühstreifen zu finden.

7 Interessenten können sich bei Corinna Becke, Tel.: 02502/9014384, oder unter www.naturschutzzentrum-coesfeld.de informieren.

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