Familie Feismann plant ein Kinderhospiz mit tiergestützten Angeboten auf ihrem Gutshof
Kleine Visionen werden große Realität

Coesfeld/Darup. „Das Tor ist offen“, ruft Carolin Feismann und macht eine freundliche Geste, den Gutshof zu betreten. „Herzlich willkommen“, lächelt sie. Es ist ein herrlich sonniger Nachmittag, mehrere Sitzgruppen laden unter einem Baum zum Verweilen ein. Mit viel Liebe zum Detail ist der kleine Platz, der gleichzeitig Treffpunkt für die elf Hofbewohner ist, dekoriert. Während die wohlig-warmen Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in die Nase steigt, schauen zwei ganz besondere Gäste herüber. Neugierig strecken zwei Kamele ihre Hälse entgegen, um zu schauen, was denn gerade auf dem Hof passiert.

Freitag, 30.04.2021, 16:56 Uhr aktualisiert: 30.04.2021, 17:03 Uhr
Familie Feismann plant ein Kinderhospiz mit tiergestützten Angeboten auf ihrem Gutshof: Kleine Visionen werden große Realität
Alles hat mal klein angefangen – so auch die Idee von Carolin Feismann, ein Kinderhospiz auf ihrem Gutshof zu errichten. Auch Kamele sollen Teil des Konzepts werden. In dieser Woche sind zwei Tiere vom Circus Casselli auf dem Hof – zum „Kamel-Praktikum“, wie Feismann es nennt. Foto: Leon Seyock

Auch wenn unlängst Pferde, Schafe, Hühner und ein Kater zu den tierischen Bewohnern des Hofes gehören – Kamele scheinen dann doch etwas außergewöhnlich. „Eigentlich“, erklärt Carolin Feismann, „gehören die beiden zum Circus Casselli.“ Dieser hat aktuell in Coesfeld seine Zelte aufgeschlagen und die Familie wartet sehnlichst darauf, wieder auftreten zu können (wir berichteten). „Der Zirkus ist durch die Pandemie in große Not geraten und wir möchten dringend darauf aufmerksam machen, dass vor allem finanzielle Hilfe benötigt wird“, so Feismann (siehe Infobox).
Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb sich die flauschigen Kameraden im „Kamel-Praktikum“ befinden, wie Carolin Feismann es humorvoll nennt. Auch wenn die Daruperin jede Menge Fröhlichkeit, Optimismus und Lebensfreude ausstrahlt, ist der Hintergrund doch ein ernster. „Wir planen, auf unserem Gutshof ein tiergestütztes Kinderhospiz zu eröffnen. Dazu möchten wir selbst gerne zwei Kamele halten und lernen jetzt in diesen Tagen vom Circus Casselli, wie das geht“, erläutert Feismann. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: „Keine andere Tierart strahlt so viel Ruhe und Gelassenheit aus.“
Kindern und Jugendlichen mit schweren Krankheiten, Verletzungen oder Behinderungen soll es ab 2023 ermöglicht werden, allein oder mit der ganzen Familie eine Auszeit vom oft schwer zu bewältigenden Alltag zu nehmen. Die Planung sieht zwei vollständig ausgestattete Intensivpflegeplätze vor, in denen die Kinder und Jugendlichen Tag und Nacht intensivmedizinisch und palliativ betreut werden können. Egal, ob es sich um einen Tagesbesuch handelt, eine Urlaubszeit oder ob die Kinder sich Gut Feismann für ihre letzte Reise ausgesucht haben – hier können sie ihren Frieden finden „Es soll ein besonderer Platz für sie werden, die sonst nur das Leben im Krankenhaus mit Rundumbetreuung kennen“, erzählt Feismann von den Ideen, die darauf warten, Realität zu werden. Dazu soll eine Scheune im Norden des Hofes in ein „tiergestütztes Ferienhaus“ umgebaut werden. Aktuell würden dazu die Planungen laufen, Baustart soll im kommenden Jahr sein. Das Ziel: „Wir möchten den Kindern und Jugendlichen einfach eine schöne Zeit machen. Auch sie sollen das Hofleben genießen, sorgenfrei sein und auch mal mit einer Katze auf dem Bauch einschlafen können“, berichtet sie von ihren Visionen. „Und dafür geben wir unser letztes Hemd.“
Die Realisierung des Projektes wird komplett in den Händen der Familie Feismann liegen, so die weiteren Planungen. Auch Menschen, die zur Pflege der Kinder auf den Hof kommen und die mit ihnen und den Familien beispielsweise tiergestützte Therapie oder Trauerbegleitung machen, sollen selbst akquiriert werden. Das Besondere sei, dass es sich dabei neben festem Fachpersonal um Mitarbeiter handelt, die freiwillig und gegen Wohnmöglichkeit und Aufwandsentschädigung auf dem Hof unter die Arme greifen – jeweils für einen individuellen Zeitraum.
Denn ähnliche Erfahrungen hat Carolin Feismann selbst bei der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ gemacht. „Ich habe viel in Kriegsgebieten gearbeitet und auch viel Leid und Tod gesehen. Das ermutigt mich, meine Träume umzusetzen. Das Leben ist keine Generalprobe“, hat sie dadurch gelernt. Und Gleiches gilt für die Vision Kinderhospiz, um schwerkranken Kinder und Jugendlichen schöne Momente bieten zu können. „Denn was sind die letzten glücklichen Tage eines Kindes wert?“, stellt sie eine rhetorische Frage.

Kamele auf Gut Feismann erleben

Am kommenden Samstag (1. 5.) lädt Familie Feismann von 10 bis 13 Uhr auf ihren Gutshof in Darup ein. Dann können die beiden Kamele auf dem Paddock gestreichelt, erlebt und gefüttert werden. „Gleichzeitig erhoffen wir uns, dass wir viele Sach-, Futter- und Geldspenden bekommen, um den Circus Casselli unterstützen zu können“, betont Carolin Feismann. Auch über PayPal ist eine direkte Spende möglich (www.paypal.me/circuscasselli). Zu gleicher Zeit bieten am Samstag auf dem Hof der Familie Feismann lokale Anbieter regionale Lebensmittel zum Außerhaus-Verkauf an.    -lsy-

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