Gescheraner Landwirte ärgern sich über hohe Hürden durch EU-Bürokratie / „Kann man nicht nachvollziehen“
Bunten Blühstreifen droht das Aus

Gescher. Nein. Nachvollziehen könne man das nicht. Da sind sich die beiden Gescheraner Landwirte Antonius Kloster und Heinz Lanfer einig. Die Rede ist von der neuen EU-Agrarreform, die Landwirten für das Anlegen von Blühstreifen hohe Hürden auferlegt. Dort, wo Fahrradfahrer bislang auf ihren Touren durch die Bauerschaften bunte Sträuße aus Sonnenblumen, Raps oder Ringelblumen pflücken konnten, wird also in diesem Sommer das Getreide wohl direkt bis zum Wegesrand angebaut.

Dienstag, 14.04.2015, 12:18 Uhr

„Das Anlegen der Blühstreifen war immer unkompliziert und eine tolle Sache“, sagt Antonius Kloster, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV). „Aber durch die neuen Formalitäten wird sich das jetzt wohl komplett erledigen“, ist sein Kollege Heinz Lanfer verärgert. Drei Jahre lang hätten die Landwirte auf freiwilliger Basis und größtenteils aus eigener Tasche zur Naherholung entlang ihrer Felder Blühstreifen angelegt. „Die sollten natürlich auch die Akzeptanz für die angebliche Maismonokultur steigern, obwohl der Maisanteil in Gescher gerade einmal bei 40 Prozent liegt“, erklärt Lanfer.

Doch nicht nur das Landschaftsbild sollten die Blühstreifen verbessern, sondern auch den Artenreichtum erhöhen. „Wir haben von Bienenzüchtern gehört, dass sie seitdem sogar mehr Honig hatten“, nennt Kloster einen weiteren Vorteil. „Alle waren damit gut zufrieden“, wirft Lanfer ein. Doch nun sei damit Schluss.

Grund sind die hohen Hürden, die mit der EU-Agrarreform einhergehen. Zum einen müsse die Aussaat bereits zum ersten April erfolgen, was wenig Sinn ergebe, da zu dem Zeitpunkt auch die Maisfelder noch nicht bestellt seien und die Genossenschaften das Saatgut auch noch nicht vorrätig hätten. Außerdem müsse die genaue Zusammensetzung des Saatguts abgesegnet werden. Und nicht zuletzt schreckt ein fünfseitiges Antragsformular ab, in dem unter anderem die Blühstreifen als separate Fläche gemeldet werden und mindestens 1000 Quadratmeter groß sein müssen. „Das wird wahrscheinlich kein Landwirt mehr mitmachen“, bedauert Lanfer.

Somit werden die bislang genutzten Blühstreifenflächen wohl umgepflügt und ebenfalls für den Mais- und Getreideanbau genutzt werden. Denn aufs Geratewohl Blühstreifen am Auge der EU vorbei anzulegen, dürfte mit Konsequenzen verbunden sein. „Die Betriebe werden stichprobenartig geprüft und die Flächen über GPS nachgemessen“, sagt Lanfer. „Wenn dann ein paar Quadratmeter fehlen, kriegt man von Brüssel direkt einen reingewürgt“, ist sich das Vorstandsmitglied im LOV sicher. „Das braucht sich keiner zu erlauben“, fügt Kloster hinzu.

Eine Erklärung für diese Bürokratie habe die EU nicht mitgeliefert. „Als Landwirt hat man von den Blühstreifen zwar keinen Nutzen, aber darum ging es uns ja nicht“, sagt Kloster. „Wir wollten die Landschaft auflockern.“ Nun hoffen die Landwirte, dass im kommenden Jahr vielleicht eine weitere Reform wieder Abhilfe verschafft. Doch im kommenden Sommer werden sich die Gescheraner ihre Wildblumen wohl beim Blumenhändler kaufen müssen.

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