Genau heute vor 40 Jahren krachte ein Lkw in ein Haus in Darup
Hochzeit mit Hindernissen wie in Hollywood

Darup. An den Tag ihrer standesamtlichen Hochzeit können sich Beate und Hubert Lütke Volksbeck aus Darup noch gut erinnern. Und das, obwohl die Trauung selbst fast zur Nebensache geriet und dem jungen Ehepaar mehrere Steine in den Weg gelegt wurden – oder besser gesagt: Kartoffeln. Was war passiert?

Samstag, 29.02.2020, 17:16 Uhr
Genau heute vor 40 Jahren krachte ein Lkw in ein Haus in Darup: Hochzeit mit Hindernissen wie in Hollywood
Mit einer Aufnahme des völlig zerstörten Elternhauses ihrer Mutter in der Hand steht Beate Lütke Volksbeck zusammen mit ihrem Mann Hubert vor dem Haus, in das genau heute vor 40 Jahren ein niederländischer Kartoffel-Laster gekracht ist. Foto: Florian Schütte

Es geschah genau heute vor 40 Jahren am 29. Februar 1980. Um 1 Uhr nachts rauschte ein mit Kartoffeln beladener niederländischer Lkw über den Daruper Berg in den Ortskern. „Nach Zeugenaussagen wurde er immer schneller, obwohl die Bremslichter angingen“, berichtet Hubert Lütke Volksbeck von dem offensichtlichen technischen Defekt des Lasters. Dann passierte es. In der Kurve an der Kirche krachte der Lkw in ein Wohnhaus. Er riss den Giebel ein und schleuderte gegen die Wand des Nachbarhauses. Der dort geparkte VW-Bus wurde platt gegen die Wand gedrückt. Eine Straßenlaterne riss der Lkw um und ließ sie wie ein Geschoss im Dach des geschädigten Hauses einschlagen. Rund 25 Tonnen Kartoffeln kullerten quer durchs Dorf.

Ein paar Häuser weiter hörte Beate Lütke Volksbeck den Knall. „Ich wusste direkt, was passiert war“, erinnert sich die damals 20-Jährige. Sofort eilte sie hinüber und fand das Elternhaus ihrer Mutter zur Hälfte in Trümmern liegen. Ein Bett schaukelte an der Kante zum Abgrund im Wind. Unter Schock und Tränen rief sie direkt bei ihrem Verlobten an. „Wenn die Braut mitten in der Nacht weinend anruft – da dachte meine Familie, sie hat es sich doch noch anders überlegt und will die Hochzeit absagen“, meint Hubert Lütke Volksbeck lachend. Natürlich kam er seiner Verlobten und ihrer Familie direkt zur Hilfe.

Dann vor Ort der nächste Schock: Die Tante der Braut in spe, die in dem Haus wohnte, war verschwunden. „Es war wie im Film“, beschreibt Beate Lütke Volksbeck die Szenen. Der Verbleib von Tante Mia klärte sich aber schnell auf. In Nachthemd, mit Haube auf dem Kopf und der Geldkassette aus ihrem Lederwarenladen im Erdgeschoss unterm Arm war die gute Frau zum Nachbarn geflohen, nachdem die Decke ihres Schlafzimmers bedrohlich abgesackt war. Die Nacht verbrachte Hubert Lütke Volksbeck damit, zusammen mit Nachbarn und Freunden Nachtwache vor dem zerstörten Lederwarengeschäft zu schieben. „Das Bier für die Hochzeitsgäste hatte ich ja schon im Auto“, sagt der Landmaschinenbauer – so musste zumindest niemand auf dem Trockenen sitzen. Auch den jungen Lkw-Fahrer, der unter Schock stand, aber ansonsten unverletzt war, holten die Männer zu sich. „Der tat mir total leid“, sagt Beate Lütke Volksbeck.

Die Trauung war zu 10 Uhr anberaumt. Nun gab es jedoch noch ein weiteres Problem: Das Outfit der Braut war im Laden der Tante verschüttet. „Ich musste mir von allen Leute etwas leihen“, blickt die Praxismanagerin zurück. Dann ging es mit den beiden Trauzeugen und einem Fahrer zum Standesamt. Zeremonie – umziehen – und wieder zur Unfallstelle zurück. „Das geplante Abendessen mit der Familie fand dann aber noch statt“, berichtet der damals 22-jährige Bräutigam. „Und die Hauptsache ist, dass kein Mensch zu Schaden kam.“

Dennoch war der Ortskern eine Woche lang gesperrt. „Man kam tagelang nicht durch, weil überall Kartoffeln lagen“, erinnert sich auch Christiane Gottschalk vom Heimatverein Darup. Zudem war das Haus, das heute ein paar Meter kürzer ist, einsturzgefährdet. Nach dem Wiederaufbau wurde es verkauft.

Trotz allem hatte das Brautpaar aber zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, die Hochzeit abzusagen. „Da sind wir hart im Nehmen“, meint Beate Lütke Volksbeck, die heute mit ihrem Mann ganz klein die Rubinhochzeit feiert. Eine größere Feier folgt dann vielleicht noch in Zukunft. Denn: Ein Jahr später hat das Paar auch noch kirchlich geheiratet – diesmal aber ganz ohne Hindernisse.

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