Fünf angehende Erzieherinnen aus den Niederlanden besuchen Kita „Garten Gethsemane“
„Kinder haben hier mehr Freiheit“

Gescher. Ihr Eindruck vom Garten Gethsemane? Da schnellen fünf Daumen in die Höhe. Keine Frage: die Evangelische Kindertagesstätte (Kita) hat fünf junge Besucherinnen aus den Niederlanden beeindruckt. „Die Räume hier sind viel größer als daheim; die Betreuung offener; die Kinder haben mehr Freiheit sich innerhalb der einzelnen Gruppen und Angebote zu bewegen.“ So beschreiben die jungen Niederländerinnen, die gestern einen Tag lang in Geschers „Garten Gethsemane“ hospitierten, einen ersten Eindruck. Sie kamen auf Einladung des Evangelischen Trägerverbandes Tv Kita im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken. Gemeinsam mit 19 weiteren Schülerinnen der Roc Landstede Schule in Zwolle erkundeten die angehenden Erzieherinnen Leben und Lernen in deutschen Kitas der Grenzregion.

Donnerstag, 30.10.2014, 07:50 Uhr

Natürlich steht eine Idee hinter diesen ersten, vorsichtigen Annäherungen unter Nachbarn. Denn die Arbeitplatzsituation für niederländische Erzieherinnen sei zurzeit sehr schlecht. So seien rund 21 000 Arbeitsplätze für Pädagogen im Nachbarland verlorengegangen, weiß Heike Mucha, Leiterin der Kita „Garten Gethsemane“. In NRW und der gesamten Bundesrepublik finde man dagegen die umgekehrte Situation Mucha: „Wir brauchen Fachkräfte, doch der Markt wird immer dünner.“ Laut Bertelsmann fehlten 120 000 Erzieher in deutschen Kitas. Also Arbeitsmarkt frei für Erzieherinnen aus dem Nachbarland? Ganz so weit ist es noch nicht. Doch die „Essenz des Tages“ beschreibt Heike Mucha so: „Wir können viel voneinander lernen.“ Eins hat die Kitaleiterin fast verblüfft: „Da leben wir so dicht beieinander und wissen doch so wenig voneinander.“

Beispielsweise, dass Kinder in den Niederlanden bis zum vierten Lebensjahr in eine Kita gehen können und dann schon in die Schule wechseln. Oder dass viele Familien im Nachbarland – wenn überhaupt – nur wenige Betreuungsstunden in einer Kita buchen, weil oft Großeltern die Betreuung der Enkel übernehmen, oder weil sich Vater und Mutter in den Arbeitszeiten so geschickt abzuwechseln versuchen, dass die Kinderbetreuung durch Kita eingeschränkt werden kann. Hintergrund dafür sind oft finanzielle Erwägungen: „Die Arbeitslosigkeit daheim ist groß. Da wird gespart“, berichten die jungen Niederländerinnen.

Auch empfinden sie in ihrem Land manches Reglement als „viel strenger“ als in Deutschland: Von der Türklinke bis zur Steckdose sei daheim in den Kitas alles so hoch angebracht, dass Kinder nicht damit in Berührung kämen; das Gitterbettchen werde zum Mittagsschlaf mit Schloss versehen, damit kein Kind ausbüxen könne. „Aufeinander schauen, voneinander lernen: Europa öffnet sich“: Dieses Fazit zogen die deutschen Erzieherinnen ebenso wie die niederländischen Schülerinnen aus dem Besuchstag.

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